Panorama

Punsch to go statt Geselligkeit Droht das große Weihnachtsmarkt-Sterben?

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Eigentlich eröffnen die Weihnachtsmärkte nach Totensonntag - doch wegen der Pandemie bleiben die meisten dieses Jahr geschlossen.

(Foto: imago images/Jochen Tack)

Kein gemeinsames Aufwärmen mit Punsch, kein gemütlicher Bummel entlang der Kunsthandwerkstände: Viele Weihnachtsmärkte fallen wegen Corona aus. Für die einen ist das bloß schade, für die anderen eine Katastrophe, warnt der Schaustellerbund. Ist dies das Ende der Weihnachtsmärkte, wie wir sie kennen?

Höchstens Glühwein to go statt geselliger Weihnachtsmärkte: Die Corona-Krise wirbelt liebgewonnene Adventstraditionen gehörig durcheinander. Die Schausteller warnen angesichts abgesagter Adventsmärkte gar vor einem Sterben der deutschen Weihnachtsmarkttradition.

Frank Hakelberg, Hauptgeschäftsführer beim Deutschen Schaustellerbund (DSB), sagte, das Schaustellergeschäft lebe von etwa 5000 Unternehmen, allesamt Familienbetriebe. "Wenn sie die Corona-Krise nicht überleben, wird es die Volksfeste und Weihnachtsmärkte, so wie wir sie kennen und lieben, zukünftig nicht mehr geben." Das diesjährige Verbot von Festen und Weihnachtsmärkten komme "in seiner Wirkung einem Berufsausübungsverbot gleich" und bedeute für die Mehrzahl der Vereinsmitglieder einen kompletten Einnahmeausfall. Vielen drohe der Untergang. Die Überbrückungshilfen des Staates seien lückenhaft und holten Schausteller kaum in der saisonbestimmten Lebenswirklichkeit ab, betonte der DSB.

Der Verband glaube, dass Weihnachtsmärkte auch unter Corona-Bedingungen an frischer Luft möglich gewesen wären - etwa mit größeren Abständen und durchdachten Hygienekonzepten. "Die Weihnachtsmärkte waren die letzte Chance der Schausteller, in diesem Jahr noch mit der eigenen Hände Arbeit Geld zu verdienen", betonte Hakelberg, "nachdem fast all unsere circa 10.000 Volksfeste den verordneten Schließungen zum Opfer gefallen sind".

Selbst To-go-Stände zum Teil verboten

Glühwein-to-go-Stände, wie sie mancherorts vor Cafés, Läden und Restaurants improvisiert werden, sehen die Schausteller als "Ungleichbehandlung", da diese Möglichkeit nur Gewerbetreibenden, die nicht vom Arbeitsplatz Volksfest abhängig seien, offenstehe. In Erfurt dürfen offene alkoholische Getränke schon nicht mehr zum Mitnehmen verkauft werden. Damit werde ein Schlupfloch geschlossen, hieß es von der Stadt. Dort, wo Alkohol konsumiert werde, bildeten sich Gruppen und es entstehe eine hohe Infektionsgefahr.

Eigentlich eröffnen die meisten Weihnachtsmärkte im deutschsprachigen Raum nach Totensonntag, also ab diesem Montag. Viele Märkte sind aber schon abgesagt worden wegen eines zu hohen Infektionsgeschehens, darunter der weltberühmte Christkindlesmarkt in Nürnberg und der Dresdner Striezelmarkt als einer der ältesten Weihnachtsmärkte der Welt.

In vielen Städten sollen nun lediglich Weihnachtsbeleuchtung und zentral aufgestellte Weihnachtsbäume für Stimmung sorgen. Den Kommunen gehen dabei auch erhebliche Einnahmen verloren. Die Stadt Hannover zum Beispiel büßt einem Sprecher zufolge rund 440.000 Euro ein. Auch der Einzelhandel leidet, da sich Weihnachtsmärkte normalerweise belebend auf die Innenstädte auswirken und zusätzliche Besucher in die stationären Geschäfte ziehen. Schon Anfang November hatten in einer Yougov-Umfrage mehr als zwei Drittel der erwachsenen Bundesbürger damit gerechnet, dass Weihnachtsmärkte im Corona-Winter ausfallen.

Angst vor Glühwein-Tourismus

Am Mittwoch wollen die Länderchefs zusammen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel über das weitere Vorgehen in der Corona-Krise entscheiden. Für Montag wird erwartet, dass die Ländervertreter über einen Vorschlag beraten. Erwartet wird, dass die bis 30. November geltenden Einschränkungen verlängert oder gar verschärft werden. In Baden-Württemberg hatte SPD-Landeschef Andreas Stoch einheitliche Corona-Regeln und klare Ansagen für Adventsmärkte gefordert. "Wenn wir im Dezember in einem Landkreis Märkte mit Maskenpflicht haben und im Nachbarkreis nicht, wenn es in einem Ort Alkohol-Ausschank gibt und im nächsten Ort nicht, dann gibt die Politik einen chaotischen Glühwein-Tourismus vor."

Corona-Hotspots von Feiernden vor Weihnachten müssten unbedingt verhindert werden. Mancherorts gibt es indes kreative Lösungen, um Weihnachtsmärkte doch möglich zu machen. Am Niederrhein ist ab 10. Dezember in Kalkar ein "Drive-In"-Weihnachtsmarkt auf dem weitläufigen Gelände des Freizeitparks Wunderland geplant. Die Besucher sollen auf einer rund 2,5 Kilometer langen Strecke in ihren Autos bleiben und auf dem einstigen Kraftwerksgelände Kunstschnee, Musik, Eintopf und Glühwein sowie eine Krippe mit echten Kamelen geboten bekommen.

Quelle: ntv.de, hek/dpa