Panorama

Nach Versuch, Türen zu öffnenJiu-Jitsu-Kämpfer überwältigt Randalierer in Flugzeug

04.06.2026, 10:15 Uhr
00:00 / 03:39
A-Frontier-Airlines-plane-approaches-the-runway-to-land-at-Baltimore-Washington-International-Thurgood-Marshall-Airport-in-Baltimore-Thursday-Nov-6-2025
Die Maschine musste außerplanmäßig zwischenlanden. (Foto: AP Photo/Stephanie Scarbrough)

Dieser Mittelstreckenflug eskaliert gewaltig: Ein Reisender will Türen öffnen und greift die Besatzung an. Gestoppt werden kann er nur durch einen Kampfsportler, der zufällig auch an Bord ist.

Ein Passagier hat für Aufregung an Bord eines Fluges der US-Airline Frontier gesorgt. Der 51 Jahre alte Juan Gabriel Reyes aus Chicago war am Sonntag auf dem Weg von San Juan in Puerto Rico in seine Heimatstadt, als er eine Dreiviertelstunde nach dem Start plötzlich zu randalieren begann, wie die Staatsanwaltschaft Südfloridas erst jetzt mitteilte.

Reyes habe während des Fluges versucht, sowohl eine Notausgangstür als auch die Tür zum Cockpit zu öffnen. "Anschließend soll er eine Passagierin angegriffen haben", erklärte Vize-Staatsanwalt Daniel J. Olinghouse. Zeugen hätten den Behörden geschildert, Reyes habe sich auf das Opfer - eine Flugbegleiterin außer Dienst, die sich freiwillig gemeldet hatte, nach den Störaktionen neben dem Angreifer zu sitzen - gestürzt, es am Kopf gepackt und gewürgt, berichtete der Sender Fox 32 Chicago.

In dieser Situation kamen die Flugbegleiter offenbar nicht mehr weiter. Der Reisende war außer Rand und Band. Viele Passagiere ergriffen so gut es ging die Flucht, nur einer nicht. Der ehemalige professionelle Mixed-Martial-Arts-Kämpfer und brasilianische Jiu-Jitsu-Schwarzgurtträger John Longood saß nah an Reyes und war "froh", dort zu sitzen, sagte er CBS News. Der Kampfsportler hätte genau gewusst, was er tun müsse.

"Ich konnte sehen, dass er stark betrunken war, und wer weiß, was noch alles", sagte Longood dem Sender. "Ich wollte einfach nicht, dass jemand verletzt wird. Deshalb war es meine Pflicht, das zu tun." Wie er vorgegangen ist, beschrieb Longood so: "Ich habe ihn einfach gepackt, ihn so sicher wie möglich festgehalten, ihn in seine Reihe gesetzt und hingelegt, ihn quasi gegen sich positioniert und seine Hände und Füße kontrolliert."

Der Jiu-Jitsu-Kämpfer habe dem wild gewordenen Passagier Kabelbilder-Fesseln angelegt, aus denen dieser sich jedoch befreit habe. Aus diesem Grund habe Longood Reyes festgehalten, bis die Maschine außerplanmäßig in Miami gelandet war und der Randalierer von den Behörden festgenommen wurde.

Der Held von Frontier-Flug F93345 war zwar lange Zeit professioneller Kämpfer, doch außerhalb des Ringes habe er den Sport vor diesem Zwischenfall niemals angewendet. Dennoch war er überzeugt: "Ich weiß, dass ich dazu fähig bin. Ich weiß, dass ich dazu beitragen kann, dass die Menschen in Sicherheit sind", wie Longood bei CBS News sagte.

Der 51-jährige Reyes wurde nach seiner Festnahme durch die Polizei wegen Behinderung von Flugbesatzungsmitgliedern und Flugbegleitern sowie wegen Körperverletzung angeklagt. Im Falle einer Verurteilung drohen ihm wegen Behinderung eine Höchststrafe von 20 Jahren und wegen Körperverletzung eine weitere Haftstrafe von bis zu einem Jahr, erklärte der stellvertretende Staatsanwalt Olinghouse. Ihm drohen außerdem Geldstrafen der US-amerikanischen Luftfahrtbehörde FAA in Höhe von über 40.000 US-Dollar (umgerechnet knapp 35.000 Euro).

Quelle: ntv.de, mpa

FlugzeugeKriminalitätMixed Martial ArtsGewaltPolizeiUSA