Nazis jahrzehntelang HerausgeberJustiz-Standardwerke erhalten neue Namen

Juristen und angehende Juristen beschäftigen sich tagtäglich mit kommentierten Gesetzesbänden und Nachschlagewerken, die meist unter dem Namen des Herausgebers bekannt sind. Einige dieser Standardwerke erscheinen nun unter einer anderen Bezeichnung aufgrund der Nazi-Vergangenheit Mitwirkender.
Das nach dem NS-Juristen Otto Palandt benannte Justiz-Standardwerk "Palandt" wird umbenannt. Das teilte der Münchner Verlag C.H. Beck mit. "Bereits auf der nächsten, im November 2021 erscheinenden Auflage wird auf dem Umschlag der Name des aktuellen Koordinators der Autorinnen und Autoren, des Richters am Bundesgerichtshof Dr. Christian Grüneberg, genannt werden."
Auch alle anderen Werke, bei denen in der NS-Diktatur aktive Juristen als Autoren oder Herausgeber genannt sind, werden andere Namen erhalten. So soll der Loseblattkommentar zum Grundgesetz von Maunz/Dürig künftig den Namen Dürig/Herzog/Scholz tragen und die Gesetzessammlung Schönfelder vom Vorsitzenden der Ständigen Deputation des Deutschen Juristentages Mathias Habersack herausgegeben werden.
Zuvor hatte das Münchner Institut für Zeitgeschichte im Auftrag des Bayerischen Justizministeriums eine entsprechende Studie durchgeführt. Der "Palandt", vielleicht das prominenteste Beispiel, ist ein Kommentar zum Bürgerlichen Gesetzbuch. Otto Palandt selbst hat nicht viel für das Werk geschrieben. Er war Präsident des Reichsjustizprüfungsamtes, leitete die Abteilung "Ausbildung" im Reichsjustizministerium und war Mitglied der NSDAP.
"Müssen integre Persönlichkeiten sein. Keine Nationalsozialisten"
Heinrich Schönfelder war seit 1943 Kriegsgerichtsrat bei verschiedenen deutschen Kriegsgerichten in Italien und wurde von Partisanen erschossen. "Das ist eine bedeutsame Entscheidung", kommentierte Bayerns Justizminister Georg Eisenreich von der CSU. "Die Umbenennung ist notwendig: Namensgeber für Gesetzessammlungen und Kommentare müssen integre Persönlichkeiten sein. Keine Nationalsozialisten."
Da man Geschichte nicht ungeschehen machen könne, habe man zunächst die historischen Namen beibehalten, sagte Verleger Hans Dieter Beck laut Mitteilung. "Um Missverständnisse auszuschließen, haben wir uns nun dazu entschlossen, Werke mit Namensgebern, die in der NS-Zeit eine aktive Rolle gespielt haben, umzubenennen."