Panorama

Karaoke-Party und Glühweinfest Hier feiern die Deutschen trotz Corona

Nur wenn sich alle an die Corona-Regeln halten, kann die Pandemie in den Griff bekommen werden, mahnen Politiker und Virologen immer wieder. Doch anscheinend ist die Party-Lust mancher Deutschen größer als die Sorge vor den Konsequenzen. Bundesweit ignorieren Feierwütige die Kontaktbeschränkungen.

Die Corona-Pandemie hat Deutschland weiter fest im Griff. Trotz des Teil-Lockdowns bleibt die Zahl der Neuinfektionen nach wie vor hoch. Immer wieder mahnt die Politik die Bürger, sich verantwortungsvoll zu verhalten. Doch immer wieder werden Kontaktbeschränkungen ignoriert. Die Feierlust einiger Deutscher scheint größer als die Sorge vor dem Virus. Glühwein-Happenings, Karaoke-Partys und Hotel-Feiern - vor allem am Nikolaus-Wochenende hat die Polizei alle Hände voll zu tun.

Über das Party-Wochenende zeigte sich Kanzleramtsminister Helge Braun erschüttert: "Das macht mich total sprachlos", sagte er der "Bild"-Zeitung. Hier ein Überblick, wo in den vergangenen Tagen die Corona-Regeln missachtet wurden:

Illegale Karaoke-Sause in Berlin

In Berlin hat die Polizei am Wochenende eine illegale Karaoke-Party mit mehr als 40 Teilnehmern aufgelöst - gegen vier von ihnen habe sogar ein Haftbefehl vorgelegen. Ein anonymer Anrufer hatte die Beamten am frühen Sonntagmorgen wegen Lärms zu einem Haus in Lichtenberg gerufen, wie die Polizei mitteilte. Als die Polizisten eintrafen, schallte ihnen aus einer Wohnung in der ersten Etage laute Musik entgegen. Mehrere Leute versuchten, über das Dach zu fliehen. Nachdem Verstärkung eingetroffen war, überprüften die Einsatzkräfte in der Wohnung und auf dem Dach 24 Männer und 17 Frauen. Niemand von ihnen trug eine Maske. Die Polizei stellte entsprechende Anzeigen aus.

"Glühweinspaziergang" und Hotel-Party in Heidelberg

In Heidelberg musste die Polizei eine Gruppe von rund 200 Menschen auflösen, die am Samstag zum Glühweintrinken zusammengekommen war. In fast allen Fällen hielten sie weder Abstand, noch trugen sie eine Mund-Nasen-Bedeckung. Die Beteiligten seien am Samstag wegen eines "Glühweinspaziergangs" von vier Gaststätten zusammengekommen, hätten dann aber dicht gedrängt auf der Straße gestanden, statt zu spazieren. 20 Polizisten waren im Einsatz, 70 Menschen erwartet ein Bußgeldverfahren wegen Verstoßes gegen die Corona-Verordnung.

Bereits am Abend zuvor hatten Beamten in der Weststadt eine Corona-Party mit zehn Teilnehmern beendet. Wie sich herausstellte, hatten die Jugendlichen in einem Hotel ein Zimmer gemietet, um zu feiern. Nach der Beschwerde einer Nachbarin wegen Lärms fand die Polizei sieben Jugendliche im Alter von 16 bis 21 Jahren auf. Sie kamen demnach aus sechs verschiedenen Haushalten. Mindestens drei weitere Teilnehmer der Party sind noch vor Eintreffen der Polizisten aus einem Fenster geklettert und geflüchtet.

Im Zimmer entdeckte die Polizei eine Vielzahl alkoholischer Getränke. Die Beamten lösten die Feier auf und stellten die Personalien der Jugendlichen fest, manche wurden daraufhin von ihren Eltern abgeholt. Wegen Verstoßes gegen die Corona-Auflagen erhielten sie eine Anzeige und müssen nun mit einem Bußgeld rechnen, wie ein Sprecher der Polizei sagte. Auch gegen den Hotelbetreiber laufen Ermittlungen, inwiefern er die Feier bewusst ermöglicht hat.

Nikolaus-Feiern in Bayern

Auch in Bayern wurde trotz hoher Infektionszahlen gefeiert: Am Wochenende mussten Ordnungskräfte zahlreiche Nikolaus-Partys auflösen, weil die geltenden Corona-Einschränkungen missachtet wurden. In Hemau in der Oberpfalz feierten am Samstag sieben Menschen eine Nikolaus-Grillfeier in einem Gartenhaus. Die Teilnehmer erhielten nach Polizeiangaben von Sonntag eine Anzeige wegen eines Verstoßes gegen die aktuellen Kontaktbeschränkungen.

In Krailling im Kreis Starnberg löste die Polizei eine Gruppe von 18 Jugendlichen auf. Einige seien stark betrunken gewesen, berichtete ein Sprecher. Alle seien angezeigt worden. Ein 18 Jahre alter Münchner kam der mehrmaligen Aufforderung, den Platz zu verlassen, nicht nach. Er wurde vorübergehend in Polizei-Gewahrsam genommen und später seinen Eltern übergeben.

Im Zimmer eines Münchner Hotels traf die Polizei 21 Menschen an, die eine Party feierten. Das Hotelpersonal hatte davon nichts mitbekommen, weil die Gäste offenbar einen anderen Eingang benutzt und sich so an der Rezeption vorbeigeschlichen hatten.

In Freising feierten sechs Jugendliche im Alter zwischen 17 und 19 Jahren in einem Gewächshaus. Beim Eintreffen der Polizeibeamten schlug einer der Party-Gäste ein Loch in die Glaswand des Gewächshauses, sodass die Gäste zunächst flüchten konnten. Nach einer kurzen Verfolgung hätten jedoch alle gestellt werden können, hieß es. Weil die sechs Jugendlichen aus sechs verschiedenen Haushalten stammten, seien alle angezeigt worden.

100 junge Leute geraten in Düsseldorf mit Polizei aneinander

In Düsseldorf sind rund 100 junge Menschen am Samstagabend in der Altstadt mit der Polizei und dem Ordnungsdienst aneinandergeraten. Einige hätten gegen die Coronaschutzverordnung verstoßen und die Kontrollen behindert. Ein Jugendlicher aus der Gruppe habe Mitarbeiter des Dienstes tätlich angegriffen. Als die Polizei ihn in einem Streifenwagen abtransportieren wollte, umringten die anderen das Fahrzeug und hinderten es an der Weiterfahrt.

Die Gruppe habe lautstark die Forderung nach Freilassung des Jugendlichen skandiert. Als weitere Polizisten dazukamen, seien sie geflüchtet. Mehrere Personen im Alter zwischen 16 und 20 Jahren wurden aber gefasst und kamen in Gewahrsam. Der tatverdächtige Jugendliche wurde festgenommen. Er soll eine Strafanzeige bekommen. Weitere Anzeigen gegen andere Personen wegen Landfriedensbruchs würden noch geprüft, hieß es.

Gedränge bei Lüneburger "Gassenzauber"

Ebenfalls Ärger gab es bei dem am Wochenende gestarteten Lüneburger "Gassenzauber". Dort hatte die Polizei zahlreiche Verstöße gegen Corona-Auflagen registriert. Wie erwartet seien viele Besucher und Touristen in die Innenstadt geströmt, teilte die Polizei mit. Die Verweilzonen seien bereits nach kurzer Zeit überfüllt gewesen. Vor den Buden drängten sich demnach viele Menschen, Abstände wurden nicht eingehalten.

Immerhin trugen viele der Gäste einen Mund-Nasen-Schutz, jedoch hielt sich kaum jemand an die Vorschriften bei den Verweilzonen. Laut Polizeiangaben war der Sicherheitsdienst mit dem riesigen Besucheraufkommen überfordert. Bei der polizeilichen Ansprache gaben die meisten Touristen an, die geltenden Vorschriften in den Zonen nicht zu kennen.

Quelle: ntv.de, hny/dpa/AFP

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