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Pandemie spaltet Arm und Reich Corona-Krise trifft besonders Geringverdiener

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Jeder dritte Geringverdiener hat dem Bericht zufolge seit Beginn der Pandemie Probleme, laufende Ausgaben zu decken.

(Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild)

Die Corona-Pandemie verstärkt die bestehenden sozialen Schieflagen in Deutschland. Menschen mit geringem Einkommen leiden besonders stark unter der Krise, heißt es in einem 500 Seiten starken Berichtsentwurf der Bundesregierung. Sie hätten noch weniger Aufstiegschancen als vorher.

Weniger Rücklagen, geringere Chancen auf dem Arbeitsmarkt, Probleme beim Homeschooling: Finanzielle Auswirkungen der Corona-Pandemie treffen bisher insbesondere viele Menschen mit niedrigen Einkommen und verringern deren Aufstiegschancen. Das geht aus einem Entwurf für den Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung hervor. Nach den vorläufigen Zahlen hatten im August rund 30 Prozent der Befragten mit besonders niedrigen Einkommen seit Beginn der Pandemie Probleme, laufende Ausgaben zu decken. Hochgerechnet 15,5 Millionen Haushalte mussten bis zu diesem Zeitpunkt Einkommenseinbußen in der Pandemie hinnehmen. Besonders betroffen waren laut Berichtsentwurf Gering- und Normalverdiener.

"Für die Ergebnisse dieses Berichts muss sich die Bundesregierung schämen", sagte Anja Piel vom Vorstand des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). Das Papier zeige, dass sich Ungleichheit verfestige und sozialer Aufstieg ein leeres Versprechen bleibe. "Diese Situation wird durch die Pandemie noch einmal erheblich verschärft."

In dem Entwurf wird deutlich, dass die Bildungs- und Aufstiegschancen einkommensschwacher Menschen durch die Pandemie weiter eingeschränkt werden. So berichteten insbesondere Eltern mit niedrigen Einkommen von weniger Unterstützung von Seiten der Schulen beim Homeschooling und sorgten sich um die Aufstiegschancen ihrer Kinder. Generell sind die Aufstiegschancen insbesondere für Menschen aus den unteren Einkommensschichten seit den 80er Jahren kontinuierlich gesunken. Ihnen fällt es immer schwerer, in die Mittelschicht aufzusteigen.

Die Auswirkungen der Pandemie auf den Arbeitsmarkt könnten dem Bericht zufolge insbesondere Langzeitarbeitslose treffen. Diese sähen sich verstärkt mit dem Problem eines teilweise verschlossenen Arbeitsmarktes konfrontiert. Und während etwa in der öffentlichen Verwaltung die Beschäftigtenzahlen stabil blieben, gab es bei Beschäftigten in der Gastronomie seit April einen Anstieg der Arbeitslosenzahlen um 80 Prozent.

Verband fordert "einmalige Vermögensabgabe"

Positive Impulse gab es hingegen durch das Kurzarbeitergeld. Insbesondere Menschen mit mittleren oder geringen Einkommen profitierten dem Bericht zufolge von der staatlichen Leistung. "Diese Hilfen haben so die sozialen Härten besonders für die untere Einkommensmitte abgefedert", heißt es in einer Kurzfassung des Berichts. Insgesamt ist der Anteil der Menschen in Kurzarbeit im vergangenen Sommer gesunken.

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Aus Sicht von Verbänden gehen die Bemühungen der Politik jedoch nicht weit genug. "Die Parteien müssen jetzt im Wahlkampf sagen, wie sie mit dem Anstieg von Armut und der verfestigten sozialen Ungleichheit umgehen wollen", sagte Piel. Es sei unter anderem Zeit für eine Vermögenssteuer. Die Präsidentin des Sozialverbands VdK, Verena Bentele, forderte als Reaktion auf den Bericht eine "einmalige Vermögensabgabe" für Menschen und Betriebe mit großen Vermögen, um die Kosten der Krise gerecht zu verteilen.

Der Armuts- und Reichtumsbericht wird alle vier Jahre unter Federführung des Bundessozialministeriums erstellt und soll eine Bestandsaufnahme der sozialen Lage in Deutschland liefern. Der neue, sechste Bericht soll noch im Frühjahr veröffentlicht werden, wie eine Ministeriumssprecherin sagte. Eine fundiertere Analyse der Pandemieauswirkungen auf die Haushaltseinkommen oder die Ungleichheit in Deutschland wird jedoch erst später möglich sein, wie es in dem Entwurf heißt.

Quelle: ntv.de, hny/dpa

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