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Eklat an Hamburger Schule Junger Muslim verweigert Lehrerin die Hand

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Gebetsraum einer Moschee in Stuttgart .

(Foto: dpa)

Manche Muslime in Deutschland wollen Frauen aus religiösen Gründen nicht die Hand geben. Das sorgt an einigen Schulen für Ärger. In Hamburg führt das zum Boykott des Schulabschlussballs. Dort überlegt es sich der Junge noch einmal.

An einer Hamburger Schule hat es einen Eklat wegen eines verweigerten Handschlags gegeben. Eine Lehrerin hatte ihrem muslimischen Schüler zur bestandenen Abi-Prüfung gratulieren und ihm die Hand reichen wollen. Das verweigerte der junge Muslim mit Hinweis auf seine Religion.

Nach Angaben der "Hamburger Morgenpost" hatte der Schüler seine Lehrerin nicht beleidigen wollen. Seine Religion habe ihn veranlasst, der Frau lediglich das Handgelenk anzubieten. Zugleich kündigte er an, in dieser Frage konsequent zu bleiben und auch der Direktorin bei der Zeugnisübergabe auf dem Abiball den Handschlag zu verweigern.

In der Hamburger Kurt-Tucholsky-Schule sorgte dies für Unruhe. Einige Lehrer forderten den Ausschluss des Schülers von der Abschlussveranstaltung. Als die Direktorin dies ablehnte und zudem mitteilte, dass sie das Verhalten des Schülers akzeptiere, blieben sieben der dreizehn Lehrer der Abschlussfeier fern. Auf der Feier selbst besann sich der Schüler und reichte seiner Direktorin die Hand.

Kein Einzelfall

In Berlin sorgte kürzlich ein verweigerter Handschlag eines Imams für Ärger. Nach Informationen des RBB soll der Mann einer Lehrerin zu Beginn eines Elterngesprächs den Handschlag verweigert und sich dabei auf Religionsfreiheit berufen haben. Die Lehrerin wiederum habe diese Form der Begrüßung mehrfach eingefordert und ihm Frauenfeindlichkeit und mangelnden Respekt vorgeworfen. Am Ende stellte der strenggläubige Schiit aus der Osttürkei Strafanzeige gegen die Lehrerin – wegen Beleidigung und Verletzung der Religionswürde.

Berlins Integrationssenatorin Dilek Kolat zeigte Verständnis für die Lehrerin. Sie hätte aber trotzdem mit dem Imam gesprochen, schon im Interesse des Kindes, sagte die SPD-Politikerin. Ihr sei auch schon der Handschlag verweigert worden. "Mich hat das auch sehr gestört." In der Vergangenheit hatte etwa auch die Bezirksbürgermeisterin von Berlin-Neukölln, Franziska Giffey von solchen Erfahrungen berichtet, zum Beispiel bei Einbürgerungen. Sie halte das für "einfach nur respektlos, sagte sie der "Welt".

Schweiz spricht Verbot aus

In der Schweiz war im Frühjahr eine Debatte über den Handschlag entbrannt, nachdem 14 und 16 Jahre alte Brüder einer Lehrerin aus religiösen Gründen den Handschlag verweigert hatten. Die Schulbehörde entschied daraufhin, dass im Kanton Basel-Landschaft künftig kein Schüler mehr ablehnen darf, einer Lehrerin die Hand zu geben. Die Gleichstellung von Mann und Frau sowie die Integration von Ausländern hätten einen höheren Stellenwert als die individuelle Religionsfreiheit, begründete die Schweizer Behörde ihr Vorgehen. Bei Missachtung müssten die Eltern oder ihre beiden Söhne künftig mit Sanktionen rechnen.

Quelle: n-tv.de, ppo/dpa

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