Panorama

"Unwohlsein stärker geworden" Kekulé sieht neue Hinweise für Laborunfall

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Dass im chinesischen Wuhan mit Coronaviren gearbeitet wird, ist bekannt. Die Theorie, es könnte in einem Labor dabei zu einem Unfall gekommen sein, weisen die Behörden in China aber vehement zurück.

Stammt das Coronavirus aus einem Labor oder ist es bei der Pelzproduktion vom Tier auf den Menschen übertragen worden? Virologe Alexander Kekulé hält Letzteres für wahrscheinlicher. Allerdings wachsen bei ihm die Zweifel.

Der Hallenser Virologe Alexander Kekulé sieht neue Hinweise darauf, dass das Coronavirus doch auf einen Laborunfall in Wuhan zurückzuführen sein könnte. Er habe diese Möglichkeit nie ausgeschlossen, und er schließe das auch weiterhin nicht aus. Im Gegenteil. "Mein Unwohlsein bezüglich der Möglichkeit, dass es auch ein Laborunfall gewesen sein könnte, ist eher stärker geworden", sagte Kekulé ntv.de.

Bisher habe er die Labor-Hypothese immer etwas abgetan, so der Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie des Universitätsklinikums Halle. Sein Argument sei gewesen: "Sowas kann sich kein Dr. Mabuse ausgedacht haben." Das Virus habe einige besondere Eigenschaften, die so exotisch seien, dass sie nur aus der Natur kommen könnten.

"Jetzt lese ich aber in dem Antrag von Peter Daszak, dass er genau das machen wollte. Die US-Behörden haben ihm kein Geld dafür gegeben, weil sie gesagt haben, das ist zu gefährlich", erklärt Kekulé. Denn Daszak, ein britisch-amerikanischer Zoologe, spezialisiert auf Infektionskrankheiten, die vom Tier auf den Menschen übertragen werden, habe genetische Veränderungen an Coronaviren aus Fledermäusen vornehmen wollen. Zwar sei der Förderantrag abgelehnt worden. Daszak habe zu dem Zeitpunkt aber eng mit Wissenschaftlern aus Wuhan kooperiert. Und in dem eingereichten Antrag stehe sogar drin, dass Daszak seine Forschung auf Basis der Corona-Isolate aus Wuhan, die sie dort aus Fledermäusen gewonnen haben, durchführen wolle.

War der Gärtner der Mörder?

Ob aber die geplanten Forschungen im chinesischen Wuhan dennoch stattgefunden hätten, könne er natürlich nicht sagen. Kekulé: "Es ist so: Sie haben zwar keine Smoking Gun, aber Sie haben einen Brief des Gärtners, der geschrieben hat, ich nehme jetzt folgende Pistole, lade folgende Munition und erschieße dann den Hausherrn. Dann liegt der Hausherr tot auf dem Boden, erschossen mit genau diesem Kaliber. Und Sie sagen, der Mörder war aber nicht der Gärtner."

Kekulé rechnet trotz der neuen Untersuchungen der WHO nicht damit, dass man jemals rausbekommt, wie das Coronavirus entstanden ist. "Ich glaube, man wird es nie rausfinden. Ich denke sogar, das ist im Sinne der Sache letztlich gar nicht so schlimm."

Schließlich brauche der Westen die Chinesen, um den nächsten Ausbruch zu verhindern. Wir müssten gemeinsam mit ihnen erforschen, wie Coronaviren und andere Erreger vom Tierreich auf den Menschen überspringen können, und die Welt brauche Transparenz, was in chinesischen Biolaboren gemacht würde. Da sei es zielführender, "niemand an den Pranger" zu stellen, so Kekulé. "Ich würde die Chinesen mit Vorwürfen in Ruhe lassen. Gerade wenn es ein Laborunfall war, wird Peking mit allen Mitteln verhindern, dass sich so etwas wiederholt."

Zwar wäre es wissenschaftlich sehr spannend, den genauen Ursprung des Coronavirus zu kennen. Doch die Weltgemeinschaft müsse ohnehin gegen beide diskutierten Quellen des Coronavirus vorgehen. "Bereits jetzt gibt es zwei plausible Möglichkeiten, wie die Pandemie entstanden sein könnte. Meine Lieblingstheorie war und ist nach wie vor, dass das Virus aus der Pelzproduktion stammt. Es ist aber auch möglich, dass es ein Laborunfall war", so Kekulé. Damit sei klar, was die Welt tun müsse, um die nächste Pandemie zu verhindern. "Wir müssen erstens Wild- und Nutztiere mit Kontakt zum Menschen systematisch überwachen. Zweitens brauchen wir ein Frühwarnsystem zur Erkennung ungewöhnlicher Seuchenausbrüche beim Menschen. Drittens müssen wir biologische Labore besser kontrollieren. Diese Forderungen gab es, auch von mir, schon lange vor der aktuellen Pandemie. Ich hoffe sehr, dass die Weltgemeinschaft das Thema jetzt endlich ernst nimmt."

Peter Daszak und die Labor-Theorie

Peter Daszak ist ein britisch-amerikanischer Zoologe und gilt als ausgewiesener Experte auf dem Gebiet der Infektionsepidemiologie - speziell im Bereich der Zoonosen. Schon 2004 hat er in Malaysia Fledermäuse gefangen, um sie auf Viren zu untersuchen, die für den Menschen potenziell tödlich sein können. Das Ziel: Die nächste Pandemie zu verhindern.

Bei seinen Projekten arbeitete Peter Daszak in der Vergangenheit oft mit dem Institut für Virologie in Wuhan (WIV) und speziell mit der Forschergruppe von Virologin Zheng-Li Shi zusammen. Gemeinsam haben die Chinesin und der Brite fast zwei Dutzend Studien veröffentlicht.

Daszak ist überzeugt, dass die Corona-Pandemie einen natürlichen Ursprung hat. Bereits im Februar 2020 rekrutierte er 26 prominente Virologen - unter ihnen Christian Drosten -, um ein von ihm verfasstes Statement zu unterschreiben: Die Labor-Theorie ist eine "Verschwörungstheorie". Im Juni 2020 veröffentlichte der britische "Guardian" einen Text von Daszak mit dem Titel: "Ignorieren Sie die Verschwörungstheoretiker: Wissenschaftler wissen, dass Covid-19 nicht im Labor gezüchtet wurde"

Trotz seiner klaren Positionierung gehörte Daszak Anfang 2021 zur Ermittlungsgruppe der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die in Wuhan die Ursache der Pandemie suchen sollte. Das Untersuchungsergebnis wurde später von WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus persönlich infrage gestellt. Mehr als ein Dutzend Virologen, Epidemiologen und Biologen haben die Untersuchung anschließend als "Scharade" oder "Maskerade" bezeichnet, die von Interessenskonflikten begleitet ist.

Ende September 2021 berichtete dann die Recherchegruppe Drastic (Decentralized Radical Autonomous Search Team Investigating Covid-19) auf ihrer Website über den Antrag von Peter Daszak aus dem Jahr 2018. Der 25 Seiten lange Forschungsantrag sei der Recherchegruppe anonym zugespielt worden. In der Stellungnahme der US-Behörden wird die gewünschte Förderung unter anderem mit dem Hinweis abgelehnt, die Risiken der Forschung an Coronaviren seien nicht ausreichend berücksichtigt worden. Ob die von Drastic geleakten Dokumente echt sind, kann nicht verifiziert werden.

Quelle: ntv.de, tar

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