Panorama

"Ophelia" facht die Flammen an Brände in Portugal fordern Menschenleben

Auf der iberischen Halbinsel wüten Wald- und Buschbrände. Dutzende Menschen kommen ums Leben. In Portugal sind es so viele Brandherde gleichzeitig, dass die Feuerwehren an ihre Grenzen stoßen. Zudem gibt es in Galicien Hinweise auf Brandstiftung.

Portugal wird vier Monate nach den besonders verheerenden Waldbränden erneut von einer Feuersbrunst heimgesucht. Mindestens 31 Menschen kamen bei Bränden in mehreren mittelportugiesischen Bezirken ums Leben, wie die Zivilschutzbehörde mitteilte. Auch ein Säugling, nur einen Monat alt, verlor in den Flammen sein Leben. Etwa 50 Bewohner wurden verletzt, 15 von ihnen schwer. Es wird befürchtet, dass die Zahl der Opfer noch steigt, da die Rettungskräfte noch nicht in alle Gebiete gelangen konnten.

Im Juni hatten mindestens 63 Menschen in den Flammen ihr Leben verloren. In der nordwestspanischen Region Galicien kamen vier Menschen bei Waldbränden ums Leben.
Besonders betroffen sind diesmal die Bezirke Coimbra und Castelo Branco in der Mitte Portugals sowie weiter nördlich der Bezirk Viseu.

Ein Sprecher der Zivilschutzbehörde nannte 65 Brandherde, davon 32 besonders heftig wütende Feuer. Die Behörden riefen die Menschen dazu auf, selbst gegen die Flammen vorzugehen, da nicht überall auf die Feuerwehrleute gewartet werden könne. Zahlreichen Straßen sind nicht mehr passierbar.

Die Flammenwände erreichten inzwischen Fischerdörfer an der Atlantikküste. In der Kleinstadt Mira im Bezirk Cuimbra gingen zahlreiche Häuser in Flammen auf, wie die Zeitung "O Público" berichtete. Auch in der Umgebung seien Dörfer von den Flammen erfasst, sagte der Präsident des Stadtrats von Mira, Raúl Almeida, der Nachrichtenagentur Lusa. Nur mit Hilfe von 40 freiwilligen Helfern sei es den Feuerwehrkräften in Mira gelungen, ein weiteres Ausbreiten der Brände zu stoppen.

Nebenwirkungen von Sturmtief "Ophelia"

Bei den Toten handelt es sich um Bewohner im Katastrophengebiet. Bisher gibt es keine Hinweise, dass auch Feuerwehrleute ums Leben kamen. Ein Sprecher der Zivilschutzbehörde wies Kritik an den Behörden zurück: Grund für die Eskalation der Lage sei nicht eine falsche Strategie der Brandbekämpfung, sondern die Heftigkeit der Brände und die besonders große Trockenheit in diesem Jahr.

Die Einsatzkräfte hoffen auf ein Atlantiktief, das für die kommenden Tage Regen bringen soll. Die derzeitige Wetterlage sorgt aktuell für besonders ungünstige Bedingungen: Sturmtief "Ophelia" saugt trockene Luftmassen aus dem Süden nach Europa. Von den Auswirkungen ist auch die Unglücksregion betroffen. Dort facht anhaltender Starkwind die Flammen zusätzlich an und erschwert insbesondere auch die Löscharbeiten aus der Luft.

Todesopfer auch in Spanien

Bei Wald- und Buschbränden in der nordwestspanischen Provinz Galicien starben mindestens vier Menschen. Der Vertreter der spanischen Regierung in der autonomen Region, Santiago Villanueva, sagte dem Sender Cadena Ser, alle Feuer dort seien vermutlich von Brandstiftern gelegt worden. Gegen mehrere Verdächtige werde ermittelt.

Etwa 20 von den Bränden bedrohte Ortschaften wurden evakuiert. Auch ein Studentenwohnheim der Universität Vigo und eine Fabrik des Automobilherstellers PSA Peugeot Citröen wurden geräumt. Insgesamt wurden in der Region bis zu 200 Brandherde registriert, 60 Feuer brachen am Sonntagnachmittag aus. Betroffen war eine Fläche von mehr als 4000 Hektar - das ist mehr als das Vierfache der Fläche von Berlin.

In der Nähe von Nigrán südlich von Vigo kamen zwei Frauen ums Leben, die versucht hatten, den Flammen in einem Lieferwagen zu entkommen. Feuerwehrleute fanden ihre Leichen. Zunächst war die Rede von zwei getöteten Männern gewesen.

Außerdem kam ein 67 Jahre alter Mann bei Carballeda de Avia ums Leben, als er die sich seinem Haus nähernden Flammen löschen wollte, wie die Zeitung "El Mundo" berichtete.

Der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy machte sich in Galicien vor Ort ein Bild von der Situation. Der galicische Regierungschef Alberto Núñez Feijóo bekundete sein Beileid und fügte hinzu, dass er die Brandstifter verabscheue. Der Ministerrat der Regionalregierung kam zu einer Sondersitzung zusammen.

Im Juni waren bei Bränden im Bezirk Leira in der Mitte Portugals mindestens 63 Menschen ums Leben gekommen. Das Zentrum lag bei Pedrógão Grande, etwa 200 Kilometer nordöstlich von Lissabon. Im August brachen in der Mitte Portugals erneut mehr als 150 Waldbrände aus. Auch damals hatte das beständig heiße und trockene Wetter die Ausbreitung der Flammen begünstigt.

Quelle: n-tv.de, mmo/hul/AFP/dpa