Panorama

Mord an Freiburger Studentin Ermittler werfen Griechen Versagen vor

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Am Tatort legen Menschen noch immer Blumen nieder und zünden Kerzen an.

(Foto: dpa)

Dass der mutmaßliche Mörder von Maria L. nach Deutschland einreisen konnte, obwohl er bereits auf Korfu eine Frau überfallen hat, bringt die griechischen Behörden in Erklärungsnot: Sie hatten den Flüchtigen nicht international zur Fahndung ausgeschrieben.

Die griechischen Behörden stehen nach Bekanntwerden einer ersten vom mutmaßlichen Mörder der Freiburger Studentin Maria L. verübten Gewalttat in der Kritik. Zwar war der Verdächtige im Mai 2013 wegen versuchten Totschlags zu zehn Jahren Haft verurteilt, bereits Ende Oktober 2015 aber auf Bewährung wieder entlassen worden. Infolge seiner Entlassung hatte er die Meldeauflagen nicht erfüllt. Dennoch schrieben die Behörden den Mann nicht international zur Fahndung aus. Weder Interpol noch das Schengener Informationssystem (SIS) seien alarmiert worden, obwohl er Griechenland kurz nach seiner Haftentlassung trotz Meldeauflagen verließ, berichtet die "Bild"-Zeitung unter Berufung aufs Innenministerium.

Auf Anfrage habe die Behörde mitgeteilt, deutsche Sicherheitsstellen stünden "in Kontakt mit den Behörden in Griechenland, um den Sachverhalt aufzuklären". Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) sprach von einem "eklatanten Versagen" griechischer Behörden. Da die Daten des flüchtigen Afghanen nicht in das SIS eingetragen worden seien, sei er nicht als gesuchter Straftäter identifiziert worden, als er im November 2015 auf dem Bundespolizei-Revier Freiburg Asyl beantragte. "Hätten die Griechen ihn zur internationalen Fahndung ausgeschrieben, wäre er uns auch aufgefallen", sagte BDK-Chef André Schulz der "Bild".

"Sehr ärgerlicher Vorgang"

Auch Bundesinnenminister Thomas de Mazière kritisierte, dass es keine internationale Fahndung gegeben hat. Das sei ein "sehr ärgerlicher Vorgang", über den mit griechischen Behörden zu sprechen sein werde. Wäre der Fahndungsbefehl den deutschen Behörden im Herbst 2015 bekannt gewesen, "dann wäre das Asylverfahren [des Verdächtigen] anders gelaufen und hätte auch zu einem anderen Ergebnis geführt", sagte der Minister. Er forderte, dass Daten über Straftäter künftig in europaweiten Datenbanken zusammengefasst werden müssten.

SPD-Innenexperte Burkhard Lischka stellte in der "Rheinischen Post" vor allem die frühe Entlassung des Afghanen infrage. Den griechischen Behörden müsse man dann Vorsatz unterstellen. Derartige Vorwürfe weist die griechische Seite allerdings von sich. "Die Freilassung war legitim und völlig gesetzeskonform", sagte der Generalsekretär des griechischen Justizministeriums, Eftyxis Fytrakis."Sein Betragen war exzellent." Er habe die Schule besucht und 581 Tage freiwillige Arbeit abgeleistet.

Verdächtiger in Klinik verlegt

Der mutmaßliche Mörder von Maria L. hatte auf der Insel Korfu eine 20-jährige Studentin überfallen und eine hohe Klippe hinabgeworfen. Das Opfer überlebte schwer verletzt. Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" ist der Verdächtige laut seinem in Griechenland vorgelegten Pass zwar älter als 17 Jahre - mit diesem Alter wurde er auch in Deutschland registriert. Den Daten der griechischen Behörden nach wurde er aber am 1. Januar 1996 geboren und wäre damit 20 Jahre alt. Bei seiner Einreise nach Deutschland 2015 hatte er sich als 16-Jähriger ausgegeben.

Medienberichten zufolge soll der Verdächtige derzeit in einem Gefängniskrankenhaus der JVA Freiburg untergebracht sein. Die Behörden befürchten demnach, dass er sich das Leben nehmen könnte. Das soll er zuvor mehrmals angedeutet haben. Die "Bild" berichtete, dass der Afghane dort rund um die Uhr überwacht werde, damit er sich nichts antun kann. Zuletzt hatte der Selbstmord des terrorverdächtigen Asylbewerbers Jaber al-Bakr für Aufsehen gesorgt - er hatte sich in seiner Gefängniszelle in der JVA Leipzig erhängt.

Quelle: ntv.de, jug/dpa

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