Panorama
Im Norden bittet die Bahn, die Reisen zu unterbrechen - am besten aber gleich zu lassen.
Im Norden bittet die Bahn, die Reisen zu unterbrechen - am besten aber gleich zu lassen.(Foto: imago/Jan Eifert)
Donnerstag, 09. August 2018

Bahn rät von Reisen im Norden ab: Gewitterfront zieht nach Norden übers Land

Eine Gewitterfront beendet die Hitzeperiode in Deutschland - zumindest vorübergehend. Die Unwetter sorgen für teils erhebliche Behinderungen im Flug- und Bahnverkehr. Und auch die Leichtathletik-EM ist betroffen.

Nach tagelanger Hitze hat am Nachmittag das Sturmtief "Oriana" Deutschland erreicht. Die Unwetter von der Kaltfront "Nadine" zogen von Westen langsam Richtung Nordsee. Es kam zu Flugausfällen an Deutschlands größtem Airport in Frankfurt und Einschränkungen im Bahnverkehr. Bäume wurden entwurzelt. Die Bahn riet am Abend von Reisen im Norden ab. Wenn möglich, sollten diese unbedingt verschoben werden. Wer bereits unterwegs ist, sollte die Reise unterbrechen. Bei der Leichtathletik-EM müssen sich die Medaillengewinner gedulden.

An der Gewitterlinie wüteten die Böen teils heftig, sagte n-tv Meteorologe Björn Alexander. Bis zum Abend wurden etwa im Büsum an der Nordsee Windgeschwindigkeiten von bis zu 141 Kilometer pro Stunde gemessen. In Elpersbüttel - ebenfalls in Schleswig Holstein - waren es 126 km/h. In mehreren Orten in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen blies der Wind mit Orkanstärke und leicht darunter. Vor der Kaltfront kletterte die Quecksilbersäule derweil in Brandenburg und Sachsen-Anhalt an mehreren Orten auf bis zu 37 Grad Celsius.

Nördlich von Hannover fährt kein Fernzug mehr

In Bad Vilbel löste sich am Nachmittag eine 20 Meter lange Jalousie an einem Café und verletzte drei Menschen, einen davon schwer, wie ein Polizeisprecher in Gießen sagte. In Marburg stürzte ein Baum auf ein Auto, wobei ebenfalls eine Person Verletzungen erlitt.

Wie die Bahn am Abend mitteilte, wurde etwa die ICE-Linie zwischen Berlin und dem Ruhrgebiet wegen des Unwetters unterbrochen. Mehrere Bäume im Gleis bei Rheda-Wiedenbrück (NRW) sowie eine Störung zwischen Wolfsburg und Hannover (Niedersachsen) hatten demnach zu Ausfällen auf der Verbindung geführt. Ein Sprecher der Bahn sagte, dass versucht werde, die Strecke so schnell wie möglich wieder freizugeben. Ab Hannover ging zumindest am Abend kaum noch etwas, in Richtung Norden fuhr aus der Landeshauptstadt kein Fernzug mehr. In Berlin, Dortmund, Hamm und Hannover werden Aufenthaltszüge bereitgestellt.

Airport Frankfurt lahmgelegt

Am Nachmittag hatte der Frankfurter Flughafen zeitweise den Flugbetrieb eingestellt. Rund eine halbe Stunde lang waren keine Starts und Landungen möglich. Der Flughafenbetreiber hatte Reisenden empfohlen, sich bei ihrer Fluggesellschaft zu informieren und den Status des Fluges zu überprüfen. Die Lufthansa reservierte vorsorglich 3000 Hotelzimmer für eventuell strandende Passagiere. Die Fluggesellschaft stellte sich eigenen Angaben zufolge darauf ein, dass rund 6000 Passagiere betroffen sein könnten.

Auf der A3 blockierten umgestürzte Bäume bei Seligenstadt in Hessen die Fahrbahn. Die Autobahn wurde in Fahrtrichtung Würzburg komplett gesperrt. Der Verkehr staute sich auf einer Länge von mehr als 20 Kilometern. Einige Fahrzeuge seien durch die Bäume beschädigt worden und müssten abgeschleppt werden, sagte eine Polizeisprecherin.

Einschränkungen bei der Bahn

im hessischen Weiterstadt-Gräfenhausen zieht ein kleiner Sturm über ein trockenes Feld.
im hessischen Weiterstadt-Gräfenhausen zieht ein kleiner Sturm über ein trockenes Feld.(Foto: picture alliance/dpa)

Ebenfalls am Nachmittag hatte die Bahn bereits für kurze Zeit den Verkehr auf der ICE-Strecke Frankfurt - Köln ausgesetzt und für eine Stunde den Verkehrsknotenpunkt in der Mainmetropole gesperrt. Damit waren sowohl der Fern- als auch der Regionalverkehr rund um den Hauptbahnhof komplett eingestellt. Die Einschränkungen erstreckten sich später auch auf die Bundesländer Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz mit der Region um Mainz und das Saarland. Am frühen Abend kommt es ferner zu Verspätungen im Berufsverkehr des bevölkerungsreichsten Bundeslandes NRW.

In der Hauptstadt Berlin sorgt die Gewitterwarnung dafür, dass die für den Abend geplanten Siegerehrungen der Leichtathletik-EM vertagt werden. Bereits um 16.30 Uhr sei das Programm auf der Europäischen Meile am Breitscheidplatz beendet worden, teilten die Organisatoren mit. Auch Zehnkampf-Europameister Arthur Abele und Fabian Heinle, der EM-Zweite im Weitsprung, werden deshalb Gold und Silber erst später bekommen.

Hagel und Sturmböen kommen

Die Gewitter breiten sich vom Saarland und Rheinland-Pfalz über Nordrhein-Westfalen, Hessen, Niedersachsen und Bremen bis in Richtung Schleswig-Holstein und Hamburg aus, wie n-tv Metereologe Alexander sagte. An der dazugehörigen Kaltfront bilden sich anschließend beziehungsweise gegen Abend besonders in Bayern und wahrscheinlich in der Nacht auch im Osten kräftige Gewitterzellen mit Unwetterpotenzial. Dabei sind dort ebenfalls schwere Sturmböen, vereinzelt sogar Orkanböen nicht auszuschließen.

Außerdem erreicht das Nordseeumfeld am späten Abend ein separates Sturmfeld, das bis in die Nacht hinein auch dort Böen bis 120 km/h oder darüber hinaus bringen kann, sagt Alexander weiter. Das Gewittertief rauscht alles in allem aber sehr schnell durch, so dass sich die Situation am Freitagvormittag deutlich beruhigt.

Deutscher in Frankreich vermisst

In Frankreich wird nach Starkregen und Überschwemmungen ein Deutscher vermisst. Der Wohnwagen des 70-Jährigen sei auf einem Campingplatz nördlich von Avignon von Wassermassen weggerissen und später zerstört am Ufer des Flusses Ardèche aufgefunden worden, teilte die Polizei mit. Von dem Mann fehle jede Spur.

In einer dramatischen Rettungsaktion wurden zudem deutsche Kinder und Jugendliche aus dem Raum Leverkusen bei Köln in Sicherheit gebracht. Sie hielten sich wie auch der vermisste Mann auf dem Campingplatz in dem Ort Saint-Julien de Peyrolas auf und nahmen dort an einem Ferienlager teil.

Durch die heftigen Regenfälle verwandelte sich der Fluss Ardèche in ein reißendes Gewässer, wie Fernsehbilder zeigten. Insgesamt mussten 160 Menschen von drei Zeltplätzen nach Angaben der Einsatzkräfte mithilfe von Hubschraubern und Tauchern in Sicherheit gebracht werden. Fast 270 Feuerwehrleute sowie vier Helikopter waren zwischenzeitlich im Einsatz.

Quelle: n-tv.de