Panorama

Superspreader infizierte Kinder Heikle Studie zu Corona-Ausbruch an Schule

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Alle Schulen und Kitas sind geschlossen: Die Debatte um die Wiedereröffnung könnte spannend werden.

(Foto: picture alliance/dpa)

Ein Corona-Ausbruch an einer Hamburger Schule schlägt Wellen: Offenbar hat ein Superspreader das Virus innerhalb der Schule verbreitet. Das widerspricht dem Credo der Kultusminister, dass sich Schüler außerhalb anstecken. Der Bildungssenator muss sich nun fragen lassen, ob er die Analysen unterdrückt hat.

Einer der ersten großen Corona-Ausbrüche an einer Schule geht nach einer Studie der Hamburger Gesundheitsbehörde auf einen einzigen Überträger zurück. Laut einem Bericht des "Tagesspiegels" wiegelten die Behörden zunächst ab, als die Hamburger Heinrich-Hertz-Schule im September fast 40 Infizierte meldete. Viele Schüler hätten sich außerhalb der Schule angesteckt, teilten die Behörden zunächst mit. Doch inzwischen zeigen Analysen, dass das Gegenteil richtig sei. Der Ausbruch sei überwiegend auf eine Person zurückzuführen, über die sich das Coronavirus an der Schule ausbreitete.

Die Zeitung berief sich in ihrem Bericht auf eine Auskunft der Hamburger Gesundheitsbehörde, die kurz vor Weihnachten auf der Plattform "Frag den Staat" veröffentlicht wurde. Demnach haben das Heinrich-Pette-Institut (HPI) und das Uniklinikum Eppendorf im September in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt Hamburg-Nord den Ausbruch untersucht. In den Proben sei eine hohe Anzahl von identischen Genomsequenzen identifiziert worden. "Daher ist die überwiegende Mehrzahl der Übertragungen höchstwahrscheinlich auf eine einzige Infektionsquelle zurückzuführen. Die Möglichkeit, dass der Ausbruch aus unabhängigen Einträgen resultiert, kann mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden", zitiert das Blatt die Angaben des Gesundheitsamtes.

Streit um Schulen als Ansteckungsort

Das Ergebnis der Analyse birgt einigen Zündstoff. Bislang hatten die Bundesländer stets versichert, dass die Schulen in der Corona-Pandemie keine Orte vermehrter Ansteckung seien. Anfang Januar will die Kultusministerkonferenz beraten, wie es mit den Schulen weitergehen soll. Eine Wiederaufnahme des Regelbetriebs ohne größere Schutzmaßnahmen müsste im Hinblick auf die Hamburger Erfahrung möglicherweise neu bewertet werden. Laut "Tagesspiegel" ist der Fall auch für Hamburgs Schulsenator Ties Rabe heikel. Es sei nicht auszuschließen, "dass Rabes Schulbehörde die Veröffentlichung der Studie unterdrücken wollte", heißt es in dem Bericht. Vor der Bekanntmachung auf dem Portal hätte die Schulbehörde die Resultate noch als "nicht relevant" abgetan.  

Zuerst hatte die "Zeit" Ende Oktober demnach vergeblich bei der Schulbehörde nach den Ergebnissen der Studie nachgefragt. "Für uns ergaben sich leider keine relevanten Erkenntnisse, aus denen sinnvolle schulische Schutzmaßnahmen abgeleitet werden könnten", zitiert die Wochenzeitung Peter Albrecht, den Sprecher des Senators. Rabe selbst präsentierte Mitte November eigene Daten zur Infektionslage an den Schulen und behauptete, dass "die Infektionsgefahr außerhalb der Schule viel höher" sei. Auf diese Angaben hätten sich die Kultusminister danach stets berufen, wenn es darum ging, die Schule als sicher einzustufen, schrieb der "Tagesspiegel" weiter.

Quelle: ntv.de, mau