Panorama

Zusammenstöße in Dover Festnahmen bei Demo gegen Migranten

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Flüchtlingsgegner demonstrieren in Dover gegen Migranten, die versuchen in Booten eine gefährliche Fahrt über den Ärmelkanal aufzunehmen, um nach Kent zu gelangen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Bei Demonstrationen gegen Migranten, die mit kleinen Booten den Ärmelkanal überqueren, kommt es im Südosten Englands zu Zusammenstöße mit der Polizei. Die Zunahme der Flüchtlingszahlen führt auch zu politischen Spannungen zwischen Großbritannien und Frankreich.

Bei Protesten gegen die steigende Zahl von Migranten, die mit kleinen Booten den Ärmelkanal überqueren, hat es in Dover im Südosten Englands Zusammenstöße mit der Polizei und mehrere Festnahmen gegeben. Die britische Polizei nahm nach eigenen Angaben neun Menschen fest, nachdem dutzende Demonstranten eine vierspurige Straße nahe der Hafenstadt blockiert und sich Auseinandersetzungen mit Beamten geliefert hatten.

Viele der Demonstranten, die auch aus anderen Orten nach Dover gekommen waren, trugen Corona-Schutzmasken mit dem Union Jack und sangen das patriotische Lied "Rule, Britannia!". Zuvor hatten sich in Dover fast hundert Gegendemonstranten versammelt, um die Migranten zu unterstützen.

Die Zahl der Migranten, die von Frankreich aus in oft unsicheren Booten den Ärmelkanal überquert, hat in diesem Sommer stark zugenommen. Nach einer Zählung der britischen Nachrichtenagentur PA schafften es im August knapp 1500 Flüchtlinge, auf diese Weise an die englische Küste zu gelangen. Dies ist mutmaßlich die bislang höchste Zahl innerhalb eines Monats. Allein am Dienstag hatten mehr als 400 Migranten den Ärmelkanal überquert und damit so viele wie nie zuvor an einem einzigen Tag.

Schleuser organisieren gefährliche Überfahrt

Die Migranten hatten sich bei ruhiger See von Frankreich aus auf den Weg über die Meeresenge gemacht, die an der engsten Stelle etwa 35 Kilometer breit ist. Die Überquerung in kleinen Booten ist gefährlich, weil der Ärmelkanal von zahlreichen großen Schiffen befahren wird. Fast alle Migranten geben an, aus armen Ländern und politischen Konfliktregionen zu kommen - etwa aus dem Iran, dem Irak, aus Syrien, Äthiopien oder dem Jemen. Die meisten von ihnen beantragen Asyl. Meistens werden die Überfahrten von Schleusern organisiert. Britischen Behörden zufolge gibt es mehrere Gründe für die Zunahme der Überfahrten: das gute Wetter, die Corona-Pandemie und Änderungen bei den Kontrollen im französischen Calais.

Die starke Zunahme der Flüchtlingszahlen hat bereits zu politischen Spannungen zwischen Großbritannien und Frankreich geführt. London verlangt, dass die französischen Behörden ihre Anstrengungen verstärken, um Menschen an der Flucht über den Ärmelkanal zu hindern. Die Behörden in Frankreich versichern jedoch, sie täten bereits alles, um solche Überfahrten zu verhindern.

Quelle: ntv.de, hek/dpa/AFP