Panorama

Amerikas unbekanntes Kind "Boy in the box" hat einen Namen

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Joseph Augustus Zarelli wurde 1953 geboren und 1957 ermordet.

(Foto: AP)

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Der "Junge im Karton" ist lange einer der bekanntesten ungelösten Mordfälle Philadelphias. Seine Leiche wird 1957 gefunden, doch alle Ermittlungen laufen ins Leere. Dank neuer Technik kann ihn ein Ermittlerteam nun identifizieren und möglicherweise auch bald den Mörder finden.

An einem kalten Februartag 1957 findet ein College-Student in einem Waldgebiet im Nordosten von Philadelphia in einem Karton die Leiche eines Jungen. Einen Tag später meldet er sich bei der Polizei, nachdem er mit einem Priester gesprochen hat. Jahrzehntelang laufen alle polizeilichen Ermittlungen ins Leere, es gelingt nicht einmal, die Identität des Kindes zu klären. Bis jetzt.

65 Jahre nach dem Leichenfund bringen modernste DNA-Untersuchungen den Durchbruch. Bei dem "Boy in the Box" handele es sich um Joseph Augustus Zarelli, teilt die Polizei auf einer eigens anberaumten Pressekonferenz mit. Der Junge, der als "Amerikas unbekanntes Kind" beerdigt wurde, wies deutliche Zeichen von Misshandlung auf und war in eine Decke gewickelt. Die Autopsie ergab, dass er buchstäblich totgeschlagen worden war. Dem Nationalen Zentrum für vermisste und ausgebeutete Kinder nach war er bei seinem Auffinden bereits seit einigen Tagen tot und auch zuvor schon unterernährt. Sein Haar war grob bis an die Kopfhaut geschnitten.

Die Untersuchungen 1957 ergaben außerdem, dass es sich um einen vier- bis sechsjährigen Jungen handelte. Allerdings wurde nie eine Vermisstenanzeige aufgegeben, die die Polizei in Verbindung mit dem Kind bringen konnte. Die Ermittlungen endeten in einer Sackgasse.

"Nie vergessen"

Trotzdem bewegte der Fall die Einwohner von Philadelphia über Jahrzehnte, 2008 erschien dazu ein Buch mit dem Titel "Boy in the Box" (Der Junge im Karton). "Seit 65 Jahren verfolgt die Geschichte von Amerikas unbekanntem Kind diese Gemeinde, das Philadelphia Police Department, unsere Nation und die Welt", sagte Danielle Outlaw, Polizeikommissarin in Philadelphia. Generationen von Polizisten, von denen einige bereits nicht mehr lebten, hatten an dem Fall gearbeitet. "Trotz der Tatsache, dass Joseph Augustus Zarelli seine gesamte Identität und sein rechtmäßiger Anspruch auf seine eigene Existenz genommen wurde, wurde er nie vergessen", so Outlaw.

Wie in anderen cold cases wuchs die Hoffnung auf neue Ermittlungsergebnisse mit dem Aufkommen neuer forensischer Ermittlungsmöglichkeiten. Im April 2019 erteilte ein Gericht den Ermittlern die Genehmigung, den Leichnam zu exhumieren und moderne DNA-Analysen durchzuführen.

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Die Ergebnisse dieser Tests wurden in DNA-Datenbanken hochgeladen, sagte Polizeivertreter Jason Smith. Mithilfe der Ahnenforscher von Identifinders International, einem Unternehmen für forensische genetische Genealogie, konnten schließlich Verwandte in der mütterlichen Familie des Kindes ausfindig gemacht werden. So konnten die Ermittler die leibliche Mutter identifizieren. Weitere Nachforschungen führten schließlich zu der Person, die später durch zusätzliche Tests als Vater des Kindes bestätigt wurde. Sowohl der Vater als auch die Mutter von Joseph Augustus Zarelli sind bereits gestorben, es gibt aber noch lebende Geschwister. Deren Namen nannte die Polizei jedoch nicht, um ihre Identität zu schützen.

Smith sagte, die Beamten wüssten noch nicht, wer den Jungen getötet habe oder unter welchen Umständen er gestorben sei. Die Ermittlungen würden aber fortgesetzt. "Wir haben einen Verdacht, wer dafür verantwortlich sein könnte, aber es wäre unverantwortlich von mir, diesen Verdacht zu teilen, da dies eine aktive und laufende strafrechtliche Untersuchung bleibt", sagte Smith.

Quelle: ntv.de

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