Panorama

Prozess um Kinderpornoplattform "Elysium"-Betreiber kündigen Aussage an

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Insgesamt müssen sich vier Angeklagte im Fall um die abgeschaltete Kinderpornoplattform namens "Elysium" verantworten.

(Foto: dpa)

Mehr als 111.000 Mitglieder hat die Kinderporno-Webseite "Elysium". Vor einem Jahr wird sie von Ermittlern zerschlagen. Nun beginnt der Prozess um die mutmaßliche Führungsriege. Die Verteidiger stellen Geständnisse ihrer Mandanten in Aussicht.

Mit der Verlesung der Anklage hat vor dem Landgericht Limburg der Prozess gegen vier mutmaßliche Betreiber der Kinderpornoplattform "Elysium" begonnen. Der Prozess startete mit Verspätung, weil nicht alle Angeklagten rechtzeitig im Gericht eintrafen. Die Angeklagten wollen offenbar aussagen. Zu Beginn der Verhandlung stellten ihre Verteidiger auch geständige oder teilgeständige Angaben in Aussicht.

Die Männer im Alter zwischen 40 und 62 Jahren aus Bayern, Hessen und Baden-Württemberg sollen das im sogenannten Darknet betriebene Forum aufgebaut oder als Administrator, Programmierer und Moderator betreut haben. Ihnen wird unter anderem Verbreitung, Erwerb und Besitz kinderpornografischer Schriften vorgeworfen.

Die im Juni vergangenen Jahres vom Bundeskriminalamt und der Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft abgeschaltete Plattform hatte nach Angaben der Ermittler mehr als 111.000 Mitgliederkonten, über welche die Beteiligten Fotos und Videos austauschten. Darunter sollen Aufnahmen schwersten sexuellen Missbrauchs auch von Kleinkindern gewesen sein.

Die Plattform bestand seit Ende 2016 und war nur über das Darknet zugänglich. Als Darknet werden Seiten im Internet bezeichnet, die nur mit Hilfe einer Entschlüsselung aufgerufen werden können. Sie werden von üblichen Suchmaschinen nicht gefunden.

Fall um "Elysium" in Deutschland bislang beispiellos

Als Organisatoren hinter der Plattform gelten ein 40-Jähriger aus dem hessischen Landkreis Limburg-Weilburg und ein 58-Jähriger aus dem baden-württembergischen Landkreis Tübingen. Der 40-Jährige soll den Plattformserver betrieben haben, wozu er die Computeranlage seiner Firma nutzte.

Der 58-Jährige programmierte demnach die Website und wartete sie gemeinsam mit dem 40-jährigen Angeklagten. Ihm wird zudem vorgeworfen, zuvor bereits federführend am Betrieb einer anderen Kinderpornoplattform im Ausland beteiligt gewesen zu sein.

Die Anklage wurde von der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main erhoben, wo die Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität angesiedelt ist. Oberstaatsanwalt Georg Ungefuk sprach im Hessischen Rundfunk von einem außergewöhnlichen Fall, weil es gelungen sei, eine kinderpornografische Plattform im Darknet "zu lokalisieren, vom Netz zu nehmen und auch die mutmaßliche Führungsriege zu identifizieren".

Vergleichbare Darknetplattformen habe es bislang nur im Ausland geben. "Elysium" sei "der erste Fall, in dem eine solche Plattform in Deutschland abgeschaltet werden konnte", sagte Ungefuk. Für den Prozess sind zunächst weitere Verhandlungstermine bis Ende November angesetzt.

Quelle: n-tv.de, kpi/dpa/AFP

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