Panorama

Ausweg für Paris gesucht Drei Wochen Lockdown, dann alles öffnen?

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Die Hälfte der Neuinfektionen entfällt in Paris inzwischen auf die Mutante B.1.1.7.

(Foto: REUTERS)

Auch in Frankreich rollt die dritte Welle an, schon jede zweite Infektion ist auf die hochansteckende B.1.1.7-Mutation zurückzuführen. Eine nächtliche Ausgangssperre gilt seit Wochen, die Pariser Stadtverwaltung denkt über noch weitergehende Maßnahmen nach - und stellt Perspektiven in Aussicht.

Die Pariser Stadtverwaltung hat sich angesichts der angespannten Corona-Lage für einen kurzen und strengen Lockdown ausgesprochen. "Die derzeitige Situation ist die schlimmste, weil es sich um Halbmaßnahmen mit schlechten Ergebnissen handelt", sagte der erste stellvertretende Pariser Bürgermeister, Emmanuel Grégoire, dem Sender Franceinfo. Die Stadt werde nun mehrere Maßnahmen zur Bekämpfung der Epidemie vorschlagen, darunter ein etwa dreiwöchiger Lockdown. Die Perspektive sei, "danach alles wieder öffnen zu können". Dazu könnten dann auch Restaurants, Bars und Kultureinrichtungen zählen.

Kurz zuvor hatte Premier Jean Castex für 20 Départements im Land eine erhöhte Corona-Warnstufe verhängt. Darunter fällt auch die Hauptstadt. Der Premier forderte die örtlichen Behörden auf, Vorschläge für mögliche verschärfte Corona-Maßnahmen zu machen. Castex betonte gleichzeitig, dass die Regierung alles tue, um einen landesweiten Lockdown so weit wie möglich hinauszuzögern.

Grégoire sagte nun, dass er von einem Lockdown nur am Wochenende wie etwa in Nizza wenig halte. Diese Maßnahme sei "kaum effektiv". Die Vorschläge, einschließlich eines möglichen Lockdowns in Paris, würden an diesem Wochenende mit der örtlichen Gesundheitsbehörde und der Polizeipräfektur diskutiert, kündigte Grégoire an. Schließlich werde man dann der Regierung Vorschläge unterbreiten. Seit dem 16. Januar gilt in Frankreich bereits eine Ausgangssperre zwischen 18 und 6 Uhr.

B.1.1.7 auf dem Vormarsch

Die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner lag in Paris zuletzt über 300. Etwa die Hälfte der Neuinfektionen in dem Land ist inzwischen auf die erstmals in Großbritannien aufgetretene Mutante zurückzuführen. Da B.1.1.7 ansteckender sei als die ursprüngliche Variante des Coronavirus, drohe jederzeit ein "neues epidemiologisches Aufflammen", sagte Castex. Die Situation habe sich in den vergangenen Tagen verschlechtert.

"Wir können nicht mit halben Maßnahmen leben, die uns unvermeidlich in den Lockdown treiben", sagte Vize-Bürgermeister Grégoire dem Sender BFMTV. Deshalb müsse man die Frage nach einem Confinement - so heißt der Lockdown in Frankreich - stellen. Wenn es einen Lockdown brauche, dann müsse man ihn jetzt einführen, um den Menschen eine Perspektive zu geben. Man müsse jetzt "mutige Entscheidungen" treffen. Koordiniert scheint der Plan allerdings nicht zu sein. "Ich bin sehr verwundert und verblüfft über diese Ankündigung", reagierte der Bürgermeister des 17. Pariser Arrondissements, Geoffroy Boulard. Das sei nicht abgesprochen gewesen.

Quelle: ntv.de, ino/AFP/dpa

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