Panorama

Regenarmut und Waldbrände Die Trockenheit ist schon jetzt spürbar

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In Brandenburg musste die Feuerwehr bereits mehrfach wegen Waldbränden ausrücken.

(Foto: dpa)

Bereits jetzt kommt es in mehreren Bundesländern zu vereinzelten Waldbränden. Nach der Dürre im vergangenen Sommer befürchten viele eine erneute Trockenphase in diesem Jahr. Feuerwehren und Landwirte schauen deshalb genau auf die Prognosen.

Der Jahrhundertsommer im vergangenen Jahr hat für viele Sonnenstunden gesorgt, allerdings auch für ausgetrocknete Flüsse, Ausfälle bei der Getreideernte sowie etliche Wald- und Moorbrände. Möglicherweise wiederhole sich dieses Szenario auch in diesem Jahr bei anhaltender Trockenheit, warnt der Deutsche Wetterdienst. Das hätte in diesem Jahr "sicherlich deutlich verheerendere Folgen", sagt n-tv Wetterexperte Björn Alexander.

Einerseits seien noch immer die Auswirkungen des Dürrejahres 2018 zu spüren. Beispielsweise in den tiefer gelegenen Bodenschichten, wo die Regenarmut des Vorjahres sich nach wie vor durch ein vergleichsweise großes Wasserdefizit bemerkbar mache, sagt Alexander. Andererseits sei die Trockenheit der vergangenen Wochen - nach einem deutlich zu nassen Januar und einem ähnlich nassen März - sehr prägnant gewesen. "Somit fehlt zum Beispiel auf den gemähten Grünflächen und Wiesen oder auf den inzwischen wieder bestellten Feldern, auf denen hauptsächlich Mais eingedrillt ist, zur Zeit noch der Regen, um das Wachstum anzutreiben", sagt Alexander.

Die niedrigen Niederschlagsmengen sorgen in Teilen Ostdeutschlands und Niedersachsens schon jetzt für Waldbrände. Im brandenburgischen Neustadt/Dosse stand zu Wochenbeginn ein Waldstück auf einer Fläche von bis zu 3000 Quadratmetern in Flammen. Vor allem das Zusammenspiel von Wind und Trockenheit birgt dabei eine große Gefahr. "Helfen würde jetzt nur eine Regenphase von einer Woche oder länger, dazu möglichst wenig Wind und wenig Sonne und eine geringe Verdunstung", erklärt der Brandenburger Waldbrandschutzbeauftragte Raimund Engel dem Sender RBB.

Bürger sollen Bäume gießen

"Die teils extreme Waldbrandgefahr ist nur ein äußeres Zeichen. Auch die oberen Bodenschichten sind zum Teil knochentrocken", sagt n-tv Meteorologe Alexander. Dies zeige sich gerade in den östlichen Landesteilen - insbesondere in Sachsen-Anhalt, wo etwa auf der Lee-Seite des Harzes die Bodenfeuchte bis zu einer Bodentiefe von etwa 60 Zentimetern gebietsweise unter 50 Prozent, teils sogar unter 30 Prozent liege. "Ein dramatischer Wert in Anbetracht der Jahreszeit." Denn gerade jetzt habe die Natur viel Durst und zugleich sei die Verdunstung sehr groß.

Berlin ruft inzwischen seine Bürger sogar dazu auf, beim Gießen von Straßenbäumen und jungem Grün mitzuhelfen. Das Grünflächenamt allein schaffe das mit seinen personellen Möglichkeiten nicht, sagt der Baustadtrat des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg, Florian Schmidt. "Besonders viel Wasser brauchen die neu gepflanzten Bäume und andere Pflanzen am Straßenrand." Eine zweite Trockenperiode nach dem Sommer 2018 könnten weder junge Pflanzen noch der Altbestand gut überstehen. "Jeder Liter zählt", betont die Behörde.

In Berlin hat es im April bisher kaum geregnet. Vielerorts fielen nicht mehr als ein bis zwei Liter pro Quadratmeter, manchmal sogar weniger. Normal für den kompletten April sind nach Angaben von Meteorologen der Freien Universität rund 42 Liter pro Quadratmeter.

"Auf extreme Dürre sind wir nicht eingestellt"

Nicht nur Waldbesitzer und Passanten werden ein Auge auf die Trockenheit haben. Auch die Landwirte müssen sich darauf gefasst machen, dass es möglicherweise wieder zu Missernten kommt. 2018 war etwa die europäische Getreideernte dürrebedingt um sechs Prozent niedriger ausgefallen als im Jahr zuvor.

Den Bauern wurden 2018 vom Bundeslandwirtschaftsministerium rund 340 Millionen Euro Dürrehilfe zur Verfügung gestellt, um die Ernteausfälle auszugleichen. Auch jetzt sind die ersten Betriebe alarmiert. In der Lausitz klagte bereits Ende März Mario Weber von der Agrargenossenschaft Großräschen im Gespräch mit der Lokalzeitung "Lausitzer Nachrichten", dass die Düngungen in manchen Feldern verpuffen, weil das Wasser fehle, um die Mineralien ins Bodeninnere zu befördern. Die Genossenschaft hatte im Jahr 2018 bereits Ernteausfälle im Wert von 200.000 Euro zu beklagen.

"Auf eine extreme Dürre sind wir in Mitteleuropa nicht eingestellt", sagt Björn Alexander. Historisch gesehen sei Wasser immer überall verfügbar gewesen. Dementsprechend gestalteten sich die Strategien der Menschen im Umgang mit der Ressource Wasser. Ob die Trockenheit in diesem Jahr ähnliche Ausmaße wie 2018 annehme, stehe allerdings noch in den Sternen. "Eine vergleichbare Trockenheit ist statistisch gesehen zumindest äußerst unwahrscheinlich", sagt Alexander. Doch auch wenn dem in diesem Jahr so sein sollte: "In Zukunft könnte der Regenmangel in Kombination mit dem Abschmelzen der alpinen Gletscher sehr wohl zum Problem werden."

Quelle: n-tv.de, sgu/fzö/dpa

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