Bätzing tritt nicht wieder anBischöfe entscheiden über neue Führung und vielleicht auch über neuen Kurs
Von Solveig Bach
Sechs Jahre steht der Limburger Bischof Georg Bätzing an der Spitze der Deutschen Bischofskonferenz. Doch der Reformer trifft in diesem Amt immer wieder auf Widerstände, nun soll es ein anderer richten. Aber wer?
Ende Januar liefen die Vorbereitungen für die Frühjahrsvollversammlung der Bischofskonferenz bereits auf Hochtouren, als endgültig klar wurde: alles läuft auf einen Wechsel hinaus. Der seit 2020 amtierende Vorsitzende Georg Bätzing schrieb den anderen Bischöfen, er werde sich bei der am Montag beginnenden Zusammenkunft nicht für eine zweite Amtszeit als Vorsitzender zur Wahl stellen.
"Jetzt ist es Zeit, diese für die Arbeit der Bischofskonferenz wichtige Aufgabe in andere Hände zu legen - und ich bin mir sicher, es wird gut weitergehen", so Bätzing in seinem Schreiben. Zu den Gründen für seine Entscheidung schwieg sich der Limburger Bischof weitgehend aus. "Ich habe mich dazu nach Beratung und reiflicher Überlegung entschieden", hieß es lediglich.
Noch im Dezember hatte sich der 64-Jährige eine erneute Kandidatur offengelassen, auch wenn er schon damals im Deutschlandfunk beklagte, dass die deutschen Bischöfe "nicht mit einer Stimme in jeder Frage reden". Das war eine freundliche Umschreibung der Tatsache, dass unter den Bischöfen Uneinigkeit herrscht.
Konservative Königsmörder
Bätzing war überzeugt vom Reformprozess Synodaler Weg, was ihm vom Vatikan, aber auch von Bischofskollegen den Vorwurf einbrachte, eine Spaltung der Kirche zu riskieren. Immer wieder hatten die Bischöfe Stefan Oster (Passau), Rudolf Voderholzer (Regensburg), Kardinal Rainer Maria Woelki (Köln) und der frühere Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke der progressiveren Mehrheit in der Bischofskonferenz bei Kirchenreformen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Sie kritisierten Bätzings Einsatz für Segnungen gleichgeschlechtlicher Paare ebenso wie den für die Stärkung von Frauen in Ämtern der Katholischen Kirche. Trotzdem gelang es ihm, dass mit Beate Gilles eine Frau als Generalsekretärin der Bischofskonferenz gewählt wurde.
Über die klaren Differenzen könnte fast in Vergessenheit geraten, dass Bätzing die Bischofskonferenz durchaus vereinigte, beispielsweise in eindeutiger Ablehnung der AfD. Die rechtsextremistische Gefahr, die von der AfD ausgehe, wurde im Februar 2024 in einer gemeinsamen und einstimmigen Erklärung der deutschen Bischöfe mit dem Titel "Völkischer Nationalismus und Christentum sind unvereinbar" verurteilt. Die Botschaft war klar: Für Christen ist die AfD nicht wählbar. Er selbst nannte die Partei öffentlich antidemokratisch. Im DLF weigerte sich Bätzing, die Bischofskonferenz als zerstrittenen Haufen zu sehen. In etwa 80 Prozent der Fälle seien sich die 27 Diözesanbischöfe einig, so sein Urteil.
Doch nach sechs Jahren regulärer Amtszeit braucht die katholische Deutsche Bischofskonferenz nun einen neuen Chef. Bätzing selbst erklärte, er wünsche der Konferenz der Bischöfe "weiterhin den Mut zum offenen Wort, zu konstruktivem Ringen und die Bereitschaft, aufeinander zuzugehen".
Zwei Favoriten
Diese Qualitäten haben vermutlich mehrere Bischöfe. Als Favoriten werden derzeit meist der Paderborner Bischof Udo Markus Bentz und sein Hildesheimer Amtskollege Heiner Wilmer genannt. Bentz steht für einen gemäßigt reformorientierten Kurs und ist in Kirche und Politik gleichermaßen gut vernetzt. Wilmer war in den Debatten um den Synodalen Weg sehr präsent und wird als profilierter Vertreter eines Reformkurses gesehen. Das heißt aber nicht, dass die Wahl eines Überraschungs- oder Kompromisskandidaten ausgeschlossen ist. Dann könnte die Stunde des Augsburger Bischofs Bertram Meier schlagen, den viele als eher konservativ, aber dialogbereit beschreiben, oder auch die von Heiner Koch aus Berlin, dessen Vermittlungsfähigkeiten allgemein anerkannt sind.
Viele erwarten eine gemäßigt konservative Persönlichkeit mit Dialogfähigkeit nach innen und nach Rom. Entschieden wird in geheimer Wahl der Vollversammlung in Würzburg am Dienstag. Gegenüber der personellen Neuausrichtung treten Punkte wie der christlich-muslimische Dialog oder die christlichen Minderheiten im Nahen Osten vermutlich in den Hintergrund. Der Abschluss des Synodalen Wegs oder das Dauerthema des sexuellen Missbrauchs sind hingegen für neue Differenzen geeignet. In der Bischofskonferenz beraten die Vertreter der 27 deutschen katholischen Bistümer und Erzbistümer über kirchliche Angelegenheiten. Sie hat 59 Mitglieder.