Panorama

Geschäfte auf, Grenzen weiter zu Europa fährt langsam wieder hoch

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In Frankreich bleiben die Ausgangsbeschränkungen weiter streng, um aus dem Haus zu gehen, ist aber demnächst zumindest kein Passierschein mehr notwendig.

(Foto: picture alliance/dpa)

Nicht nur Deutschland lockert die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie. Einige europäische Staaten öffnen ihre Schulen, gestatten Freizeitmöglichkeiten oder Sportveranstaltungen, andere zögern hingegen noch. Ein Land will sogar wieder Touristen empfangen - ein Überblick.

Frankreich will ab kommenden Montag seine seit fast zwei Monaten geltenden strengen Ausgangsbeschränkungen lockern. Die Bewegungsfreiheit der Menschen bleibt aber weiter stark eingeschränkt, wie Premier Édouard Philippe ankündigte. Die Menschen dürfen ab der kommenden Woche zwar ohne Passierschein das Haus verlassen, allerdings dürfen sie sich nicht mehr als 100 Kilometer Luftlinie von ihrem Wohnort entfernen. Ausgenommen sind etwa Dienstreisen und familiäre Notfälle.

An den Grenzen zu den Staaten des Schengen-Raums und zu Großbritannien soll es noch bis mindestens 15. Juni weiter bestimmte Reisevorgaben geben, sagte Innenminister Christophe Castaner. Die Grenze zu Nicht-EU-Ländern bleibt bis auf Weiteres geschlossen. Strände können auf Antrag der Präfekten öffnen - eigentlich sei die allgemeine Regel aber eine Schließung bis Anfang Juni.

Druck auf italienische Regierung wächst

Die Kirchen in Italien dürfen ab 18. Mai wieder Gottesdienste mit Gläubigen feiern. Allerdings sollen Sicherheitsvorkehrungen zum Schutz vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus gelten, wie die Regierung in Rom und die katholische Bischofskonferenz CEI mitteilten. So sollen die Kirchen den Zugang zu den Gotteshäusern mit Personal kontrollieren und sicherstellen, dass bei Messen zwischen den Menschen stets genug Abstand bleibt.

Indes wächst der Druck auf die Regierung, Bars, Restaurants und Friseure früher als am 1. Juni wieder zu öffnen. Angesichts einer sinkenden Zahl der aktuell infizierten Menschen verlangen viele der 20 Regionen von Ministerpräsident Giuseppe Conte mehr Tempo bei den Lockerungen der Anti-Corona-Maßnahmen.

Urlaub in Holland theoretisch möglich

Die Niederlande haben als eines der wenigen Länder einen Plan für Urlauber vorgelegt. Touristen dürfen ab dem 1. Juli wieder in die holländischen Feriengebiete reisen. Dann können alle Campingplätze und Ferienparks wieder voll geöffnet werden. Da es nie ein Einreiseverbot gab, können Urlauber auch wieder Unterkünfte mieten. Ab 1. Juni dürfen zudem Restaurants, Cafés, Strandpavillons und Kneipen wieder jeweils maximal 30 Gäste empfangen. Ab Juli sind dann bis zu 100 erlaubt.

Im Freien darf wieder Sport getrieben werden, solange man dabei keinen Körperkontakt mit anderen hat: Tennis, Golf und Schwimmen sind ab 11. Mai erlaubt, Fußball aber nicht. Der Betrieb von Museen, Theatern, Kinos und Konzerten läuft ab dem 1. Juni langsam wieder an. Der Aufenthalt von Gruppen in der Öffentlichkeit ist verboten. Jeder muss einen Sicherheitsabstand von eineinhalb Metern einhalten. Ab dem 1. Juni muss zudem in öffentlichen Verkehrsmitteln Mundschutz getragen werden.

In Dänemark darf ab dem kommenden Montag der gesamte Einzelhandel wieder öffnen, wie aus einer Vereinbarung zwischen der dänischen Regierung und den Parlamentsparteien hervorgeht. Eine Woche später, am 18. Mai, dürfen auch Restaurants und Cafés ihre Türen unter bestimmten Richtlinien öffnen. Gleiches gilt für Kirchen und Glaubensgemeinschaften.

Nach den jüngeren Schülern nehmen nun auch die sechsten bis zehnten Schulklassen ihren Unterricht wieder auf. Der Profisport darf mit sofortiger Wirkung wieder starten - allerdings ohne Zuschauer. Die Grenzen Dänemarks bleiben vorerst dicht. Die Regierung will aber bis spätestens 1. Juni neue Informationen dazu veröffentlichen. Seit Mitte März sind die dänischen Grenzen für Ausländer ohne triftigen Einreisegrund geschlossen.

Norwegen gestattet Treffen von 20 Menschen

In Norwegen dürfen nun auch die älteren Schüler zurück in den Unterricht. Alle Schulen im Land können ab Montag im Laufe der Woche wieder öffnen, wie Ministerpräsidentin Erna Solberg in Oslo bekannt gab. Seit knapp zwei Wochen durften bereits Erst- bis Viertklässler wieder zur Schule gehen. Im privaten Rahmen dürfen sich zudem nun wieder bis zu 20 statt wie bisher fünf Personen treffen, solange sie mindestens einen Meter Abstand halten könnten, sagte Solberg. Das gelte auch für sportliche Aktivitäten.

Bei öffentlichen Veranstaltungen sind jetzt bis zu 50 Teilnehmer erlaubt. Ab dem 1. Juni dürften auch Vergnügungsparks wieder öffnen, die meisten anderen Bereiche folgen dann am 15. Juni. Ab dem 16. Juni dürfen auch wieder Begegnungen im norwegischen Profifußball ausgetragen werden.

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Die britische Regierung gerät mit ihren Plänen für eine Lockerung der Ausgangsbeschränkungen in der Coronakrise indes zunehmend in die Kritik. Großbritannien ist mit mehr als 30.600 Toten in Statistiken das zahlenmäßig am schlimmsten von der Pandemie betroffene Land in Europa. Experten gehen von einer sehr hohen Dunkelziffer aus.

Premierminister Boris Johnson will das weitere Vorgehen der Regierung am Sonntagabend bekannt geben. Erste Lockerungen könnten demnach schon ab Montag gelten. Britische Medien spekulieren bereits über erste Schritte, die Johnson planen könnte. Dazu zählt angesichts des schönen Wetters die Öffnung von mehr Parkanlagen, die Zulassung von Picknicks und die Wiedereröffnung von Cafés im Freien. Auch mehr Sport draußen soll ermöglicht werden. Kritiker halten das für zu früh. Viele Menschen halten sich schon jetzt nicht an die Vorgaben.

Quelle: ntv.de, mdi/dpa