Panorama

EMA-Entscheidung "prüfen" Dänemark hält an Astrazeneca-Stopp fest

231836319.jpg

Die Impfdosen des britisch-schwedischen Herstellers bleiben in Dänemark noch in der Verpackung.

(Foto: picture alliance / Ritzau Scanpix)

Nachdem die EMA empfohlen hat, das Astrazeneca-Vakzin weiterhin zu verwenden, nimmt Deutschland die Impfungen wieder auf. Anders Dänemark: Hier will man die Entscheidung der Behörde zunächst selbst prüfen. Dafür werden die dort aufgetretenen Blutgerinnsel-Fälle gründlich untersucht.

Ungeachtet des grünen Lichts der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) will Dänemark den Corona-Impfstoff von Astrazeneca vorerst noch nicht wieder einsetzen. Es sollten zunächst die Entscheidung der EMA "und deren Auswirkung auf das dänische Impfprogramm" geprüft werden, erklärte der Chef der Gesundheitsbehörde, Soren Brostrom. Zwar habe die EMA das Vakzin als "sicher und effektiv" eingeschätzt, zugleich aber habe sie auch einen Zusammenhang mit gefährlichen Blutgerinnseln nicht ausgeschlossen.

In Dänemark werden den Angaben zufolge derzeit zehn Fälle von schweren Blutgerinnseln nach Astrazeneca-Impfungen untersucht, darunter ein Todesfall. Insgesamt erhielten mehr als 140.000 Dänen das Vakzin. Das Land hatte nach Berichten über die Blutgerinnsel in der vergangenen Woche als erstes Land in Europa die Impfungen mit Astrazeneca unterbrochen.

Anschließend erließen mehrere weitere Länder, darunter Deutschland, einen Impfstopp. Viele von ihnen - auch Deutschland - haben inzwischen angekündigt, nach der EMA-Entscheidung die Impfungen mit Astrazeneca wieder aufzunehmen.

Die EMA hatte nach einer Sondersitzung am Donnerstag erklärt, der Nutzen des Impfstoffs beim Schutz vor einer Covid-19-Erkrankung überwiege "mögliche Risiken". Einen Zusammenhang zwischen Impfungen mit Astrazeneca und seltenen, aber gefährlichen Blutgerinnseln im Gehirn konnte die Behörde aber "nicht endgültig" ausschließen. Die Produktinformation für das Vakzin soll nun dementsprechend angepasst werden, um Patienten und Ärzte auf die möglichen Gefahren hinzuweisen.

Weitere Lockerungen beschlossen

Dänemark befindet sich derweil angesichts niedriger Neuinfektionszahlen seit einigen Wochen auf dem Weg vom strikten Lockdown nach und nach hin zur Lockerung der Corona-Maßnahmen. Die Dänen dürfen sich ab Montag wieder mit bis zu 10 Menschen unter freiem Himmel treffen. Die Obergrenze für organisierte und draußen stattfindende Sport-, Freizeit- und Vereinsaktivitäten wird dann zudem von 25 auf 50 Teilnehmer angehoben, wie Ministerpräsidentin Mette Frederiksen am späten Donnerstagabend nach einer Einigung mit den Parlamentsparteien mitteilte.

Auch bei Gottesdiensten unter freiem Himmel dürfen jetzt bis zu 50 Menschen dabei sein. Zudem gibt es gewisse weitere Lockerungen für Schulen in der Region um die Hauptstadt Kopenhagen. Jüngere Schüler konnten bereits am 8. Februar in ihre Klassenzimmer zurückkehren, seit Anfang März ist unter anderem auch der Großteil des Einzelhandels wieder offen. Restaurants, Cafés, Kneipen und Fitnessstudios bleiben dagegen zunächst bis einschließlich Ostern geschlossen.

Die Neuinfektionszahlen sind in Dänemark seit Mitte Dezember stark gesunken. Derzeit liegen sie auf die Bevölkerung heruntergerechnet in etwa auf dem Niveau von Deutschland. Auch die bisherigen Lockerungen der Maßnahmen haben die dänischen Zahlen bisher nicht wieder wesentlich in die Höhe schießen lassen.

Quelle: ntv.de, mdi/AFP/dpa

ntv.de Dienste
Software
ntv Tipp
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.