Panorama

Verdächtiger im Fall Maddie Christian B. muss Rückschlag hinnehmen

Das Verfahren am Europäischen Gerichtshof (EuGH) könnte Auswirkungen auf den Fall

Das Verfahren am Europäischen Gerichtshof könnte Auswirkungen auf den Fall Maddie McCann haben.

(Foto: dpa)

Ein Generalanwalt des Europäischen Gerichtshofs ist zum Ergebnis gekommen, dass Christian B. wegen einer Vergewaltigung in Portugal von einem deutschen Gericht verurteilt werden durfte. Dieses Gutachten könnte entscheidend sein, um eine Freilassung des Tatverdächtigen im Fall Maddie zu verhindern.

Der Tatverdächtige im Fall Maddie hat bei seinen Bemühungen um eine Freilassung aus dem Gefängnis einen Rückschlag hinnehmen müssen. Ein Generalanwalt des Europäischen Gerichtshofes kam nun in einem Rechtsgutachten zu dem Ergebnis, dass der 43-jährige Deutsche im Dezember 2019 vom Landgericht Braunschweig wegen der Vergewaltigung einer US-Amerikanerin verurteilt werden durfte.

Das Gutachten ist für die EuGH-Richter nicht bindend, meist folgen sie aber der Einschätzung des zuständigen Generalanwaltes. Konkret geht es in dem EuGH-Verfahren darum, dass Christian B. eine Aufhebung des Urteils wegen der Vergewaltigung fordert, weil er ursprünglich auf Grundlage eines Europäischen Haftbefehls für eine andere Straftat an Deutschland ausgeliefert worden war.

Er verweist dabei darauf, dass es EU-Regeln für den Europäischen Haftbefehl verbieten, dass jemand dann auch wegen anderer vor der Auslieferung begangener Straftaten belangt wird.

Keine Einschränkungen für zweiten Haftbefehl

Nach dem Rechtsgutachten ist diese Regelung aber für den Fall irrelevant, da Christian B. Deutschland zwischenzeitlich wieder freiwillig verlassen hatte und erst über einen neuen Europäischen Haftbefehl nach Deutschland zurückkam. Dieser wurde von Behörden in Italien vollstreckt - die auch zustimmten, dass der Mann wegen der Vergewaltigung verfolgt und verurteilt wird. In diesem Fall greifen die Einschränkungen für den ersten Haftbefehl nach Auffassung des Generalanwalts nicht mehr.

Relevant ist das Verfahren auch wegen möglicher Auswirkungen auf den Fall der vor 13 Jahren verschwundenen Britin Madeleine "Maddie" McCann: Sollte der Mann vom EuGH recht bekommen, könnte ihm womöglich in Deutschland nicht der Prozess gemacht werden. Der Mann wird inzwischen verdächtigt, die dreijährige Britin 2007 aus einer Ferienanlage an der portugiesischen Algarve entführt zu haben. Die deutschen Ermittler gehen davon aus, dass das Mädchen tot ist.

Christian B. war ursprünglich 2017 von Portugal an Deutschland übergeben worden, damit er dort wegen sexuellen Missbrauchs eines Kindes belangt werden konnte. Die wegen dieser Tat gegen ihn verhängte Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten verbüßte er laut EuGH-Angaben bis zum 31. August 2018. Danach reiste er aus Deutschland aus und kam erst über den neuen Europäischen Haftbefehl wegen Drogenhandels wieder zurück.

Nach Verbüßung der deswegen verhängten Freiheitsstrafe von 21 Monaten könnte er nach derzeitigem Stand zunächst einmal die Strafe wegen Vergewaltigung der zur Tatzeit 72 Jahre alten US-Amerikanerin antreten müssen. Die Strafe war unter Einbeziehung früherer Verurteilungen auf sieben Jahre festgesetzt worden. Die Vergewaltigung wurde 2005 in Praia da Luz verübt - dem späteren Entführungsort von Maddie.

Seit Kurzem ermittelt die Staatsanwaltschaft Braunschweig wegen Mordverdachts gegen B., auf dessen Spur sie bereits 2013 kam und der sich zwischen 1995 und 2007 regelmäßig an der portugiesischen Küste aufhielt. Eine Anklage gibt es aber noch nicht. Wie stark die Indizien gegen den Mann im Fall Maddie sind, ist unklar. Bis jetzt wurde keine Anklage erhoben. Zuletzt führten Ermittler Ende Juli Grabungen in einem Kleingarten am Stadtrand von Hannover aus.

Ob und möglicherweise was bei der zweitägigen Polizeiaktion gefunden wurde, teilte die Staatsanwaltschaft Braunschweig bislang nicht mit. Die Behörde ermittelt erst seit kurzer Zeit wegen Mordverdachts gegen B. Eine erste Spur zu ihm hatte es bereits 2013 nach der Ausstrahlung einer ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY... ungelöst" gegeben. Die damaligen Informationen reichten aber für Ermittlungen nicht aus.

Quelle: ntv.de, ysc/dpa