Panorama

Aus der Schmoll-EckeBullerbü ist halt keine Atommacht 

18.01.2026, 06:54 Uhr schmollEine Kolumne von Thomas Schmoll
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Ein gutes Dutzend Bundeswehrsoldaten soll ab sofort vor Ort erkunden, welchen Beitrag Deutschland für die Sicherheit Grönlands leisten kann. (Foto: picture alliance/dpa)

Blitzfrieden-Trump hält sich nicht ans Völkerrecht. Wir Deutschen machen da nicht mit. Wir sind zwar nicht der militärische Fels, dafür aber der hell leuchtende Bernstein in der Brandung. Völker der Welt, schaut auf dieses wunderbare Land ohne Atombomben, ohne Kernkraftwerke und ohne Tempolimit.

Adieu, du schöne Winterlandschaft, alles schon wieder geschmolzen und vorbei, die Klimawandelignoranten können nicht mehr sagen: Seht her, Schnee, viel Schnee, es ist kalt, sehr kalt, alles normal. Er schmilzt oder ist bereits weg, der Schnee von gestern. Die Bundeswehr kann für ihren Grönland-Einsatz nicht mehr so richtig in hiesigen Gefilden trainieren. Was sie allerdings auch bei Schnee nicht könnte. Die Ausschreibung zur Anschaffung eines Hundeschlittens muss EU-weit erfolgen. Die Fristen sind strikt einzuhalten. Der Auftrag kann daher erst Ende 2026 erteilt werden, dann noch zwei Jahre Bauzeit für den Schlitten - und schon schützen auch wir Deutschen die Grönländer vor dem Größenwahn des Donald Trump, dem Erfinder des Blitzfriedens. Bis der Bundeswehrhundeschlitten fertig ist, bereden Sachkundige bei Maybrit Illner und Markus Lanz den Ernst der Lage.

Sie sehen, mir sind weder der schwarze Humor noch der Zynismus abhanden gekommen. Nur so kann ich noch den Kopf oben halten in der Welt des Wahnsinns, in der Fakten und historische Tatsachen durch fiktionale Alternativen ersetzt werden, mächtige Männer mit Atomwaffen im Arsenal ihre unumstößlichen Wahrheiten haben und ihren Versionen der Realität folgen. Wir Deutschen halten weiter tapfer dagegen, machen da nicht mit. Wir sind zwar nicht der militärische Fels, dafür aber der hell leuchtende Bernstein in der Brandung. Völker der Welt, schaut auf dieses Land, dieses Kleinod der Moral, dieses Bullerbü ohne Atombomben, ohne Kernkraftwerke und ohne Tempolimit.

Bei uns gilt das Völkerrecht. Wir sagen: So nicht, Blitzfrieden-Trump! Gewählte Diktatoren, die Oppositionelle foltern und ermorden lassen, kann man nicht einfach entführen, das müssen auch Sie einsehen. Denn dann macht der Fiesling im Kreml, was er will. Und die Chinesen ebenso. Da denkt man an die gute alte Zeit. Als Angela Merkel, die Herzensgute, und Barack Obama, der Herzensgute, regierten, war die Welt besser, da wurden die Menschenrechte beherzigt. "Ich freue mich darüber, dass es gelungen ist, Bin Laden zu töten", hatte die vom Christentum geleitete Deutsche verkündet, als der amerikanische Präsident im Mai 2011 den Gründer und Anführer der Terrorgruppe al-Qaida niederballern ließ.

Unchristliche Freude

Eine herzensgute Protestantin, die nicht gegen die herzlose Tötung eines Muslims protestiert - geht das überhaupt? "Das Motiv ihrer Freude war der Gedanke: Von diesem Mann wird nun keine Gefahr mehr ausgehen. Die Welt lebt hoffentlich ein Stück sicherer", musste Merkels Regierungssprecher Steffen Seibert seinerzeit mitteilen, da der eine oder andere Christ erklärt hatte, Freude über den Tod eines Menschen sei unchristlich. Das Völkerrecht und die Menschenrechte setzen gezielten Tötungen bekanntlich sehr enge Grenzen - das gilt für alle, auch für Mörder wie Osama bin Laden.

Seibert sowie das Bundesjustiz- und das Außenministerium drückten sich im Mai 2011 vor einem schnellen Urteil, ob die militärisch exzellent durchgeführte Tötung des seinerzeit meistgesuchten Islamisten der Welt gegen das Völkerrecht verstieß, da Details über die Aktion zunächst unbekannt waren. Im Mai 2011 kam man damit leicht durch, war Rücksichtnahme auf die USA nicht nur erlaubt, sondern normal. Von Nicolás Maduro wird nun keine Gefahr mehr ausgehen. Venezuela lebt hoffentlich ein Stück sicherer. Zu sagen, die Lage sei "komplex" für eine schnelle völkerrechtlichen Bewertung - das geht trotzdem nicht. Man will eine glasklare Verurteilung des Bösen.

Angela Merkel wird bekanntlich als Humanistin gefeiert und erhält dafür hier und da eine Ehrendoktorwürde. Steffen Seibert ist nun deutscher Botschafter in Israel, ein Land, dessen aktuelle Regierung die Menschenrechte ganz prima findet. Christus kam nur bis Eboli, die Heilige Annalena kam vom Völkerrecht. Und ist jetzt Präsidentin der UN-Vollversammlung, eine globale Hüterin des Völkerrechts. "Die Charta der Vereinten Nationen ist kein Wunschkonzert, sondern eine Lehre aus zwei Weltkriegen. Das Recht des Stärkeren führt ins Desaster. Gerade die Vetomächte tragen Verantwortung, diese Ordnung zu schützen", erklärte sie, zugeschaltet aus New York, bei Maybrit Illner, wo sechs Leute ohne Einfluss erklärten, wie Grönland und der Rest der Welt gerettet werden können, wenn dieses oder jenes passiert.

Die Welt wird mehr und mehr zur Vorhölle

Eines der in der Charta ganz vorn genannten "Ziele" lautet, "den Weltfrieden und die internationale Sicherheit zu wahren und zu diesem Zweck wirksame Kollektivmaßnahmen zu treffen, um Bedrohungen des Friedens zu verhüten und zu beseitigen, Angriffshandlungen und andere Friedensbrüche zu unterdrücken und internationale Streitigkeiten oder Situationen, die zu einem Friedensbruch führen könnten, durch friedliche Mittel nach den Grundsätzen der Gerechtigkeit und des Völkerrechts zu bereinigen oder beizulegen".

Das klingt wunderbar, fantastisch. Da bin ich voll dabei, das sollte jeder mögen. Wären da nicht Russland, China und die USA, die - wie Frankreich und Großbritannien - Vetorecht haben. "Die UNO wurde nicht geschaffen, um die Menschheit in den Himmel zu bringen, sondern um sie vor der Hölle zu bewahren." Das Zitat - es wird immer wieder dem britischen Premierminister Winston Churchill zugeschrieben - stammt von dem schwedischen Friedensnobelpreisträger Dag Hammarskjöld, der von 1953 bis zu seinem Tod 1961 UN-Generalsekretär war.

Die Vereinten Nationen waren als Konsequenz aus dem Zweiten Weltkrieg gegründet worden. Sie sollten global Frieden und Menschrechte sichern. Beides ist nur mäßig bis gar nicht gelungen. Die Welt wird mehr und mehr zur Vorhölle. Die UN sind zu einer Schaubühne der Diktatoren und Autokraten geworden, die dort ihre Lügen verbreiten und maximal von Rolltreppen gestoppt werden. All die Resolutionen verhallen, weil jeder Machthaber mit einem prall gefüllten Waffenarsenal am Ende tut, was er will. Daran kann Deutschland nichts ändern. Denn Bullerbü ist keine Atommacht und hat eine Armee, die nicht so wirklich funktioniert. Wir brauchen die Amerikaner. Zur Not die Franzosen und Briten.

Blitzfrieden-Trump hat seine eigene Moral. Oder keine. Das macht es verdammt schwierig, mit ihm auszukommen. Denn er tut ohnehin, was er will, heute dies, morgen das, Zölle rauf, Zölle runter, ein paar Bomben hier, ein paar Bomben dort. Er hat die Mittel, die Welt zu erpressen. Wir deutschen Moralapostel schaffen es derweil nicht einmal, in der EU durchzusetzen, dass das Korps der iranischen Revolutionsgarden auf die Terrorliste gesetzt wird, obwohl bekannt ist, dass die islamistischen Brüder (ohne Schwestern) jüdische Einrichtungen hierzulande attackieren wollten. Immerhin können die Grönländer aufatmen: Die 15 Bundeswehrsoldaten vor Ort werden es ganz bestimmt richten - unter strikter Wahrung der Menschenrechte.

Quelle: ntv.de

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