Panorama

Nach Schweigeminute für Opfer Ex-Krankenpfleger Högel gesteht 100 Morde

Niels Högel gilt schon jetzt als Deutschlands schlimmster Serienmörder. Zu Beginn des neuen Prozesses gegen ihn legt der frühere Krankenpfleger ein Geständnis ab. Mit dürren Worten bekennt er sich zu 100 weiteren Morden.

Der wegen 100-fachen Mordes an Patienten angeklagte frühere Krankenpfleger Niels Högel hat die Taten zum Auftakt seines Prozesses vor dem Landgericht Oldenburg gestanden. Auf die Frage des Gerichts, ob die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zuträfen, antwortete Högel mit "ja". "Das was zugegeben worden ist, so ist es auch", fügte der 41-Jährige hinzu. Bei Befragungen im Gefängnis hatte er zuvor die Vorwürfe bereits weitgehend eingeräumt.

Der bereits unter anderem wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilte Högel antwortete zunächst auf Fragen zu seiner Erziehung und der Berufswahl. Er sei in Wilhelmshaven geboren und "behütet und beschützt" und ohne Gewalt aufgewachsen. Als Vorbilder auch für seinen Berufswunsch Krankenpfleger nannte er seine Großmutter und seinen Vater, die beide den Beruf ausübten.

Im Prozess um die vermutlich größte Mordserie der Nachkriegsgeschichte legt die Anklage Högel 100 weitere Morde zur Last. Die Verhandlung begann mit einer Schweigeminute für die Opfer. "Alle ihre Angehörigen haben es verdient, dass man ihnen in Ehren gedenkt", sagte Richter Sebastian Bührmann. Dies sei unabhängig davon, ob Högel etwas mit deren Tod zu tun habe oder nicht. "Wir werden uns bemühen und mit allen Kräften nach der Wahrheit suchen", versprach Bührmann.

Högel soll von 2000 bis 2005 an Kliniken in Delmenhorst und Oldenburg in Niedersachsen Patienten im Alter von 34 bis 96 Jahren mit Medikamenten zu Tode gespritzt haben. Die Taten seien aus niederen Beweggründen und heimtückisch begangen worden, sagte Oberstaatsanwältin Daniela Schiereck-Bohlmann zum Auftakt der Verhandlung.

Der neue Prozess gegen den Ex-Krankenpfleger wurde wegen der großen Zahl an Prozessbeteiligten in eine Kongresshalle verlegt.  Der Prozess ist komplex und aufwendig. Die Staatsanwaltschaft benannte 23 Zeugen und 11 toxikologische und rechtsmedizinische Sachverständige. "Wir haben vier Jahre für diesen Prozess gekämpft und erwarten, dass Högel wegen weiterer 100 Morde verurteilt wird", sagte Christian Marbach, der Sprecher der Angehörigen, dessen Großvater von Högel getötet wurde. "Das Ziel ist, dass Högel so lange wie möglich in Haft bleibt." Insgesamt ist der Prozess bis Mai 2019 terminiert.

Quelle: n-tv.de, sba/dpa

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