Panorama

Fünf Tote in Beirut Dutzende Häftlinge fliehen aus Gefängnis

AP_20326469783183.jpg

Die Sicherheitskräfte konnten bislang 15 Flüchtige fassen, vier weitere stellten sich freiwillig.

(Foto: AP)

Die Situation in den ohnehin überlasteten Haftanstalten im Libanon verschärft sich während der Corona-Pandemie. In der Hauptstadt Beirut überwältigen etwa 70 Insassen ihre Aufseher und entkommen. Fünf Menschen sterben auf der Flucht, die Polizei riegelt die Gegend ab.

In der libanesischen Hauptstadt Beirut sind rund 70 Häftlinge aus einem Gefängnis ausgebrochen. Sie hätten die Türen zu ihren Zellen durchbrochen und vor der Flucht einige Aufseher eingesperrt, hieß es aus Sicherheitskreisen. Einige der Ausbrecher seien mit einem gestohlenen Auto gegen einen Baum gefahren, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur NNA.

Fünf Menschen kamen bei dem Unfall nach offiziellen Angaben ums Leben. Im Osten Beiruts begann eine großangelegte Suche nach weiteren Ausbrechern. 15 seien gefasst worden, vier weitere hätten sich der Polizei gestellt, teilten libanesische Sicherheitskräfte mit. Die Gegend um das Gefängnis wurde abgesperrt. Die Staatsanwaltschaft nahm Ermittlungen zu den Umständen des Ausbruchs auf. Es sei nicht auszuschließen, dass die Häftlinge Hilfe von Gefängniswärtern hatten, sagte eine Sprecherin.

Vor der Haftanstalt in Baabda versammelten sich Angehörige, die sich nach dem Schicksal ihrer inhaftierten Familienmitglieder erkundigten oder auch ihre geflüchteten Söhne zurück ins Gefängnis geleiteten. Häftlinge im ganzen Land hatten kürzlich das Parlament aufgefordert ein Amnestiegesetz zu verabschieden, sodass tausende Insassen aus vom Coronavirus betroffenen Gefängnissen freikommen könnten.

Die Gefängnisse im Libanon sind stark überfüllt. Dem Forschungsprojekt World Prison Brief zufolge befinden sich in dem kleinen Mittelmeerland derzeit rund 10.000 Menschen in Haft - ausgelegt sind die Gefängnisse dagegen nur für 3500 Menschen. Das entspricht einer Belegungsrate von etwa 285 Prozent.

Quelle: ntv.de, mdi/dpa/AFP