Nach Obdachlosigkeit in KielMaddie-Verdächtiger Christian B. kehrt nach Braunschweig zurück

Statt die von der Stadt Kiel gestellte Unterkunft zu beziehen, zieht es den verurteilten Sexualstraftäter Christian B. zurück nach Braunschweig. In die Stadt, in der weiter gegen ihn ermittelt wird. Seine Rückkehr wirft Fragen auf.
Nachdem der verurteilte Sexualstraftäter Christian B. zuletzt in einem Waldstück in Kiel lebte, hält er sich nun wieder in Braunschweig in Niedersachsen auf - in der Stadt, in der die Staatsanwaltschaft weiter wegen Mordes an Madeline McCann gegen ihn ermittelt. Das berichten die "Braunschweiger Zeitung" und der "NDR Niedersachsen".
Der Verdächtige im Fall der verschwundenen Madeleine "Maddie" McCann wechselte seit seiner Freilassung am 17. September 2025 immer wieder wegen Anfeindungen seinen Wohnort, übernachtete zwischenzeitlich in einem Zug, in Hotels und lebte zuletzt obdachlos in einem Waldstück in Kiel-Wellsee. Dort kam es den "Kieler Nachrichten" zufolge regelmäßig zu Protesten von Anwohnern, die ihre Angst vor dem wegen der Vergewaltigung einer 72-Jährigen verurteilten Straftäter demonstrieren wollten.
Die Stadt Kiel stellte Christian B. daraufhin eine Containerunterkunft. Bezogen hat er die offenbar nie. Wie die "Braunschweiger Zeitung" berichtet, soll die Adresse publik geworden sein. B. soll daraufhin vergangene Woche nach Nordrhein-Westfalen gereist sein, zunächst nach Düsseldorf, wo er aber von der alarmierten Polizei weggeschickt worden sein soll.
Seit vergangenem Donnerstag ist er nun wieder in Braunschweig, hält sich in verschiedenen Obdachlosenunterkünften auf, wie die Polizei dem NDR bestätigte. Überwacht wird er auch hier laut Polizei per elektronischer Fußfessel. Zudem stehen mindestens zwei Beamte des Bundeskriminalamts bereit, um Christian B. rund um die Uhr offen zu observieren, heißt es bei der "Braunschweiger Zeitung".
Was will Christian B. in Braunschweig?
Warum es B. wieder nach Braunschweig gezogen hat, ist bislang unklar. Vor seiner Festnahme hatte er hier seinen letzten offiziellen Wohnsitz, soll auch Freunde dort haben. Bei seinem letzten Besuch in der niedersächsischen Stadt kurz nach seiner Freilassung hatte er in Begleitung eines britischen Journalisten das Gebäude der Staatsanwaltschaft aufgesucht und wollte zum Sprecher der Anklagebehörde vorgelassen werden.
Ob es B. länger in Braunschweig hält, ist laut Christian Wolters, Sprecher der Staatsanwaltschaft Braunschweig, unwahrscheinlich, wie er der "Braunschweiger Zeitung" mitteilt: "Ob die Situation für ihn in Braunschweig besser wird, weiß ich nicht. Ich würde mich auch nicht darauf verlassen, dass er längerfristig hier bleibt. Niemand weiß so recht, was er eigentlich möchte."
Christian B. ist wegen Sexualdelikten mehrfach vorbestraft. Im September 2025 war er aus einer Justizvollzugsanstalt in Niedersachsen entlassen worden, nachdem er eine siebenjährige Haftstrafe unter anderem wegen Vergewaltigung abgesessen hatte. Die Staatsanwaltschaft in Braunschweig stuft ihn unabhängig davon als Verdächtigen im Fall der verschwundenen Maddie McCann ein. Maddie verschwand im Jahr 2007 als Dreijährige bei einem Portugal-Urlaub spurlos aus der Ferienwohnung ihrer Eltern. Trotz jahrelanger Ermittlungen und großer Aufmerksamkeit durch die Medien ist ihr Schicksal ungeklärt.