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Katholiken und Homosexualität Deutscher Pater legt sich mit Vatikan an

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Homosexualität ist in der katholischen Kirche ein Tabu. Wucherpfennig will das ändern.

(Foto: picture alliance/dpa)

Papst Franziskus nennt Homosexualität eine Modeerscheinung, doch nicht jeder in der katholischen Kirche sieht das so. Der Frankfurter Jesuitenpater Wucherpfennig vertritt offen ganz andere Ansichten und eckt damit in Rom an.

Sexualmoral, Frauen in der Kirche, Ökumene, kirchliche Machtstrukturen - in all diesen Fragen muss sich die katholische Kirche aus Sicht des Frankfurter Jesuitenpaters Ansgar Wucherpfennig weiterentwickeln. "Auch in konservativen Milieus ist nicht mehr verstehbar, warum sich die Kirche in den angesprochenen Punkten nicht weiter auf die Gesellschaft zubewegt", sagte der Rektor der katholischen Hochschule Sankt Georgen..

Der Vatikan hatte dem Jesuiten-Pater 2018 wegen liberaler Äußerungen über Homosexuelle vorübergehend die Fortführung seines Amtes verwehrt. "Es ist schon eine grundsätzliche Schwierigkeit, dass Wahrheitsfragen in der Kirche oft über Machtfragen entschieden werden", sagte Wucherpfennig.

"Volle Mitglieder der Kirche. Basta"

Homosexualität in der katholischen Kirche sei "nach wie vor vor ein starkes Tabu", sagte Wucherpfennig. "Ein katholischer Reflex ist leicht und schnell homophob." Er will mit einer Seelsorge-Initiative für gleichgeschlechtliche Paare "ein großes Willkommenssignal senden": "Es gibt Schwule und Lesben in der katholischen Kirche, die müssen sich auch nicht rechtfertigen, sondern sie sind volle und gleichberechtigte Mitglieder in der Kirche. Basta."

Papst Franziskus äußerte sich zuletzt ungehalten über Homosexuelle in der Kirche. "In unseren Gesellschaften scheint es gar, dass Homosexualität eine Mode ist, und diese Mentalität beeinflusst auf gewisse Weise auch die Kirche", hatte er in einem Interview mit dem Autor Fernando Prado für dessen Buch "La fuerza de la vocación" (Die Kraft der Berufung) gesagt.

Homosexuelle Menschen im Klerus und in Priesterseminaren bereiteten ihm Sorgen, es sei eine "sehr ernste Angelegenheit". Menschen mit "dieser tiefverwurzelten Tendenz" sollten seiner Meinung nicht in Seminaren oder zu religiösen Orden zugelassen werden.  Es sei ein "Fehler", zu glauben, dass Schwule in der priesterlichen Ausbildung "nicht so schlimm" seien und Homosexualität nur eine Form der Zuneigung sei. "Im geweihten Leben und im priesterlichen Leben hat diese Art von Zuneigung keinen Platz."

Quelle: n-tv.de, ame/dpa

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