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In "High Heels an die Macht: Feminismus, aber sexy" rechnet Mareike Daum mit sexistischen Männern ab.
In "High Heels an die Macht: Feminismus, aber sexy" rechnet Mareike Daum mit sexistischen Männern ab.(Foto: Facebook)
Dienstag, 03. März 2015

Ex-Mitarbeiterin rechnet mit CSU ab: "Ich möchte Alice Schwarzer 2.0 werden"

Mareike Daum arbeitete fünf Jahre lang als Pressereferentin bei der CSU. Nun hat sie ein Buch über die Zeit geschrieben. Die Partei sei eine "Ansammlung von geilen, alten, frustrierten Männern", schreibt Daum. Doch es geht ihr um weit mehr.

n-tv.de: Sie haben fünf Jahre für die CSU gearbeitet. In Ihrem Buch "High Heels an die Macht: Feminismus aber sexy" klagen Sie über Mobbing und unangenehmes Arbeitsklima. Was ist Ihnen widerfahren?

Mareike Daum: Ich habe mich den klassischen männlichen Spielregeln nicht angepasst und wurde wegen meiner Weiblichkeit gemobbt. Ich hatte ständig mit Klischees wie "Blond ist blöd" zu kämpfen und wurde ständig für blöd verkauft. Weiblichkeit ist in unserer Gesellschaft ein Karrierekiller.

Sie schreiben in Ihrem Buch: "Die Partei ist eine Ansammlung von geilen, alten frustrierten Männern. Sie machten mir das Leben zur Hölle". Können Sie ein paar Beispiele nennen?

Es geht um die Geschichte einer jungen Frau, die wegen ihrer Weiblichkeit diskriminiert wurde. Ich will mit meinem Buch den Mut beweisen, jungen Frauen, denen es genauso geht wie mir, zu zeigen: Hey Mädels, passt auf! Passt euch nicht an das männliche System an, sondern lebt eure Weiblichkeit. Das Spiel muss sich ändern. Ich bin aus dem Spiel ausgeschieden, weil ich mich nicht anpassen wollte. Das ist tief politisch. Wir müssen weibliche Solidarität leben! Dahinter steht eine Feminismus-Debatte. Ich habe in dem Buch genug Beispiele genannt.

Das Buch erscheint aber erst nächste Woche, nennen Sie doch ein paar.

In der Wahlkampfzentrale saß ich zum Beispiel direkt am Eingangsbereich. Als die mediale Aufmerksamkeit wieder abgeschwächt ist, bin ich wieder in mein Kabuffzimmer versetzt worden.

Sie schreiben in Ihrem Buch, ganz schlimm sei es erst geworden, als Ihr damaliger Chef Alexander Dobrindt als Minister nach Berlin gewechselt sei. Damals habe man Sie von der Pressestelle ins Archiv versetzt. Was ist da passiert?

Das wurde mir nicht erklärt. Plötzlich bin ich ins ehemalige Archiv versetzt worden, in ein so genanntes Sterbezimmer. Dort wo unbequeme Mitarbeiter hinkommen, die vom Tagesgeschäft nichts mehr mitbekommen sollen.

Die CSU hat inzwischen auf Ihre Anschuldigungen reagiert und erklärt, Sie hätten Ihre Vorwürfe nie vorgetragen.

Das ist eine Lüge. Ich habe sowohl meinen direkten Vorgesetzen informiert als auch den Chef der Parteizentrale. Die wussten, wie sehr ich leide, aber mir ist nie geholfen worden.

Haben Sie in der CSU eigentlich auch nette Männer kennengelernt?

(lacht) Ja, durchaus, es gibt immer Ausnahmen. Alexander Dobrindt ist zum Beispiel ein sehr netter Mann. Er war mein Chef bis Ende 2013. Danach war es Andreas Scheuer, der ebenfalls meine Arbeit geschätzt hat, denn ich habe über einen längeren Zeitraum seine persönliche Kolumne geschrieben.

Sie haben zum 31. Januar 2015 einen Aufhebungsvertrag unterschrieben. Den Vertrag bei Ihrem Buchverlag haben Sie schon im Sommer unterschrieben. Warum haben Sie sich das bei der CSU noch so lange angetan, wenn es so schlimm war?

Wie hätte ich denn meine Miete und Essen bezahlen sollen? Ich möchte nicht jedes Mal meinen Mann anbetteln. Ich bin emanzipiert. Das Buch ist spontan entstanden. Ich habe mir das vom Herzen geschrieben, was mir widerfahren ist.

Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?

Ich sehe mich als Autorin und möchte für Frauenrechte kämpfen. Ich will Alice Schwarzer 2.0 werden, mit der sich junge Frauen emanzipieren können. Dabei möchte ich für das Klagerecht auf Lohngleichheit kämpfen, für mehr Frauen in Führungspositionen und für eine soziale Infrastruktur, die uns Kind und Karriere ermöglicht. Stichpunkt Betriebskitas und flexiblere Arbeitszeiten. Wenn es um Feminismus geht, rufen die Medien zurzeit Frau Schwarzer an. Ich möchte, dass sie künftig mich anrufen.

Sie haben die Vorab-Rechte für Ihr Buch exklusiv an die "Bild"-Zeitung verkauft. Warum fahren Sie so eine offensiv inszenierte PR-Kampagne?

Verkauft habe ich erstmal gar nichts. Dieser Vorwurf verdreht die Tatsachen. Ich erfinde nicht irgendeine Geschichte, um das Buch zu promoten. Das Buch ist entstanden, weil mir das wirklich passiert ist.

Mit Mareike Daum sprach Christian Rothenberg

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Quelle: n-tv.de

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