Panorama

Drogen, Waffen und Geldwäsche Jury befindet Drogenboss "El Chapo" für schuldig

Die Jury im Gerichtsverfahren gegen Joaquín "El Chapo" Guzmán befindet den Drogenboss in allen Anklagepunkten für schuldig. Der Mexikaner muss damit wohl für den Rest seines Lebens ins Gefängnis. Den Schuldspruch nimmt der 61-Jährige jedoch gelassen.

Im New Yorker Mammutprozess gegen den mexikanischen Drogenboss Joaquín "El Chapo" Guzmán hat die Jury den Angeklagten in allen Punkten für schuldig befunden. Guzmán musste sich in New York unter anderem wegen Drogenschmuggel, Waffenhandel und Geldwäsche verantworten und nun mit einer lebenslangen Gefängnisstrafe rechnen. Die Todesstrafe ist nach einer Absprache zwischen Mexiko und den USA ausgeschlossen. Der Richterspruch in dem Verfahren steht noch aus. Nach der Urteilsverkündung könnte Guzmán in ein Gefängnis im US-Bundesstaat Colorado überführt werden, das wegen der nahegelegenen Rocky Mountains den Beinahmen "Alcatraz der Rockies" hat und als eine der sichersten Haftanstalten der USA gilt.

Für den schwersten Anklagepunkt, die Beteiligung an einer Verbrecherorganisation, schreibt das Strafgesetzbuch der USA lebenslange Haft vor. Die weiteren der insgesamt zehn Anklagepunkte drehten sich um die Herstellung und internationale Verbreitung von Kokain, Heroin, Methamphetamin und Marihuana sowie den Gebrauch von Schusswaffen und Geldwäsche.

Rund 35 Stunden über sechs Tage hatten die zwölfköpfige Jury aus acht Frauen und vier Männern über Guzmáns Schuld oder Unschuld diskutiert. Auch eine Verurteilung in nur einem oder einigen der Anklagepunkte hätte für Guzmán mit ebenfalls eine jahrelange oder lebenslange Haftstrafe bedeutet. Ein Freispruch schien angesichts der teils erdrückenden Beweislast sehr unwahrscheinlich.

"Hat uns wieder bessere Laune gemacht"

Der mexikanische Drogenboss nimmt den Schuldspruch seinen Anwälten zufolge "positiv" hin. "Wir waren ganz ehrlich gesagt verärgerter als er", sagte Guzmáns Anwalt Jeffrey Lichtman nach dem Urteil. "Er ist ein sehr optimistischer Typ, er hat uns wieder bessere Laune gemacht." Der 61-Jährige sei insgesamt ein positiver Mensch, gerade vor dem Hintergrund, dass er voraussichtlich den Rest seines Lebens im Gefängnis verbringen müsse.

Guzmáns Verteidiger kündigten gleichsam an "natürlich" Berufung einlegen zu wollen, wie Lichtman sagte. "Der Kampf ist noch nicht vorbei", sagte Lichtman. Über den äußerst harten Gerichtsprozess sagte er: "Wir haben wie die Teufel gekämpft."

Strategie der Verteidigung misslingt

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"El Chapo" hatte im Prozess gegen ihn die Aussage verweigert.

(Foto: REUTERS)

Die Staatsanwaltschaft hatte in dem Prozess über zweieinhalb Monate massenhaft Beweismaterial vorgelegt und mehr als 50 Zeugen aufgerufen. Guzmáns Anwälte riefen dagegen nur einen einzigen Zeugen auf und beendeten ihre Verteidigung des Falls innerhalb von 30 Minuten. Ihre Strategie bestand im Wesentlichen darin, die Zeugen der US-Regierung als Lügner darzustellen, die durch Aussagen gegen Guzmán lediglich eigene Haftstrafen verringern wollten. Guzmán selbst hatte darauf verzichtet auszusagen.

Guzmán ist derzeit in einem Hochsicherheitsgefängnis in New Yorks Stadtteil Manhattan eingesperrt. In Mexiko gelang es Guzmán bereits zwei Mal, aus dem Gefängnis auszubrechen: 2001 entkam er in einem Wäschekorb und 2015 durch einen Tunnel, den Komplizen bis unter seine Zelle gegraben hatten. Der frühere Chef des Sinaloa-Kartells war in Mexiko verhaftet und Anfang 2017 an die USA ausgeliefert worden.

Quelle: n-tv.de, mba/dpa/AFP

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