Schädelfehlbildung durch VirusErstmals Zika-Baby in Spanien geboren

Die in Südamerika grassierende Zika-Epidemie verursacht erstmals auch bei einem in Spanien geborenen Kind Schädelfehlbildungen. Eine Studie erwartet zehntausende weitere vom Virus geschädigte Babys.
In Spanien ist erstmals der Fall eines Zika-infizierten Babys mit einer Hirnschädigung bekannt geworden. Das Kind sei in Barcelona mit einer Schädel- und weiteren Fehlbildungen auf die Welt gekommen, teilten die zuständigen Ärzte der Entbindungsstation des Krankenhauses Vall d'Hebrón in der nordostspanischen Stadt mit.
Die Mutter habe sich auf einer Lateinamerikareise mit dem von einer Mücke übertragenen Erreger infiziert, hieß es. Das Virus kann bei ungeborenen Kindern unter anderem Mikrozephalie auslösen, eine Fehlbildung, bei der Babys mit einem abnormal kleinen Kopf und damit einhergehenden Hirnschäden auf die Welt kommen.
Forschern zufolge könnten wegen des Virus zehntausende Kinder mit Missbildungen auf die Welt kommen. Bis zum Ende der derzeitigen Epidemie könnten sich 93,4 Millionen Menschen mit dem Virus infizieren, unter ihnen 1,65 Millionen schwangere Frauen, heißt es in einer im Fachmagazin "Nature Microbiology" veröffentlichten Studie.
Ein realistisches "Worst-case-Szenario"
In den besonders gefährlichen ersten Wochen einer Schwangerschaft würden ein bis 13 Prozent der Föten von infizierten Frauen eine sogenannte Mikrozephalie oder andere Komplikationen entwickeln, schreiben die Forscher aus den USA, Großbritannien und Schweden. Das bedeute, dass in Lateinamerika und in der Karibik "zehntausende" Babys betroffen sein könnten, sagte Alex Perkins von der Universität Notre Dame im US-Bundesstaat Indiana.
Die auf einem mathematische Modell beruhende Schätzung sei ein "Worst-case-Szenario", sagte Perkins. Es sei aber "realistisch". Die Zahlen seien zwar nicht sehr konkret, gäben aber immerhin eine Vorstellung von der Größenordnung der Folgen der Zika-Epidemie.
Das durch Stechmücken übertragene Zika-Virus grassiert derzeit in Süd- und Mittelamerika, besonders betroffen ist Brasilien. Allein in Brasilien kamen bislang 1700 Babys mit Missbildungen auf die Welt.
Die Epidemie hat auch gewaltige Sorgen mit Blick auf die Olympischen Sommerspiele in Rio de Janeiro geweckt. Aus Angst vor dem Zika-Virus ergreifen viele Länder Vorsichtsmaßnahmen, mehrere prominente Sportler sagten aber auch schon ihre Teilnahme deswegen ab.