Panorama

Vier Tatverdächtige festgenommenMesserangriff auf kurdische Demonstration in Belgien: Zwei Menschen in Lebensgefahr

23.01.2026, 03:12 Uhr
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Seit Tagen protestieren Kurden und Sympathisanten gegen das Vorgehen der syrischen Armee gegen kurdische Kräfte. (Foto: picture alliance / abaca)

Etwa 50 Menschen versammeln sich im belgischen Antwerpen zu einer Solidaritätsveranstaltung für die Kurden in Syrien. Als sich die Kundgebung gerade auflöst, stechen mehrere Männer plötzlich um sich. Die kurdische Gemeinde spricht von einem Terroranschlag, die Polizei nicht.

Bei einem Messerangriff auf eine kurdische Demonstration in der belgischen Stadt Antwerpen sind Polizeiangaben zufolge sechs Menschen verwundet worden. Alle Verletzten, darunter zwei in lebensbedrohlichem Zustand, seien in ein Krankenhaus eingeliefert worden, sagte der örtliche Polizeisprecher Wouter Bruyns. Vier Verdächtige seien in der Nähe des Opernhauses von Antwerpen festgenommen worden. Nach einem weiteren möglichen Tatverdächtigen werde noch gesucht.

Der Angriff ereignete sich Behördenangaben zufolge gegen 19.20 Uhr bei einer Solidaritätsveranstaltung für die kurdische Bevölkerung in Syrien. Die Kundgebung mit etwa 50 Teilnehmern stand unter dem Motto "Rojava verteidigen – Stoppt die Angriffe". Zahlreiche Familien, Frauen und Kinder hätten an der Veranstaltung teilgenommen, berichtete der Sprecher von Nav-Bel, der kurdischen Diaspora-Organisation in Belgien, Orhan Kilic. Als sich die Demonstration langsam auflöste, hätten mehrere Männer, die sich offenbar unter die Demonstranten gemischt hatten, "plötzlich Messer gezogen und wahllos auf Menschen eingestochen". Es handele sich um "keinen Einzelfall sinnloser Gewalt, sondern einen motivierten Angriff auf eine Gemeinschaft".

Polizei ermittelt wegen versuchten Mordes

Die Polizei hat sich zum Motiv der Tat nicht geäußert. Man untersuche den Angriff als versuchten Mord und "nicht als Terrorismus", hieß es. Nav-Bel-Sprecher Kilic widerspricht dieser Sicht. Es habe sich um einen gezielten, dschihadistisch motivierten Anschlag gehandelt, sagte er. Die Angreifer seien dem äußeren Anschein nach Männer aus dem Nahen Osten mit extremistischer Gesinnung gewesen.

Die kurdische Gemeinde Antwerpens bezeichnete den Anschlag ebenfalls als Terrorakt. „Die Ereignisse in Syrien und der Anschlag in Belgien zeigen, dass die Bedrohung durch dschihadistischen Extremismus nicht verschwunden ist, sondern wieder an Stärke gewinnt. Wir appellieren an die nationalen und europäischen Behörden, diese Realität ernst zu nehmen“, erklärten sie.

Anlass der Demonstration in Antwerpen war die Lage in Syrien: In den vergangenen Tagen hatten syrische Regierungstruppen bei einer Offensive im Norden und Osten des Landes kurdische Kämpfer aus mehreren bisher von den Kurden kontrollierten Gebieten vertrieben. Die syrische Übergangsregierung hatte am Dienstag erneut eine Waffenruhe verkündet. Die kurdischen Kämpfer wollen sich eigenen Angaben zufolge daran halten. Zuvor verkündete Waffenruhen waren gescheitert.

Quelle: ntv.de, ino/AFP

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