Panorama

Ideologie, Waffen, Verzweiflung Cruz bewegte sich langsam auf Tag X zu

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Ein Bild von Cruz' Instagram-Account.

(Foto: AP)

Die Trauer um die Opfer ist in Parkland groß. Zwar ist der Täter des Schulamoklaufs gefasst, doch immer mehr wächst die Gewissheit, dass Nikolas Cruz hätte gestoppt werden können.

Während die ersten Opfer des Schulmassakers von Parkland im US-Bundesstaat beerdigt werden, wird immer mehr über den Täter bekannt. Der 19-jährige Nikolas Cruz hatte am Valentinstag in seiner früheren Schule mit einer halbautomatischen Waffe geschossen, nachdem er kurz vor Unterrichtsschluss einen Feueralarm ausgelöst hatte. Seine Opfer kamen wegen des Alarms arglos aus den Klassenzimmern, als er um sich schoss. 17 Menschen starben. Der Täter ließ sich danach widerstandslos festnehmen.

Dem US-Sender CNN zufolge hatte Cruz vor der Tat in einem privaten Instagram-Gruppenchat immer wieder rassistische, homophobe und antisemitische Ansichten vertreten. Außerdem zeigt er sich besessen von Waffen und Gewalt. Cruz war der Instagram-Gruppe demnach im August 2017 beigetreten, die anderen Mitglieder scheinen noch unter 18 Jahren alt zu sein. Die meisten Gespräche fanden zwischen sechs verschiedenen Teilnehmern statt, von denen Cruz einer war.

Der spätere Amokläufer schrieb, dass er "Juden und Einwanderer "hasse. Außerdem sprach er dem Sender zufolge davon, Mexikaner zu töten, schwarze Menschen in Ketten zu halten und ihnen die Kehle durchzuschneiden. Es gebe Hunderte von rassistisches Memes, Botschaften und Videos in der Gruppe. Trotz der grundsätzlichen ideologischen Einigkeit gebe es keine Hinweise, dass jemand aus der Gruppe Mitglied in einer nationalistischen und weißen Rassistenvereinigung war.

Warnungen nicht weitergegeben

Am Wochenende hatte das FBI eingeräumt, dass es hinsichtlich des späteren Todesschützen frühzeitig gewarnt worden war. Ein Anrufer hatte auf dessen Obsession für Waffen hingewiesen - und darauf, dass Cruz womöglich einen Überfall auf eine Schule plane, sagte FBI-Chef Christopher Wray. Weil der Anruf des Zeugen vom 5. Januar aber nicht weitergegeben wurde, erreichte er die Polizei vor Ort nicht.

Trotz seiner offensichtlichen psychischen Probleme, wegen der er auch in einer Klinik behandelt wurde, hatte Cruz vor ungefähr einem Jahr legal die spätere Tatwaffe kaufen können. Die AR-15 war auch immer wieder Thema in dem Instagram-Chat. Ein anderer Gesprächspartner zeigte ihm eine Webseite, bei der er Zubehör dafür erwerben konnte. So hätte er die Waffe auf Vollautomatik umrüsten können. Cruz kaufte dort später jedoch lediglich eine Schutzweste. In der Gruppe, in der er auch getötete Tiere zeigte, nannte er sich zuletzt "Zerstörer" und posierte mit einem Arsenal aus Messern und Schusswaffen.

Dem britischen "Telegraph" zufolge hatte Cruz am Junior Reserve Officer Trainigs Corp teilgenommen, einem föderalen Programm, das von den US-Streitkräften gefördert und von der größten Waffenlobbyorganisation, der National Rifle Association (NRA) unterstützt wird. Die Kadetten tragen Uniformen und haben Dienstränge. Cruz' Adoptivmutter hoffte, ihr Sohn würde hier Disziplin lernen und gleichzeitig Zugehörigkeit erfahren. Zwischenzeitlich soll der 19-Jährige geplant haben, in die Armee einzutreten und Elite-Soldat bei einer Sondereinheit zu werden.  

"Absolut verloren"

Inzwischen äußerte sich auch das Ehepaar, bei dem Cruz  zum Tatzeitpunkt lebte. Er sei während der drei Monate verschroben, aber liebenswürdig gewesen, sagte Kimberley Snead aus Parkland dem "Florida Sun Sentinel". Cruz sei wegen des Todes seiner Adoptivmutter deprimiert gewesen. Sie hätten keine Ahnung gehabt, dass "ein Monster unter unserem Dach wohnt".

Das Ehepaar Kimberley und James Snead nahm Cruz im November bei sich auf, nachdem seine Adoptivmutter an den Komplikationen einer Lungenentzündung gestorben war. Er sei ein Freund ihres Sohnes gewesen. Der 48-jährige Armeeveteran James Snead erklärte, er habe Cruz gesagt, dass es Regeln geben würde, und diese habe er penibel befolgt.

Die Familie störte sich auch nicht daran, dass Cruz eine Waffe besaß. Sie musste lediglich zusammen mit den anderen Waffen der Familie im Safe verwahrt werden. Die Freundin der Mutter, bei der er zunächst gemeinsam mit seinem Bruder Zachary untergekommen war, hatte ihn wegen der Waffe aufgefordert, ihr Haus zu verlassen. Der Bruder wurde am Freitag der "Palm Beach Post" zufolge vorübergehend in eine psychiatrische Einrichtung gebracht.

Zuletzt sahen die Sneads Cruz auf der Polizeiwache nach dem Massaker. Er habe einen Krankenhauskittel und Handschellen getragen. "Er sagte, es tue ihm leid", erzählte James Snead. "Er sah verloren aus, absolut verloren."

Quelle: ntv.de

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