Panorama

Ikonische Fotos des 11. September Die Staubfrau, der Feuerwehrmann und der Fallende

Wo waren Sie am 11. September 2001? Diese Frage kann fast jeder beantworten. Die Anschläge auf die Türme des World Trade Centers in New York, das Pentagon und eine weitere Passagiermaschine haben sich tief in das kollektive Bewusstsein eingegraben. Untrennbar damit verbunden sind Bilder, die damals um die Welt gingen. Einige stehen geradezu ikonisch für den Schrecken und die Verwüstung, die die Terroristen innerhalb weniger Minuten verbreiteten.

Die Staubfrau

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(Foto: dpa)

AFP-Fotograf Stan Honda fotografierte die "Staubfrau" am Morgen des 11. September in der Lobby des World Trade Center. Die 28-jährige Marcy Borders hatte wenige Wochen zuvor als Rechtsanwaltsfachangestellte bei der Bank of America angefangen. Ein Traumjob. Ihr Arbeitsplatz lag im 81. Stock des Nordturmes. Dem britischen "Independent" erzählte sie später, sie habe gerade am Kopierer gestanden, als das entführte Flugzeug um 8.46 Uhr in den Wolkenkratzer krachte. Das ganze Gebäude habe gezittert, sie sei sofort in Panik geraten. Ein Vorgesetzter habe noch versucht, die Mitarbeiter zu beruhigen und gesagt, sie sollten an ihren Schreibtischen bleiben. "Aber ich lief einfach nur noch."

Auf der Treppe drängten sich unzählige Menschen, viele schrien, einige waren durch Scherben und Metallsplitter verletzt. Ein entgegenkommender Feuerwehrmann habe nur geschrien: "Lauft, und nicht zurückschauen." Es dauerte fast eine Stunde, bis sie die Straße erreichte, inzwischen hatten die Terroristen ein weiteres Flugzeug in den Südturm gesteuert, der kurz darauf zusammenbrach. Sie sei vor der Wolke aus Trümmern, Staub und Rauch geflohen, die sie regelrecht zu verfolgen schien. Schließlich habe die Druckwelle sie erreicht und zu Boden geworfen. "Ich habe gedacht, dass wir bombardiert worden waren." Jedes Mal, wenn sie versuchte zu atmen, füllte sich ihr Mund mit Staub und Asche. Sie habe kaum etwas sehen können und sei wie blind gelaufen.

Marcy Borders Leben wurde nie wieder das alte. Was sie gesehen hatte, verfolgte sie in immer wiederkehrenden Alpträumen. Sie wurde depressiv, scheute den Kontakt zu Menschen, konnte nicht arbeiten und verließ das Haus kaum noch. Das Ausmaß ihrer Verzweiflung versuchte sie vor ihren beiden Kindern zu verbergen, für die sie zwischenzeitlich auch das Sorgerecht verlor. 2011 sagte sie der "New York Post": "Es war, als sei meine Seele mit den Türmen zusammengebrochen." Schließlich wurde sie alkohol- und drogenabhängig. Im April 2011 bekam Borders in einer Rehaklinik die Nachricht, dass Osama bin Laden getötet worden war.

Danach setzte ihre seelische Genesung ein. Borders sah sich nicht länger als Opfer, sondern als Überlebende. Im August 2014 wurde bei ihr Magenkrebs diagnostiziert. Weil sie keine Krankenversicherung hatte, verzögerte sich die Behandlung. Borders selbst war überzeugt, dass der Staub und die Asche, die sie am 11. September eingeatmet hatte, die Krankheit ausgelöst hatten. Am 24. August 2015 starb Marcy Borders. Sie wurde 42 Jahre alt. Die Kleidung, die sie auf dem Foto trug, das sie weltberühmt machte, hatte sie aufgehoben und nie reinigen lassen.

Der Feuerwehrmann

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Bob Beckwith genoss nach 30 Jahren als Feuerwehrmann in New York City seinen Ruhestand in Baldwin, Long Island. Der 11. September 2001 begann für ihn mit einem Schreck, weil sein Enkel auf dem Schulweg von einem Auto angefahren worden war. Mit dem 14-Jährigen im Krankenhaus eingetroffen, verfolgte Beckwitz die ersten Meldungen vom World Trade Center und live den Einschlag des zweiten Flugzeugs in den Südturm.

Da habe für ihn festgestanden, dass er die Uniform noch einmal anziehen würde, erzählte er später. Auch wenn seine Frau und seine bereits erwachsenen Kinder noch versuchten ihn zurückzuhalten. Doch nachdem er erfahren hatte, dass der Sohn eines Freundes am WTC vermisst wurde, habe er sich am 13. September auf den Weg zum Trümmerfeld gemacht.

Während der chaotischen Aufräumarbeiten fragte niemand nach der Legitimation des Manns in der alten Feuerwehruniform. Beckwith reihte sich zunächst in eine Eimerkette ein, suchte später nach Vermissten und grub schließlich am 14. September zusammen mit anderen ein verschüttetes Feuerwehrauto aus dem Schutt. Gerade prüften sie die Stabilität des Fahrzeugs, als ein Agent des Secret Service ihn anwies, er solle einem Mann hinaufhelfen. "Du tust, was Dir gesagt wird, wenn der Secret Service spricht", erinnerte sich Beckwith zehn Jahre später.

So fand sich der pensionierte Feuerwehrmann Arm in Arm mit US-Präsident George W. Bush wieder. Das Foto von AP-Fotograf Doug Mills wurde das Titelblatt des "Time Magazine", Beckwith das Gesicht der unzähligen Helfer am Ground Zero. Bush habe darauf bestanden, dass er an seiner Seite bleibe, berichtete Beckwith später. Er habe sich zunächst gegen die Aufmerksamkeit gewehrt, die ihm nach dem Foto zuteilwurde. Doch schließlich akzeptierte er Presseanfragen und Vortragsangebote. Das Geld, das er dabei verdiente, gab Beckwith an die New York Firefighters Burn Center Foundation weiter. Es sind Tausende US-Dollar. Auch die Kleidung und der Helm, die er am Tag der Aufnahme trug, spendete er. Beckwith lebt noch immer in Baldwin.

Der Fallende

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(Foto: AP)

Eines der verstörendsten Bilder des 11. September ist das des fallenden Mannes. AP-Fotograf Richard Drew fotografierte es um 9.41 Uhr. Er war für die Fashion Week in der Stadt. Das Foto zeigt laut der Bildbeschreibung "eine Person, die mit dem Kopf voran fällt, nachdem sie vom Nordturm des WTC gesprungen ist". Die Identität des Mannes wurde nie offiziell bestätigt. Er könnte ein Mitarbeiter des Restaurants "Windows oft the World" gewesen sein, das sich ganz oben im Nordturm des WTC befand.

Ob er aus Angst und Verzweiflung in den Tod sprang oder beim Versuch sich zu retten verunglückte, niemand wird das mehr erfahren. So steht sein Schicksal bis heute für die etwa 200 Menschen, von denen angenommen wird, dass sie an diesem Tag aus den Türmen in den Tod sprangen oder fielen. Der Fotograf Drew berichtete, dass bei seiner Ankunft bereits beide Türme brannten. Also habe er begonnen, Fotos zu machen. Dann habe er die Menschen bemerkt, die aus dem Gebäude stürzten und schließlich den fallenden Mann fotografiert. "Es ist ein sehr ruhiges Foto. Es ist nicht so brutal, wie Fotos von anderen Unglücken", erzählte er dem "Time-Magazin". Es gebe kein Blut, nichts Aufreizendes, niemand werde erschossen.

Doch die Menschen reagierten trotzdem sehr stark auf das Bild. In vielen Medien wurde es unmittelbar nach den Anschlägen abgedruckt und danach lange nicht mehr. Es sei sein Job gewesen, die Fotos zu machen, er habe aber auch darauf achten müssen, nicht selbst zu Schaden zu kommen, erzählte Drew rückblickend. Er habe eine ganze Reihe von Fotos des fallenden Mannes gemacht, aber erst auf seinem Computer das entscheidende Bild gesehen. Da habe er gewusst, das ist es. "Der Mann ist wie ein Pfeil, der die Türme des World Trade Centers teilt." Er habe es sehr mutig von der "New York Times" gefunden, das Foto am nächsten Tag groß zu veröffentlichen. Die Bezeichnung des "fallenden Mannes" habe dann der "Esquire" erstmals verwendet. Es sei das einzige Foto eines Menschen gewesen, der an diesem Tag starb. Der Moment seines Todes, von dem Drew hoffte, dass er auch Teil der Erzählungen des 11. September werden würde.

Quelle: ntv.de