Panorama

Nahende Katastrophe "Irma"-Vorboten peitschen durch Florida Keys

Seit Tagen blicken die Menschen in Florida Keys voller Angst auf die Ankunft von Hurrikan "Irma", nun ist es soweit. Orkanartige Böen und starke Regenfälle erreichen die Inselgruppe. Dabei steht den Bewohnern das Schlimmste noch bevor.

Peitschende Winde, starke Regenfälle, Stromausfälle: Die von Hurrikan "Irma" bedrohte Inselgruppe Florida Keys ist von ersten orkanartigen Böen getroffen worden. Es wurden Windgeschwindigkeiten von bis zu 119 Kilometern pro Stunde gemessen, wie der Nationale Wetterdienst auf Twitter mitteilte. Die Florida Keys könnten laut Prognosen in Kürze direkt vom Zentrum des Sturms getroffen werden.

Florida-Hotlines

In Deutschland ist unter der Rufnummer 030 5000 3000 Tag und Nacht eine Hotline für von Hurrikan "Irma" Betroffene geschaltet. In den USA ist unter 001 202 298 4000 eine Hotline erreichbar. Die Deutsche Botschaft in den USA hat einen Krisenstab eingerichtet.

Seit Tagen bereiten sich die Menschen im US-Bundesstaat Florida auf ein Katastrophenszenario vor. Mehr als 190.000 Haushalte in verschiedenen Teilen des Bundesstaates sind mittlerweile ohne Strom. Das geht aus einer Übersicht des Energieunternehmens FPL hervor. Experten schätzten, dass mehr als eine Million Menschen ohne Strom sein könnten, wenn der Hurrikan Florida durchquert hat.

Nach den Vorhersagen soll der Hurrikan am Sonntagmittag MESZ mit sintflutartigen Regenfällen, Sturzfluten, Tornados und Windgeschwindigkeiten von bis zu 250 Kilometer pro Stunde auf den "Sunshine State" treffen. "Wahrscheinlich wird er dann entlang der Westküste Floridas weiter nordwärts ziehen und im Laufe des Montags unserer Zeit im Nordwesten Floridas landeinwärts ziehen", sagt n-tv Meteorologe Björn Alexander. "Inwieweit er vorher schon voll auf Land trifft, bei Fort Myers oder Tampa, ist noch unsicher, die Zugbahn verläuft auf jeden Fall dicht an der Küste." "Irma" werde extremen Wind, hohe Wellen und ergiebigen Regen mit sich bringen. "An der Ostküste sowie im Landesinneren von Florida wurde bereits von einigen Tornados berichtet", sagt Alexander.

Mehr als 6,5 Millionen Menschen wurden aufgefordert, ihre Häuser zu verlassen und sich vor dem Sturm in Sicherheit zu bringen. Das entspricht rund 30 Prozent der Bevölkerung des Bundesstaates. Mehr als 70.000 Menschen hatten sich am Samstagabend Ortszeit bereits in die rund 385 Schutzräume im Bundesstaat begeben.

Der Sturm verlor bei seinem Zug über den Norden Kubas zwar etwas an Kraft und wurde vorübergehend in die Kategorie 3 der fünfstufigen Skala herabgestuft, bleibt aber extrem gefährlich.

Keine Notunterkünfte in Florida Keys

"Das ist der große Hurrikan, vor dem wir uns alle auf den Florida Keys gefürchtet haben", sagte der Verwalter des Bezirkes Monroe, Roman Gastesi. Auf der Inselgruppe leben rund 70.000 Menschen. Die Sicherheitsbehörden verlegten 460 Gefängnisinsassen auf das Festland. Nach Angaben des Bezirks wurden alle Krankenhäuser und Notaufnahmen auf den Inseln geschlossen. Richtige Notunterkünfte gibt es dort nicht. Die Behörden richteten aber vorübergehende Zufluchtsstätten ein.

Das Festland soll von "Irma" im Laufe des Sonntags erreicht werden. Gouverneur Scott mobilisierte 7000 Mitglieder der Nationalgarde. Florida sei insgesamt gut auf den Hurrikan vorbereitet, sagte er. Er schätzte aber, dass in Notunterkünften rund 1000 Krankenschwestern und Pfleger gebraucht würden. Scott rief Freiwillige auf, sich zu melden.

An der Westküste bereiteten sich die Menschen von Fort Myers bis hoch nach Tampa auf das Schlimmste vor. In einigen Gegenden wird mit bis zu 4,5 Meter hohen Sturmfluten gerechnet.

Tampa liegt in einer Bucht des Golfs von Mexiko. In der Region münden mehrere Flüsse ins Meer, das macht sie noch anfälliger für Überschwemmungen. Experten gehen davon aus, dass die Stadt und die umliegenden Bezirke schlecht gerüstet sind für einen Hurrikan. Obwohl der Sturm den Westen der Halbinsel schlimmer treffen könnte, gilt auch in der Metropolregion Miami keine Entwarnung. Meteorologen rechnen hier ebenfalls mit orkanartigen Böen und Sturmfluten. Auch in den benachbarten Bundesstaaten wurde der Notstand ausgerufen. Modelle des Hurrikanzentrums sehen "Irmas" Zug bis hinauf nach Atlanta reichen. In seiner Folge werden Überflutungen auch an den Küsten Georgias sowie South und North Carolinas erwartet.

Frankreich ruft "Alarmstufe Violett" aus

In der Nacht zum Samstag war das Zentrum von "Irma" auf das Camagüey-Archipel an der Nordküste Kubas getroffen. Dabei legte der Hurrikan noch einmal an Stärke zu und wurde vom Warnzentrum vorübergehend auf die höchste Kategorie 5 hinaufgestuft. Danach zog "Irma" als Sturm der Kategorie 4 an Kuba entlang.

Auf Fernsehbildern waren hohe Wellen, starke Regengüsse, umgestürzte Bäume und beschädigte Gebäude zu sehen. Die Parteizeitung "Granma" berichtete von Überschwemmungen und Sachschäden. Meldungen über Tote lagen nicht vor. Fast eine Million Menschen wurden in Sicherheit gebracht.

Auf den betroffenen Inseln in der Karibik hatte der Sturm nach inoffiziellen Schätzungen insgesamt mehr als 20 Menschen das Leben gekostet, einige Gebiete gelten jetzt als unbewohnbar. Allein auf den britischen Jungferninseln starben vier Menschen, auf Anguilla gab es einen Todesfall, wie britische Medien berichten.

Französischen Behörden zufolge kamen auf den Inseln Saint-Martin und Saint-Barthélemy neun Menschen ums Leben, 112 wurden verletzt. In den von "Irma" schwer verwüsteten französischen Überseegebieten Saint-Martin und Saint-Barthélemy in der Karibik galt wegen eines weiteren Hurrikans die höchste Gefahrenstufe. Der französische Wetterdienst rief am Samstag die Alarmstufe Violett aus. Die Meteorologen rechnen damit, dass der Tropensturm "José" etwa 100 Kilometer nördlich der Inseln vorbeiziehen könnte.

Das US-Hurrikanzentrum in Miami stufte den Sturm am Samstag als Hurrikan der zweithöchsten Kategorie 4 ein. "José" erreichte demnach Windgeschwindigkeiten von bis zu 230 Kilometern pro Stunde. Die Bewohner der Inseln Antigua und Barbuda konnten dagegen vorerst aufatmen: Laut der Prognose sollte der Sturm die Inseln voraussichtlich nicht direkt treffen. "Irma" war vor einigen Tagen direkt über Barbuda hinweggezogen und hatte die kleine Insel verwüstet. Die Regierung von Antigua hob die Hurrikan-Warnung für die Inseln auf, eine Warnung vor einem Tropensturm blieb in Kraft.

Quelle: n-tv.de, lou/dpa

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