Panorama

Komme später! Freigänger schickt SMS an Gefängnis

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Der Freiheitsdrang von Berliner Häftlingen macht derzeit immer wieder Schlagzeilen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Schon wieder gibt es einen Zwischenfall in einem Berliner Gefängnis. Ein verurteilter Mörder kehrt nicht pünktlich in die JVA Tegel zurück. Eigenmächtig verlängert er seinen Ausgang - per SMS gibt er im Gefängnis Bescheid und hält Wort.

Die Vorfälle in der Berliner Justizvollzugsanstalt Plötzensee, dessen durchlöcherte Wand inzwischen sogar die Zuschauer der britischen BBC kennen, finden offenbar Nachahmer. Nachdem dort innerhalb von fünf Tagen neun Häftlinge entwischt waren, sorgt nun ein Vorfall in einem anderen Berliner Gefängnis für Kopfschütteln.

Wie der Berliner "Tagesspiegel" berichtet, kehrte ein Insasse der Justizvollzugsanstalt Tegel nach seinem Freigang nicht wie erwartet am Samstag zurück. Stattdessen schickte er eine SMS mit dem Hinweis, dass er erst am nächsten Tag wieder in Haft kommen wolle.

Das tat er auch, wie Justizsprecher Sebastian Brux bestätigte. Statt sich Samstagabend beim Posten am Tor seines Gefängnisses zu melden, tauchte der wegen zweifachen Mordes zu lebenslänglicher Haft und Sicherungsverwahrung Verurteilte am nächsten Tag um 14 Uhr auf. Der "Bild"-Zeitung zufolge könnte Liebesfrust der Grund für seinen verlängerten Aufenthalt fernab seiner Zelle gewesen sein.

Laut Brux hatte der Gefangene 2002 die Eltern seines damaligen Jugendschwarms ermordet, nachdem er nachts in deren Haus eingedrungen war. Bereits zuvor soll er in den 1990er Jahren im Vollrausch einen Trinkkumpanen erschlagen haben, wie es in dem Bericht weiter heißt.

200 mal ist nichts passiert

Laut Bundesverfassungsgericht müsse jedem Verurteilten grundsätzlich die Chance gegeben werden, irgendwann wieder in Freiheit leben zu können. Das kann Vorbereitungen wie Frei-und Ausgänge einschließen. Im Vollzug war der Mann laut Justizverwaltung zudem zuverlässig. Laut Brux habe der Gefangene im vergangenen Jahr mehr als 200 mal die Haft für mehrere Stunden verlassen dürfen - ohne, dass er diese Haftlockerung missbraucht hätte. Bis zu diesem Wochenende.

Brux wies darauf hin, dass der Anteil der Gefangenen, die nach Ausgängen zu spät oder nicht freiwillig zurückkehrten bei weniger als 1 Prozent liege. Das sind in Berlin weniger als 100 Fälle pro Jahr.

Seit dem 28. Dezember wird in Berlin über die Sicherheit der Gefängnisse in der Hauptstadt diskutiert. An diesem Tag flohen vier Männer durch einen Lüftungsschacht in der Außenmauer der JVA Plötzensee. In den Folgetagen kamen dann fünf weitere Männer aus dem offenen Vollzug nicht von ihren Freigängen zurück. Zurzeit sind noch zwei der Gefangenen flüchtig. Seit vergangenem Freitag sucht eine Kommission in der JVA Plötzensee nach möglichen Sicherheitslücken. Dabei geht es um bauliche Sicherheit, aber auch um die Organisation der Verwaltung.

Quelle: ntv.de, dsi

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