Befragung im Fabian-ProzessGina H. berichtet von Beziehungsgewalt und bestreitet Eifersucht

Im Rostocker Prozess um den Mord an dem achtjährigen Fabian erklärt sich die Angeklagte bereit, Fragen zu beantworten. Sie schildert Gewalt in der Beziehung zu Fabians Vater - auch die Kinder sollen Übergriffe erlebt haben. Eifersucht auf Fabians Mutter bestreitet Gina H. vehement.
Bei ihrer Befragung vor dem Rostocker Landgericht hat die Angeklagte im Fabian-Prozess über Gewaltvorfälle in der Beziehung zu Fabians Vater gesprochen. Sowohl ihr eigenes Kind als auch Fabian hätten in der Beziehung zu Matthias R. Tätlichkeiten beobachtet.
Auf eine entsprechende Frage des Vorsitzenden Richters Holger Schütt sagte Gina H.: "Er hat häufiger mal die Hand gehoben. Nicht nur mir gegenüber, sondern auch gegenüber den Kindern. Da habe ich mich zwischengestellt und es abbekommen." In ihrer Einlassung im August hatte die Angeklagte von einem größeren Streit mit Matthias R. im Frühjahr 2022 berichtet. Dabei sei ein Ellenbogen angebrochen worden. Auf Nachfrage des Richters, warum sie die Beziehung nicht abgebrochen habe, erwiderte sie, dass sie es gewohnt sei. Sie sei schon als Kind von ihrer Mutter geschlagen worden, sagte sie.
Nach einer Tätlichkeit kam es zum Kontaktabbruch zwischen Fabian und seinem Vater. Gina H. berichtete, dass "Fabian Auffälligkeiten gezeigt hat und im Kindergarten oft aggressiv gewesen ist." Der Junge habe der Erzieherin gesagt, dass sein Vater Gina H. geschlagen habe. "Das war mir damals unangenehm und peinlich."
Über Fabian führte die Angeklagte weiter aus: "Wenn er wütend war und traurig war, hat er J. (ihren eigenen Sohn, Anm. d. Red.) geschubst oder Matthias auch mal Schuhe ins Gesicht gehauen. (...) Ich weiß nicht, was in seinem Kopf vorgegangen ist. Matthias durfte ihn nicht in den Kindergarten bringen, geschweige denn ihn abholen."
"Dann ging es"
Auf eine entsprechende Frage bestritt Gina H., eifersüchtig auf Fabians Mutter gewesen zu sein. Die ersten drei, vier Monate in der Beziehung zu Matthias R. seien schwer gewesen. "Dann ging es." So sei es bis zum Schluss geblieben. Schütt konfrontierte die Angeklagte daraufhin mit einer Sprachnachricht, die sie im September 2025 an Matthias R. geschickt hatte. Darin sagte sie: "Ich habe einfach keine Lust, mich mit Ex-Partnern auseinandersetzen zu müssen. Dass du mit deiner Ex schreibst, auch wenn es angeblich nur um Fabian geht."
Richter Schütt fragte nach der Suche nach Fabian, als Matthias R. zusammen mit der Mutter nach dem gemeinsamen Kind unterwegs war. Gina H. hatte ihm deshalb Vorwürfe gemacht. "Weil er permanent besoffen Auto gefahren ist", begründete sie dies. "Ich habe mir Sorgen gemacht. Es war eine Ausnahmesituation!" Sie betonte erneut, nicht eifersüchtig auf Fabians Mutter gewesen zu sein.
Gina H. bestritt, jemals in der Wohnung von Fabian und seiner Mutter gewesen zu sein. Wenn sie Fabian abgeholt habe, habe sie im Auto gewartet, bis die Mutter den Jungen gebracht habe. Sie wisse nicht einmal, in welcher Etage die Wohnung sei.
Die Anklage wirft Gina H. vor, sie habe den achtjährigen Fabian am 10. Oktober 2025 aus seiner Wohnung in Güstrow gelockt und dann an einem Teich bei Klein Upahl, etwa 15 Kilometer südlich der Kleinstadt, erstochen und den Leichnam anschließend in Brand gesetzt. Das Motiv soll mit dem Verhältnis der Angeklagten zu Fabians Vater und dem zeitweisen Ende dieser Beziehung zusammenhängen.
Das öffentliche Interesse an dem Prozess ist riesig. Vor dem Landgericht in Rostock warteten die Menschen in einer langen Schlange, um der Verhandlung beizuwohnen. Die ersten Zuschauer haben sich demnach schon kurz nach 2 Uhr in der Nacht angestellt.
