Panorama

Missachtung der STIKO-Kompetenz? Hausärzte kritisieren Beschluss zu Kinder-Impfung

248645132.jpg

Schon geimpft: Hugo, 12 Jahre alt, und sein 13-jähriger Bruder Urs am Impfzentrum auf dem Messegelände in Hannover.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern beschließen, Kindern ab zwölf Jahren Corona-Impfungen zu ermöglichen, und umgehen damit die Ständige Impfkommission. Das stößt bei den Hausärzten auf Unverständnis und Kritik - sie sehen darin eine "Missachtung der Kompetenz" der STIKO.

Die Hausärzte in Deutschland haben mit Unverständnis auf den Beschluss der Gesundheitsminister reagiert, allen Kindern und Jugendlichen ab zwölf Jahren ein Corona-Impfangebot zu machen. Warum eine Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) zu dieser Frage auf der Basis fundierter Studien nicht abgewartet werden könne, sei ihm "schleierhaft", sagte der Bundesvorsitzende des Deutschen Hausärzteverbands, Ulrich Weigeldt, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). "Das Ganze klingt ein wenig nach Wahlkampfgetöse."

Weigeldt warf den Gesundheitsministern eine "Missachtung der Kompetenz" der STIKO vor und warnte, dass der Beschluss zum Impfangebot zu Verunsicherung führen könne. Zudem liege das Pandemie-Risiko derzeit "mehr bei den nicht impfwilligen Erwachsenen als bei den Kindern und Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren".

"Impfquote von 90 Prozent nicht notwendig"

In der "Wirtschaftswoche" bezeichnete Weigeldt die Vorstellung, "dass wir selbst nach einer STIKO-Empfehlung alle Jugendlichen durchimpfen", als "genauso Science-Fiction wie die Vorstellung über eine Impfquote von 90 Prozent". Dies sei aber auch nicht notwendig. "Worunter die meisten Kinder leiden, ist sicherlich weniger Long Covid als vielmehr Long Lockdown", sagte der Mediziner. Er plädierte deshalb für eine Debatte über eine Impfpflicht für Kita- und Lehrpersonal.

Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern hatten am Montag entschieden, Jugendlichen ab zwölf Jahren ein breites Angebot an Corona-Impfungen zu ermöglichen. Damit umgingen sie die STIKO, die Corona-Impfungen für Zwölf- bis Siebzehnjährige bisher nur bei Vorliegen besonderer Risiken empfiehlt.

STIKO-Chef dämpft Erwartungen zu Impfempfehlung

Mehr zum Thema

STIKO-Chef Thomas Mertens reagiert gelassen auf die Forderungen, das Gremium solle zügig Corona-Impfungen für Jugendliche ab zwölf Jahren empfehlen. "Ich hoffe, dass wir das in den nächsten zehn Tagen schaffen", sagte Mertens dem "Spiegel". "Ich kann nicht versprechen, dass es eine grundsätzliche Änderung bei der Empfehlung geben wird", erklärte Mertens.

Er sah keinen Konflikt mit den Länder-Gesundheitsministern, die die Empfehlung ausgesprochen haben: "Das ist eine politische Entscheidung, es ist die Freiheit der Politik, so etwas im Sinne der allgemeinen Gesundheitsvorsorge anzubieten."

Quelle: ntv.de, abe/AFP

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.