"Aus islamistischer Szene"Berliner Polizei identifiziert Verdächtigen von CSD-Anschlag

Der CSD in Berlin wird von einer Amokfahrt durch den Tiergarten überschattet. Mindestens ein Mensch stirbt, über ein Dutzend weitere werden verletzt. Jetzt weiß die Polizei, wer den Wagen gefahren hat.
Die Polizei in Berlin hat nach dem Angriff am Rande des Christopher Street Days (CSD) nach eigenen Angaben einen Verdächtigen identifiziert. "Der Mann ist polizeibekannt und wird der islamistischen Szene in Berlin zugerechnet", sagt ein Polizeisprecher. Einzelheiten nannte er nicht.
Die "Welt" berichtet jedoch, dass Spezialkräfte bereits gegen 1.10 Uhr versucht hätten, den Mann in seiner Wohnung festzunehmen. Dort wurde er jedoch nicht angetroffen, meldet die Zeitung. Der Verdächtige sei erst im Mai aus dem Jugendarrest entlassen worden. Noch im Verlauf des heutigen Tages soll eine Öffentlichkeitsfahndung nach dem Flüchtigen folgen.
Die Ermittler würden dem Bericht zufolge noch prüfen, ob der Verdächtige den Wagen nur gemietet hat oder auch selbst gefahren ist. "Wir haben weiterhin noch keinerlei Hinweise auf seine konkreten Motivationshintergründe oder auch den genauen Ablauf oder seinen Tatbeitrag als solchen", sagte der Polizeisprecher weiter.
Ein Fahrzeugfahrer hat laut Polizei kurz vor 22 Uhr am Samstagabend im Bereich des Tiergartens nahe dem Potsdamer Platz Menschen angefahren und verletzt. Mindestens eine Frau starb bei der Amokfahrt. Der CSD wurde daraufhin abgebrochen. Die Hintergründe sind noch unklar.
Nach Polizeiangaben gibt es unterschiedliche Aussagen dazu, ob es ein oder mehrere Täter gibt. Nach Zeugenangaben sollen Menschen zudem auch durch Stiche verletzt worden sein. Für Angehörige wurde eine Auskunftsstelle unter 030/84854460 eingerichtet, wie ein Polizeisprecher sagte.
Verletzte sind in Kliniken
Nach Angaben eines Feuerwehrsprechers sind von den 16 Verletzten drei lebensbedrohlich und acht schwer verletzt. Zudem gibt es fünf leicht verletzte Menschen, wie er sagte. Die lebensbedrohlich und schwer verletzten Menschen seien alle in Krankenhäuser gebracht worden.
Ferner werden nach Angaben des Sprechers 30 Menschen von den Helfern der Feuerwehr betreut. Sie stünden unter dem Eindruck des Geschehens. Es gebe vor Ort eine psychologische Notfallversorgung. Die Feuerwehr ist nach eigenen Angaben mit 150 Helfern vor Ort.
Bundeskanzler Friedrich Merz verurteilte eine "abscheuliche Tat". Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner verurteilte einen "Angriff auf unsere freie und weltoffene Gesellschaft".
Hunderttausende Menschen hatten unter dem Motto "Haltung ist hot" am Christopher Street Day der Schwulen- und Lesbenbewegung in Berlin teilgenommen. Bis zu diesem Vorfall verliefen die Demo und das Fest weitgehend störungsfrei.