Panorama

Hitze geht, Trockenheit bleibtDer Herbst treibt ein gefährliches Spiel

10.09.2026, 16:25 Uhr
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Den Nordwesten erwartet am kommenden Wochenende ein Tief, das Regen und Wind im Gepäck hat. (Foto: picture alliance / Hauke-Christian Dittrich)

Der Sommer schleicht aus, der Herbst gewinnt an Fahrt. Die ergiebigen Niederschläge bleiben aber weiter aus. Wohin der September und der Herbst wollen, weiß ntv-Meteorologe Paul Heger.

ntv.de: Die kühlen Nächte verraten uns, dass der Herbst langsam da ist. Tagsüber war es teilweise aber nochmal richtig heiß. Bleibt diese Mischung bestehen?

Paul Heger: Das, was wir da erlebt haben, war eine Mischung aus frühherbstlichen Zuckungen und nur langsam weichender Hochsommerhitze. Im Süden Europas gab es auch in den vergangenen Tagen immer wieder Temperaturen von 35 bis 40 Grad Celsius. In Skandinavien hat dagegen längst der Herbst das Sagen. Und wir sind mittendrin. Das ist erstmal recht normal für Anfang September.

Ich spüre ein Aber in der Antwort.

Na ja, die Temperaturspitzen nach oben waren natürlich nicht ohne. Mit rund 35 Grad am Dienstag in Ihringen in Baden-Württemberg sind wir nur knapp an einem neuen Temperaturrekord für September vorbeigeschrammt. Nach dem Hitzesommer, gerade in der Südwesthälfte Deutschlands, haben manche verständlicherweise die Relationen für Normalwerte etwas verloren. Ja, diese Wärme ist weiterhin deutlich überdurchschnittlich. Und sie kann abgeschwächt auch weiterhin zu uns kommen.

Wird das Wetter schon am Wochenende heiß?

Das Wochenende wird teilweise spätsommerlich aber nicht heiß. Im Norden liegen die Höchstwerte am Samstag bei rund 20 Grad, sonst etwas darüber. Vom Rheinland bis zum Neckar und Oberrhein gibt es Werte um 25 Grad. Das ist auch am Sonntag die wärmste Gegend. Das Wetter wird sich aber sehr unterschieden.

Also ein kontrastreiches Wochenende für Deutschland?

Absolut. Den Samstag sollten die meisten von uns draußen nutzen, denn abgesehen von wirklich nur vereinzelten Schauern, bleibt es meist trocken. Der Start in den Tag kann nur hier und da etwas trüber durch Nebel, Hochnebel und Wolken sein. Im Laufe des Tages setzt sich aber die Sonne durch. Ab den Abendstunden erwischt uns von Nordwesten ein Tief, dass am Sonntag bis in den Süden zieht. Es wird also zumindest zwischendurch windiger, grauer, etwas nasser und leicht kühler. Am Montag wendet sich das Blatt aber schon wieder.

Und dann kommt die Hitze zurück nach Deutschland.

Ja, vermutlich dürfte es nach einem recht freundlichen Montag mit bis zu 27 Grad im Südwesten am kommenden Dienstag wieder für bis zu 30 Grad reichen. Je nach Entwicklung sind am Mittwoch auch im Osten knapp 30 Grad drin. Eventuell aber auch nur 17 Grad. Die Unsicherheiten sind aktuell recht groß, da wir auch große Temperaturgegensätze in Europa haben.

Das Wetter geht demnach in den nächsten Tagen fleißig hin und her?

Besonders die Temperaturen. Wir haben das nach der Hitze am Dienstag ja erlebt. Von 35 Grad ging es runter auf Höchstwerte von knapp über 20 im Südwesten. An den Alpen gab es einen vergleichbaren Temperatursturz. Nachts waren dann anstatt 15 Grad nur noch 5 Grad drin, stellenweise gab es Bodenfrost. Das ist schon anstrengend. Nur der Nordwesten hat es hinsichtlich wilder Schwankungen etwas besser.

Dafür ist es hier ständig grau und windig und nass, oder?

Genau, weil man sich im Nordwesten näher an den Tiefdruckgebieten befindet. Das ist auch nicht unnormal, gerade für diese Jahreszeit, in der die Tiefdruckgebiete über dem Atlantik wieder stärker werden. Schließlich wollen sie ja mal richtige Herbststürme werden.

Stichwort Herbststurm: Droht demnächst einer?

Die Britischen Inseln hatten schon sehr viel Wind, Skandinavien auch. Wir in Deutschland haben den herbstlichen Wind beim zurückliegenden Wochenwechsel oder auch in der Nacht zu Mittwoch gespürt. Die großen Temperaturkontraste erhöhen das Sturmrisiko zwar, derzeit ist aber noch nichts Konkretes in Sicht. Aufpassen muss man eher im Süden Europas.

Südeuropa hatte regional schlimme Unwetter. Ist ein Ende in Sicht?

Eher nein, denn das Mittelmeer ist immer noch sehr warm, teilweise um 30 Grad. Da ist sehr viel Energie vorhanden, die immer wieder in Form von Sturm, Starkregen oder Hagel spürbar wird. Das dürfte hier noch wochenlang immer wieder sehr unruhig werden. Wir in Deutschland liegen zwischen diesen beiden Zonen, zwischen den Herbststürmen im Norden und den spätsommerlichen Unwettern im Süden.

Das verspricht doch tolles, ruhiges Wetter im September, oder?

Na ja, der Teufel liegt wie immer im Details. Über das Auf und Ab der Temperaturen haben wir ja schon gesprochen. Das wird noch eine Weile bei uns bleiben. Damit ziehen auch immer wieder Fronten mit Wind, Schauern und Gewittern durch. Es bleibt also wechselhaft. Leider mit einem großen Haken.

Der Haken sind wohl wieder die Regenmengen? Die Trockenheit ist ja immer noch ein großes Thema.

Genau das ist der Punkt. Zwischendurch gab es etwas mehr Regen, die Wasserstände sind teilweise spürbar nach oben gegangen. Die vergangenen Tage waren aber schon wieder viel zu trocken. Die Böden haben sich, wenn überhaupt, nur oberflächlich erholt. Der Bodensee verzeichnet weiterhin Rekordniedrigstände für diese Jahreszeit. Auch die Pegelmessungen im Rhein zeigen teilweise Werte unterhalb der Rekorde der vergangenen Jahre. Die Lage bleibt weiterhin sehr ernst, auch wenn man das in der Natur teilweise erst bei genauem Hinschauen sieht.

Dieser Warnung ist zu entnehmen, dass es weiterhin eher trocken bleibt?

Genau. Die wechselhafte Wetterlage wird hier und da Regen bringen, regional kurzzeitig auch nennenswerte Mengen. Aber Landregen ist bis auf Weiteres nicht in Sicht. September und Oktober könnten in Deutschland weiterhin deutlich trockener als normal ausfallen.

Das ist natürlich nicht gut. Gibt es zum Schluss noch einen Hoffnungsschimmer?

Wir hoffen auf mehr Regen zum Herbstende und im Winter. Ein paar Anzeichen gibt es. Im Endeffekt ist das aber alles Spekulation. Und bis dahin - einfach, weil man es eh nicht ändern kann - können wir uns wohl in diesem Herbst über viele goldene Tage freuen.

Quelle: ntv.de

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