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Studie untersucht Probleme Homeschooling belastet Familien

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Etwa der Hälfte der Kinder fehlt die Motivation zu Hause zu lernen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Seit Monaten müssen viele Eltern neben dem Homeoffice auch das Homeschooling stemmen. Das belastet die Beziehung zu ihren Kindern, stellt nun eine neue Studie fest. Die Forscher geben aber auch Tipps, wie das Unterrichten zu Hause besser gelingen kann.

Die Corona-Pandemie hat das Leben vieler Menschen auf den Kopf gestellt. Vor allem Familien stehen seit dem Ausbruch des Virus vor großen Herausforderungen: Homeoffice und dann auch noch geschlossene Schulen. Der Unterricht der Kinder muss seit dem 16. März 2020 zu Hause stattfinden. Von heute auf morgen sahen sich somit viele Eltern ohne Vorbereitung in der Rolle von Lehrkräften. Was diese Situation für Mütter und Väter bedeutet, und wie das Unterrichten zu Hause aus ihrer Sicht funktioniert, hat die bundesweite Studie Homeschooling 2020 der Universität Koblenz-Landau untersucht.

Die Ergebnisse sind ernüchternd: Ein Viertel der Eltern, die ihre schulpflichtigen Kinder während der Corona-Krise zuhause betreuen, sehen durch das Homeschooling eine Belastung der Beziehung zu ihren Kindern. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Dunkelziffer sogar noch deutlich höher liegt. Ein möglicher Grund: Problematische Situationen in Familien gibt in einer Befragung keiner gerne offen zu.

Der Fokus der Studienleiter lag neben den täglichen Herausforderungen und dem Gelingen des Unterrichts zu Hause auch auf der Unterrichtsqualität. "Wir wollten wissen, ob und wie im Zuge des Homeschoolings guter Unterricht gewährleistet werden kann und fragten unter anderem nach der Qualität der Aufgaben, der Häufigkeit und Strukturiertheit der Aufgabenübermittlung oder dem Feedbackverhalten der Lehrkräfte", so Studienautorin Anja Wildemann, Bildungsforscherin an der Universität Koblenz-Landau.

Das Ergebnis: Die Mehrheit der Eltern wünscht sich mehr Rückmeldungen durch die Lehrkräfte. Rund die Hälfte erkennt keinen regelmäßigen Rhythmus in der Aufgabenübermittlung durch die Lehrerinnen und Lehrer. Zudem empfinden Eltern die Lernaufträge als wenig abwechslungsreich. Es gibt aber auch praktische Probleme: Mehr als ein Viertel der Eltern macht die technische Umsetzung des Homeschooling zu schaffen. Fehlende oder nicht ausreichend vorhandene Computer, Laptops, Tablets und schlechte Internetverbindungen erschweren das Unterrichten zu Hause.

Kindern fehlt der Austausch

Insgesamt müssen Eltern laut Studie deutlich mehr Zeit in die Lernbetreuung ihrer Kinder investieren - und das neben dem Beruf. Gaben knapp die Hälfte der Eltern an, vor Corona maximal 30 Minuten mit den Schulaufgaben des Kindes verbracht zu haben, sind es beim Homeschooling bei 24 Prozent bis zu einer Stunde, bei 26 Prozent bis zu zwei Stunden und 25 Prozent investieren bis zu drei Stunden täglich. Mit über 80 Prozent sind mit deutlicher Mehrheit Mütter für das Homeschooling verantwortlich.

Dabei ist es oft nicht einfach, die Kinder für das Lernen zu begeistern. Etwas mehr als die Hälfte der Eltern gibt an, dass es ihrem Kind an Motivation fehle. Das könnte unter anderem daran liegen, dass es im Vergleich zum normalen Schulalltag nur wenig Interaktionsmöglichkeiten gibt. Knapp 60 Prozent der Kinder können sich den Angaben zufolge nicht mit ihren Mitschülern austauschen. Nur etwa jeder Zehnte hätte einen mehrmaligen Austausch pro Tag.

Tipp fürs Homeschooling: Druck rausnehmen

Auf Grundlage der Studie sehen die Autoren zwei zentrale Punkte für besseres Homeschooling oder einen gelungenen Wechsel aus Präsenz- und Distanzunterricht: "die Strukturiertheit der Lehr-Lern-Angebote und das Feedback". Die Forschenden empfehlen, die Aufgaben in Form von Wochenplänen in einem festen Rhythmus zu übermitteln. Das könne einen wichtigen Beitrag leisten zum selbstregulierten Lernen sowie zur Orientierung der Schüler und durch die bessere Planbarkeit auch zur Entlastung der Eltern. Außerdem sollte es seitens der Lehrkräfte eine enge Verzahnung von Aufgabenübermittlung und individuellem Feedback geben, damit jede Schülerin und jeder Schüler den eigenen Wissensstand und Lernbedarf kennt und angemessen weiterentwickeln kann.

Damit es mit dem Lernen auch zu Hause gut klappt, ist Motivation besonders wichtig. "Ein Großteil der teilnehmenden Eltern hat ihre Kinder durch soziale und kommunikative Zugewandtheit zum Lernen motiviert. Das ist ein guter Weg", unterstreicht Wildemann. Darüber hinaus spielt Partizipation eine große Rolle. "Wenn Eltern und Kinder gemeinsam die Lernwoche planen, agieren sie partnerschaftlich. Das erhöht bei den Kindern in der Regel die Akzeptanz und Motivation", erklärt Ingmar Hosenfeld vom Zentrum für empirische pädagogische Forschung und Co-Autor der Studie.

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Einen wichtigen Rat haben beide für Eltern: Sich selbst nicht so stark unter Druck setzen. Denn Mütter und Väter sind in erster Linie Eltern und eben keine Lehrkräfte.

An der Studie teilnehmen konnten alle in Deutschland wohnhaften Eltern, deren Kinder allgemeinbildende Schulen besuchen. Zwischen Anfang April und Anfang Mai 2020 haben 4230 Eltern an der Befragung teilgenommen, davon größtenteils Mütter. Von den Kindern und Jugendlichen besuchen 43,1 Prozent eine Grundschule und 52,6 Prozent eine weiterführende Schule, davon 64,9 Prozent ein Gymnasium.

Quelle: ntv.de, hny