Panorama

Empörung in Spanien Karnevalisten tragen Nazi- und KZ-Uniformen

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Sollte es witzig sein? Sollte es Gedenken sein? Man weiß es nicht.

(Foto: dpa)

Karnevalisten in KZ-Häftlingskleidung, Tänzerinnen in Nazi-Uniformen und ein als Gaskammer gestalteter Motivwagen: Der Faschingsumzug einer spanischen Kleinstadt sorgt für Empörung. Das Land bemüht sich um Schadensbegrenzung.

Die spanische Regierung hat empört auf einen den Holocaust verharmlosenden Karnevalsumzug in der Kleinstadt Campo de Criptana reagiert. Sie sei "entsetzt" über den Umzug, erklärte Außenministerin Arancha González Laya bei Twitter. "Ich lehne jede Banalisierung des Holocaust entschieden ab." Tags zuvor hatte die israelische Botschafterin Rodica Radian-Gordon die "beschämende Verharmlosung des Holocaust" bei dem Umzug scharf kritisiert. Diese sei "ein Affront gegen das Gedenken der Shoah-Opfer und ein unerträglicher Ausdruck von Antisemitismus", schrieb Radian-Gordon auf Twitter.

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Andere Teilnehmer des Umzugs schwenkten Israel-Fahnen.

(Foto: dpa)

Auf dem Karnevalsumzug in der Kleinstadt nahe Madrid waren am Montag Dutzende Menschen in voller Nazi-Montur aufgetreten. Andere trugen gestreifte KZ-Häftlingsanzüge und schwenkten die Israel-Flagge, wie auf Fotos zu sehen war. Ein Wagen war zudem wie eine Gaskammer gestaltet. Auch Kinder mit gelbem Davidstern nahmen an dem Umzug teil.

Die Organisatoren haben sich nach Angaben der spanischen Außenministerin inzwischen beim Verband der jüdischen Gemeinden in Spanien entschuldigt. Das Rathaus von Campo de Criptana teilte mit, es sei an der Planung des Umzugs nicht beteiligt gewesen. Der zuständige Kulturverein habe im Vorfeld gesagt, er wolle den Holocaust-Opfern mit dem Umzug eine "Hommage" erweisen. "Es ist offensichtlich, dass dies nicht geschehen ist", hieß es in der Erklärung des Rathauses.

Auch Kritik an belgischem Karnevalsumzug

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Banalisierung des Holocaust nennt man so etwas gemeinhin.

(Foto: dpa)

Es ist bereits die zweite Karnevalsveranstaltung, die in dieser Woche heftige Kritik ausgelöst hat. Am Montag hatte die EU-Kommission antisemitische Klischees beim Karnevalsumzug im belgischen Aalst scharf kritisiert. Dort waren am Sonntag Umzugswagen und Kostüme mit klischeehaften und abwertenden Anspielungen auf orthodoxe Juden zu sehen gewesen.

Zuletzt hatte die Menschenrechtskommissarin des Europarats, Dunja Mijatovic, die antijüdischen Darstellungen beim Karneval in Aalst verurteilt. Tradition und Satire dürfe nicht entmenschlichen, schrieb Mijatovic am Dienstag auf Twitter. "Rassistische und antisemitische Darstellungen und andere hasserfüllte Darstellungsweisen sollten in #AalstCarnival keinen Platz haben." Sie forderte Belgien auf, eine starke Haltung einzunehmen, damit solche Veranstaltungen Vorurteile und Stereotype nicht verstärkten.

Quelle: ntv.de, vpe/dpa/AFP