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"Eine enorme Hitze"Das passiert bei einem sogenannten Flashover

02.01.2026, 13:47 Uhr
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Das Standbild aus einem Video der Kantonspolizei Wallis zeigt einen Bereich der Bar "Le Constellation", in der es in der Silvesternacht zu einem schweren Brand gekommen ist. (Foto: picture alliance/dpa/Kantonspolizei Wallis)

Rund 40 Tote und 115 Verletzte: Noch sind viele Fragen zur Ursache der Brandkatastrophe in der Schweiz offen. Die Regierung des Kantons Wallis spricht von einem sogenannten Flashover. Doch was ist das eigentlich?

Bei dem verheerenden Silvesterbrand in einer Bar im Schweizer Ski-Ort Crans-Montana haben sich die Flammen Augenzeugen zufolge rasend schnell ausgebreitet und den Party-Ort im Untergeschoss des zweistöckigen Lokals für viele Menschen in eine tödliche Falle verwandelt. Die Regierung des Kantons Wallis erklärte, infolge des Brandes sei es zu einem sogenannten Flashover gekommen, "der nach ersten Erkenntnissen eine oder mehrere Explosionen zur Folge hatte".

Laut der Non-Profit-Internetplattform Brand-Feuer.de handelt es sich bei einem Flashover um einen heftigen Flammenüberschlag, auch Feuersprung genannt. Das Institut der Feuerwehr Nordrhein-Westfalen spricht von einem Phänomen "der extremen Brandausbreitung". Es entsteht, wenn sich in einem geschlossenen Raum sogenannte Pyrolysegase ansammeln. Bei Pyrolyse handelt es sich um die Spaltung organischer Verbindungen durch große Hitze.

Ab einer Temperatur von etwa 600 Grad entzünden sich die dabei entstehenden Pyrolysegase im gesamten Raum schlagartig - ein Vorgang, den Brandschutz-Experten als "Durchzünden" bezeichnen. Aus dem Entstehungsbrand wird so ein Vollbrand, bei dem schnell Temperaturen von über 1000 Grad entstehen. "Nach einer Raumdurchzündung brennen die Oberflächen aller brennbaren Materialien im Raum", heißt es in einem Schulungsdokument des nordrhein-westfälischen Feuerwehrinstituts.

"Raum steht auf einmal komplett in Flammen"

Der Brandschutzexperte Thomas Knecht sagte im Gespräch mit ntv, dass es bei einem Flashover "zu einer schlagartigen Durchzündung aller Rauchgase in dem Raum kommt, der Raum steht auf einmal komplett in Flammen, es ist eine enorme Hitze". Auf die Frage nach den Bedingungen für ein Flashover sagte er, es brauche viel Rauch, der auch selbst brennbar ist und sich schnell entzünden kann. "Das passiert beispielsweise, wenn Materialien wie Kunststoff oder Schaumstoffe verwendet werden, die sehr viel von diesem Rauch erzeugen." Die Rauchgase würden sich sehr schnell im kompletten Raum ausbreiten und schlagartig auf einmal entzünden.

Laut Brand-Feuer.de schlagen die Flammen "auch meistens mit erheblicher Wucht nach außen". Ein Flashover-Effekt ist daher nicht nur für die Menschen in dem brennenden Raum, sondern auch für die Einsatzkräfte der Feuerwehr gefährlich. In der ZDF-Dokumentation Terra X plus sagt Feuerwehrtrainer Dick Klopper, dass Flashover-Situationen die Hauptursache dafür seien, dass Feuerwehrleute im Einsatz sterben.

Im Interview mit ntv geht der Vizepräsident des Deutschen Instituts für vorbeugenden Brandschutz, Ralf Abraham, auch auf die niedrige Deckenhöhe in der Bar ein. Bei höheren Decken würde Rauch noch eine Weile Zeit haben, sich oben zu sammeln.

Anschlag ausgeschlossen

Die Behörden leiteten Ermittlungen zum Brand ein, zur Ursache wollten sie keine Spekulationen anstellen; ein Anschlag wurde allerdings schnell ausgeschlossen.

Die zweigeschossige Bar "Le Constellation" befindet sich im Erdgeschoss und Keller eines Wohngebäudes und hat Platz für 300 Menschen sowie 40 weitere Personen auf der Terrasse, wie es auf der Website von Crans-Montana hieß. Mehrere Zeugen sagten, dass der Veranstaltungsraum im Untergeschoss, wo das Feuer ausbrach, nur durch eine Treppe mit dem Erdgeschoss verbunden sei. Einige beschrieben die Treppe als "schmal".

Die Generalstaatsanwältin des Wallis, Béatrice Pilloud, bestätigte dies jedoch nicht. Sie betonte, dass die Ursache der Tragödie noch untersucht werde. Die Ermittlungen würden zeigen, ob alle Sicherheitsstandards eingehalten wurden. Es sei noch zu früh, um sich dazu zu äußern, ob die Notausgänge den nötigen Standards entsprachen und ob von den Organisatoren der Silvesterfeier die notwendigen Verfahren eingehalten wurden.

Quelle: ntv.de, are/AFP

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