Panorama

Umweltkatastrophe in der Oder "Davon wird sich der Fluss auf Jahre nicht erholen"

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Zander, Welse, Gründlinge und Steinbeißer - in der Oder treiben tonnenweise tote Fische.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Oder als Grenzfluss zwischen Deutschland und Polen ist in weiten Teilen ein Nationalpark. Das Fischsterben allein ist bereits eine Katastrophe, doch die Folgen für andere Tierarten sind noch gar nicht absehbar. Derweil läuft die Suche nach den Ursachen.

Noch sind die Ursachen nicht zweifelsfrei geklärt - doch die Folgen des Fischsterbens in der Oder werden nach Einschätzung von Brandenburgs Umweltminister Axel Vogel noch lange zu spüren sein. "Für die Oder als ökologisch wertvolles Gewässer ist das ein Schlag, von dem sie sich mehrere Jahre vermutlich nicht mehr erholen wird", sagte der Grünen-Politiker in Schwedt bei einem Besuch in der Region. Die Fischbestände müssten erst langsam neu aufgebaut werden. Bundesumweltministerin Steffi Lemke sagte: "Hier bahnt sich eine Umweltkatastrophe an."

Das Massensterben der Fische gibt weiter Rätsel auf. "Unser Problem ist, dass wir nach wie vor im Dunkeln tappen, dass wir also nicht wissen, welche Stoffe tatsächlich in die Oder eingebracht wurden", sagte Vogel. "Wir haben Hinweise von polnischer Seite, dass um den 28. Juli bei Oppeln, also in der Nähe von Breslau, Stoffe in die Oder gelangten, die dort ein Fischsterben ausgelöst haben." Vogel bestätigte, dass eine Quecksilberbelastung der Oder festgestellt worden sei - "aber wir können zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine Aussage treffen, dass Quecksilber ursächlich für den Tod der Fische verantwortlich ist".

"Schlichtweg eine Katastrophe

Möglich sei eine Kombination von mehreren Faktoren wie Hitze, geringe Wasserführung und Giftstoffen. "Es kann durchaus sein, dass es sich hierbei um Stoffe handelt, die lange schon in die Oder eingebracht wurden, aber normalerweise bei Mittelwasser überhaupt kein Problem darstellen", sagte Vogel. Aktuell gebe es aber historische Niedrigwasserstände an der Oder. Dadurch steige die Konzentration aller Stoffe im Wasser. Es sei inzwischen geklärt, dass Fische auch in Deutschland sterben würden und nicht nur verendete Tiere aus Polen angeschwemmt worden seien, sagte der Umweltminister.

Naturschützer gehen von weitreichenden Folgen für den Nationalpark Unteres Odertal aus. "Für den Nationalpark ist das schlichtweg eine Katastrophe", sagte Vize-Nationalparkleiter Michael Tautenhahn. Die Vergiftungswelle sei komplett durch die Oder gegangen. Über die gesamte Strombreite habe man tote Fische treiben sehen. Betroffen seien etwa Zander, Welse, Gründlinge und Steinbeißer. Seeadler und andere Vögel könnten Gift durch die toten Fische aufnehmen. Der Nationalpark Unteres Odertal zählt zu den artenreichsten Lebensräumen in Deutschland.

"Wir brauchen jetzt Klarheit"

Inzwischen gibt es an den polnischen Behörden zunehmend Kritik. Das Bundesumweltministerium beklagte ein Versagen der bei solchen Ereignissen üblichen Meldekette. "Tatsächlich wissen wir, dass diese Meldekette, die für solche Fälle vorgesehen ist, nicht funktioniert hat", sagte ein Sprecher. Gemeint ist das frühzeitige Melden des Fischsterbens auf der polnischen Seite.

Das Bundesumweltministerium steht nach eigenen Angaben im Austausch mit der polnischen Regierung, dem dortigen Infrastrukturministerium und der polnischen Botschaft. Auch mit den Brandenburger Behörden, die in erster Linie für die Aufarbeitung zuständig seien, stehe das Haus in Kontakt. "Wir brauchen jetzt Klarheit über die Stoffe, die dort tatsächlich im Wasser sind." Bislang stünden die Behörden noch vor einem "unvollständigen Bild".

Nach Angaben der polnischen Umweltschutzbehörde wurde das Fischsterben wahrscheinlich von einer Wasserverschmutzung durch die Industrie ausgelöst. Polen wird die Untersuchungsergebnisse von massenweise verendeten Fischen aus der Oder aber frühestens am Sonntag vorlegen können. Bislang habe das Staatliche Forschungsinstitut in Pulawy noch keine Fische erhalten, sagte der Leiter Krzysztof Niemczuk der Nachrichtenagentur PAP. Die Fische sollen auf Metalle, Pestizide und andere giftige Stoffe untersucht werden.

Die Landrätin des Kreises Uckermark, Karina Dörk, sagte, das Gebiet entlang der Oder werde mit Drohnen überflogen, um zu sehen, wie sich das Fischsterben weiter entwickle. Für diesen Samstag sei auf deutscher Seite ein Einsatz zum Einsammeln der toten Fische geplant.

Quelle: ntv.de, jwu/dpa

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