Panorama

Zahl der Toten steigt über zehn "Irma" nimmt Kurs auf Florida

09798eca3b27f5f560ec14427879fdc8.jpg

Diese Luftaufnahme lässt die Verwüstung erahnen, die "Irma" in Sint Maarten hinterlassen hat.

(Foto: AP)

Der Hurrikan "Irma" wird als einer der schwersten Stürme in die Geschichte eingehen. Und seine Zerstörungswut ist noch nicht vorbei: Nachdem der Tropensturm in der Karibik gewütet hat, zieht er nun Richtung US-Südostküste weiter.

Die Zahl der Toten durch den Hurrikan "Irma" ist auf mindestens zwölf gestiegen. Während der Wirbelsturm mit unverminderter Wucht durch die Karibik in Richtung Kuba und Florida fegte, wurden mindestens vier Menschen auf den Amerikanischen Jungferninseln getötet, wie Behördenvertreter des zu den USA gehörenden Gebiets mitteilten. Mindestens zwei Todesopfer wurden aus Puerto Rico gemeldet.

Das Hurrikan-Zentrum in Miami gab am frühen Freitagmorgen offizielle Hurrikan-Warnungen aus, die Gebiete im US-Staat Florida sowie auf Haiti, den Bahamas, Kuba und dem britischen Überseegebiet der Turks- und Caicosinseln umfassen. "Irma" zog in der Nacht zum Freitag nördlich an der Dominikanischen Republik vorbei und befand sich laut der Webseite des Hurrikan-Zentrums zuletzt nördlich von Haiti.

Zu den Gebieten, für die nun die Hurrikanwarnung in Kraft ist, gehören in Florida unter anderem die Inselkette Florida Keys sowie Lake Okeechobee nordwestlich von Fort Lauderdale und die Florida Bay zwischen dem südlichen Ende des Festlands und den Florida Keys. In Haiti reichte die Warnung von der nördlichen Grenze zur Dominikanischen Republik bis nach Môle-Saint-Nicolas an der Nordwestküste. Auf Kuba waren die Provinzen Camaguey, Ciego de Avila, Sancti Spiritus und Villa Clara betroffen.

Miami könnte voll erfasst werden

"Irma" sollte am Freitag deutscher Zeit auf erste Inseln der Bahamas treffen. Dort galt die Hurrikan-Warnung für Zentral-Bahamas und die nordwestlichen Bahamas. Immer wahrscheinlicher wurde auch, dass "Irma" am Samstag auf Florida trifft. Nach letzten Modellen könnte die Millionenmetropole Miami voll von "Irma" erfasst werden. Tausende folgten den Aufforderungen der Behörden, bedrohte Gebiete zu verlassen und sich in Sicherheit zu bringen.

Zuvor hatte der Wirbelsturm Zerstörungen auf den Urlaubsinseln Saint-Martin, Saint Barthélemy und Barbuda angerichtet. Im französischen Teil von Saint-Martin wurden vier Tote und rund 50 Verletzte gezählt. In Sint Maarten, dem niederländischen Teil der Insel, wurde ein Mensch getötet, wie die Regierung in Den Haag bekannt gab. Ein Todesopfer gab es auf Barbuda. Damit stieg die Gesamtzahl der Opfer auf mindestens zwölf.

Die ersten Schadensbilanzen auf den betroffenen Inseln waren verheerend. Die Insel Saint-Martin sei "zu 95 Prozent zerstört", sagte der Präsident des französischen Teils, Daniel Gibbs. Die Insel Barbuda sei zu 95 Prozent zerstört und "kaum mehr bewohnbar", sagte der Premierminister des Zwei-Insel-Staats Antigua und Barbuda, Gaston Browne. Er bezeichnete die Insel als "Trümmerhaufen".

Luftbrücken werden vorbereitet

Sint Maarten war nach den Worten des niederländischen Ministerpräsidenten Mark Rutte wegen starker Schäden am Flughafen und am Hafen von der Außenwelt abgeschnitten. Dennoch bereitete die niederländische Luftwaffe eine Luftbrücke für Hilfsgüter vor, ebenso wie die französische Regierung. Großbritannien schickte zwei Kriegsschiffe in die Gegend, um den Opfern zu helfen.

Auch der Nordosten Haitis wurde von sintflutartigen Regenfällen heimgesucht. Windböen deckten Dächer ab, in der Stadt Ouanaminthe an der Grenze zur Dominikanischen Republik standen die Häuser bis zu 30 Zentimeter unter Wasser, wie der Zivilschutz mitteilte. Zwei Menschen wurden verletzt, als eine entwurzelte Kokospalme auf ihr Haus in der Nähe der Hafenstadt Cap-Haïtien stürzte.

Um 23.00 Uhr (MESZ) befand sich das Auge des Sturms nur wenige Kilometer nördlich von Haiti und bewegte sich auf die Bahamas zu. Viele Menschen hoffen nun, dass die Schäden durch "Irma" in Haiti weniger groß ausfallen als zunächst befürchtet. In der Dominikanischen Republik wurden Windstärken von 285 Stundenkilometern gemessen, rund 5500 Menschen wurden, angesichts des Sturms mit heftigen Regenfällen, in Sicherheit gebracht.

Weitere Hurrikans erwartet

Am Freitagabend oder Samstagmorgen könnte der Wirbelsturm in Kuba auf Land treffen und dürfte dann zur Südostküste der Vereinigten Staaten weiterziehen. An Kubas Nordküste wurden 10.000 ausländische Touristen vorsorglich in Sicherheit gebracht, die Behörden riefen die höchste Alarmstufe aus.

Bis zu eine Million Menschen erhielten in den Küstengebieten Floridas und des Nachbarstaates Georgia die Anordnung, ihre Häuser zu verlassen. Es war die größte Massenevakuierung seit mehr als einem Jahrzehnt.

"Irma" war am Mittwoch mit Hurrikan-Stärke 5 über die nördlichen Antillen hinweggefegt. Nach Angaben von Meteorologen zählt er zu den stärksten Stürmen seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Atlantik.

Derweil verstärkte sich der Hurrikan "Jose" auf Kategorie 3, wie das Nationale Hurrikanzentrum (NHC) der USA mitteilte. Der Wirbelsturm befand sich am späten Donnerstag (Ortszeit) etwa 950 Kilometer östlich der Kleinen Antillen und bewegte sich mit einer Geschwindigkeit von 30 Stundenkilometern in Richtung West-Nordwest. Ebenfalls in der Gegend wütet der Tropensturm "Katia", der derzeit auf Kategorie 1 eingestuft ist. Er könnte vor Freitag die Küste des mexikanischen Bundesstaates Veracruz erreichen.

Quelle: n-tv.de, kpi/AFP/dpa

Mehr zum Thema