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Nutzer der Dating-App Grindr können in ihrem Profil den HIV-Status angeben.
Nutzer der Dating-App Grindr können in ihrem Profil den HIV-Status angeben.(Foto: picture alliance / dpa)
Dienstag, 03. April 2018

"Branchenübliche Praxis": Dating-App gibt HIV-Daten weiter

Grindr gilt als Tinder-Alternative in der schwulen Szene. Nutzer können dort das Ergebnis eines HIV-Tests in ihr Profil eintragen. Eigentlich sollen diese Information nur andere Nutzer sehen. Doch Grindr reicht die Angaben auch an Partner-Firmen weiter.

Die bei homosexuellen Männern beliebte Dating-App Grindr ist wegen der Weitergabe von HIV-Daten an externe Unternehmen in die Kritik geraten. Grindr-Technologiechef Scott Chen versicherte, die Daten seien in verschlüsselter Form und lediglich zur Optimierung der Grindr-Software an zwei Partnerfirmen weitergeben worden.

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Die norwegische Forschungseinrichtung Sintef hatte herausgefunden, dass Grindr die Nutzerdaten an die zwei Softwarefirmen weitergegeben hatte. Neben Informationen zum Datum des jüngsten HIV-Tests und zu HIV-Erkrankungen gehörten etwa auch der Wohnort und die E-Mail-Adresse dazu.

Durch die Kombination dieser Daten ließen sich die einzelnen Nutzer identifizieren, sagte der Sintef-Forscher Antoine Pultier der Website "Buzzfeed". Der HIV-Status sei mit all den anderen Informationen verknüpft. Dies sei das "Hauptproblem".

Grindr-Manager Chen bezeichnete es als branchenübliche Praxis, dass Nutzerdaten mit Unternehmen geteilt würden, die an der Optimierung der eigenen Software arbeiteten. Die beauftragten Firmen Apptimize and Localytics testeten und bewerteten die Plattformen. Sie seien vertraglich strikt verpflichtet, die Daten vertraulich zu behandeln und zu schützen.

Grindr-Manager: Kein Verkauf an Anzeigenkunden

Sein Unternehmen habe nie "persönlich identifizierbare Nutzerinformationen" an andere Unternehmen wie etwa Anzeigenkunden verkauft und werde dies auch künftig nicht tun, versicherte Chen. Dies gelte insbesondere für Daten zum HIV-Status oder HIV-Testdatum. Grindr verstehe die in der Homosexuellengemeinde herrschenden "Sensibilitäten" hinsichtlich der Verbreitung solcher Informationen. Die Firma trage dafür Sorge, dass die Privatsphäre ihrer Nutzer geschützt werde.

Die Partnervermittlungs-App hat mehr als 3,5 Millionen tägliche Nutzer weltweit. Die dortigen individuellen Profile können viele Information enthalten. Die Angaben zu ihrem HIV-Status sind für die Nutzer jedoch freiwillig. Sie können selber entscheiden, ob sie das entsprechende Feld ausfüllen oder auslassen.

Die Aids Healthcare Foundation (AHF), ein US-Dachverband von in der Arbeit mit HIV- und Aidskranken engagierten Organisationen, warf Grindr gleichwohl einen "ungeheuerlichen Verstoß gegen Rechtsvorschriften zur Vertraulichkeit" vor. Das Unternehmen müsse diese "rücksichtslose Praxis" unverzüglich einstellen.

Die AHF lobte jene Männer, welche die Informationen zu ihrem HIV-Status auf Grindr eingegeben hatten, für ihren "Mut". Es sei "extrem bedauernswert", dass die Firma dann diese "höchstprivaten Daten wahllos weitergegeben" habe. In Frankreich rief der Dachverband der im Kampf gegen HIV und Aids tätigen Organisationen zum "totalen Boykott" von Grindr auf.

Quelle: n-tv.de