Panorama

Freispruch für einen Angeklagten Gericht verurteilt drei Goldmünzen-Diebe

128629544.jpg

Die gestohlene Goldmünze "Big Maple Leaf" wiegt 100 Kilogramm und hat einen Materialwert von 3,8 Millionen Euro.

(Foto: picture alliance/dpa)

Dreister Millionencoup: Mit Schubkarre und Rollbrett verschwindet 2017 eine 100 Kilogramm schwere Goldmünze aus dem Berliner Bode-Museum. Nach einem zähen Indizienprozess verurteilt das Landgericht nun drei der vier Angeklagten zu mehrjährigen Haftstrafen.

Für den spektakulären Diebstahl einer 100 Kilogramm schweren Goldmünze aus dem Berliner Bode-Museum sind drei junge Männer zu mehrjährigen Gefängnisstrafen verurteilt worden. Das Landgericht in der Hauptstadt sprach sie des Diebstahls in besonders schwerem Fall schuldig. Ein 25-Jähriger wurde freigesprochen. Ihm sei keine Beteiligung an dem Coup vor knapp drei Jahren nachzuweisen.

Zwei inzwischen 21 und 23 Jahre alte Männer aus einer polizeibekannten, arabischstämmigen Großfamilie bekamen eine Jugendstrafe von jeweils viereinhalb Jahren Haft. Ein damaliger Wachmann, der nach Überzeugung des Gerichts das Museum vor der Tat auskundschaftete, wurde zu drei Jahren und vier Monaten Gefängnis verurteilt.

Die beiden Männer aus der Großfamilie, die bereits zuvor kriminell aufgefallen waren, wurden zudem zu einem Werteersatz von 3,3 Millionen Euro verurteilt, laut Gericht der damalige, reine Goldwert. Der Wachmann soll demnach 100 000 Euro zurückzahlen, dies war laut Gericht sein Anteil an der Beute.

Die Strafen sind noch nicht rechtskräftig. Die Staatsanwaltschaft will prüfen, ob sie wegen des Freispruchs und der Anwendung des Jugendstrafrechts in Revision geht. Die Verteidiger verließen nach der Urteilsbegründung mit ihren Mandanten eilig das Gericht, ohne sich zu äußern. Die Angeklagten saßen nicht in Untersuchungshaft, auch die drei Verurteilten bleiben bis zu einer endgültigen Entscheidung auf freiem Fuß. Das Jugendstrafrecht kann für Täter bis zu 21 Jahren angewendet werden. Es ist milder als das Erwachsenenstrafrecht und berücksichtigt zum Beispiel Entwicklungsdefizite.

Schwierige Beweislage

Laut Anklage stiegen drei der Beschuldigten am 27. März 2017 zwischen 3.20 Uhr und 3.50 Uhr durch das Fenster des Umkleideraums in das Bode-Museum ein. Sie zerstörten die Vitrine, hievten die Goldmünze auf ein Rollbrett und brachten sie zurück in den Umkleideraum. Dort wuchteten sie sie durchs Fenster, transportierten sie in einer Schubkarre über einen S-Bahndamm und ließen sie mit einem Seil in einen Park herab. In einem Auto fuhren sie mit ihrer Beute davon.

Der vierte Angeklagte hat die Diebe der Staatsanwaltschaft zufolge mit wichtigen Informationen versorgt. Er war Mitarbeiter einer Firma im Auftrag des Museums, das zum Weltkulturerbe Museumsinsel gehört. Er soll zuvor den Ort ausgekundschaftet haben. Möglicherweise wurde der Diebstahl durch Sicherheitsmängel begünstigt. So war die Alarmanlage des Fensters defekt, über das die Diebe in das altehrwürdige Gebäude eindrangen.

Wegen der schwierigen Beweislage dauerte der Prozess mehr als ein Jahr. So konnte bislang nicht im Entferntesten geklärt werden, was aus der Beute wurde und wo sie geblieben ist. Ermittler gehen mittlerweile davon aus, dass die Münze zerkleinert und Stück für Stück verkauft wurde. Als Indizien galten nachgewiesene Goldpartikel auf Kleidungsstücken der Angeklagten. Es habe sich um "höchstreines Gold" gehandelt, so ein Experte, den das Gericht befragt hatte. "Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sind die Goldpartikel identisch mit dem Gold der Goldmünze."

Die Verteidiger der jungen Männer äußerten jedoch Zweifel. Der Gutachter habe laut Verteidigung keinen Reinheitsgehalt von 99,999 Prozent feststellen können, wie es die verschwundene Münze aufweist. Der Goldstaub könne daher auch aus anderen Quellen stammen. Gold als Geldanlage sei heutzutage schließlich überaus beliebt. Und auch andere Spuren, wie Glassplitter an einem Handschuh in der Wohnung eines Angeklagten, sowie DNA an einem Seil in Tatortnähe und Vermummte auf einer Überwachungskamera, reichten nicht aus, um die Angeklagten wegen des Diebstahls zu verurteilen, war sich die Verteidigung sicher. Bei den meisten Indizien handle es sich um bloße "Schein-Indizien".

Quelle: ntv.de, hny/AFP/dpa

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen