Panorama

Entsetzen nach Gürtel-Angriff Barley: Antisemitische Attacke ist "Schande"

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Die Opfer trugen zum Zeitpunkt des Vorfalls Kippas.

(Foto: REUTERS)

Der Angriff auf zwei junge Männer mit Kippa in Berlin sorgt bundesweit für Entsetzen. Kanzlerin Merkel fordert, "mit aller Härte und Entschlossenheit" gegen Antisemitismus vorzugehen. Die Täter sind noch unbekannt.

Ein erneuter antisemitischer Übergriff in Berlin hat Empörung ausgelöst. Nach Angaben der Polizei beleidigten und attackierten drei Unbekannte zwei junge Männer auf einer Straße im Stadtteil Prenzlauer Berg, wobei ein Opfer durch Schläge mit einem Gürtel leicht verletzt wurde. Politiker und Verbandsvertreter reagierten entsetzt, Bundesjustizministerin Katarina Barley sprach von einer "Schande" für das Land. Bundesaußenminister Heiko Maas nannte die Attacke "unerträglich".

Bundeskanzlerin Angela Merkel mahnte, "mit aller Härte und Entschlossenheit" gegen jegliche Form von Antisemitismus vorzugehen. "Dieser Kampf gegen solche antisemitischen Ausschreitungen muss gewonnen werden", sagte die Kanzlerin nach einem Treffen mit den ostdeutschen Ministerpräsidenten in Bad Schmiedeberg.

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"Hier wurde eine rote Linie überschritten", erklärte der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster. Er sei "erschüttert". Schon vor Jahren habe er darauf hingewiesen, dass es problematisch sei, in muslimisch geprägten Stadtteilen eine Kippa zu tragen. Dieser Vorfall aber habe sich "im gutbürgerlichen Prenzlauer Berg" ereignet.

Dass Menschen wegen ihrer Religionszugehörigkeit auf offener Straße attackiert werden, müsse "auf das Schärfste verurteilt werden", erklärte die Integrationsbeauftragte der Regierung, Annette Widmann-Mauz. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller verurteilte die Tat. "Antisemitismus gehört nicht zum Berlin, in dem wir leben wollen", betonte er.

Kippa als Experiment getragen

Auch CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer sprach von einer "Schande". Antisemitismus dürfe nie wieder einen Platz in Deutschland haben - "egal aus welchem Umfeld", teilte sie über Twitter mit. Grünen-Bundeschef Robert Habeck warnte vor wachsendem Antisemitismus. Die Entwicklung sei "besorgniserregend". Vertreter von Linken und AfD äußerten sich ebenfalls empört.

Wie die Polizei in der Hauptstadt mitteilte, wurden der 21-jährige Israeli und der 24-jährige Deutsche nach dem bisherigen Stand der Ermittlungen von drei unbekannten, mutmaßlich arabischen Männern beschimpft und angegriffen. Die Opfer trugen zum Zeitpunkt der Attacke Kippas, die traditionelle Kopfbedeckung von Menschen jüdischen Glaubens. Der Vorfall wurde von dem 21-Jährigen gefilmt und bei Facebook geteilt. In einem Interview mit der "Deutschen Welle" sagte er: "Ich bin nicht jüdisch, ich bin Israeli, ich bin in Israel in einer arabischen Familie aufgewachsen." Die Kippa habe er als Experiment getragen. Ein Freund habe ihn gewarnt, man sei in Deutschland nicht sicher, wenn man eine Kippa trage. Das habe er nicht geglaubt, erklärte der Mann weiter.

Der Staatsschutz der Polizei übernahm die Ermittlungen zu dem Fall. Die Polizei hatte nach eigenen Angaben bis zum Nachmittag noch keine genaueren Erkenntnisse zu den Verdächtigen. Die Ermittlungen dazu liefen, sagte eine Sprecherin der Ermittler.

Quelle: n-tv.de, fzö/AFP/rts

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