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Ali B. kurz nach seiner Ankunft in Wiesbaden.
Ali B. kurz nach seiner Ankunft in Wiesbaden.(Foto: dpa)
Sonntag, 10. Juni 2018

Geständnis im Fall Susanna: Mordverdächtiger Ali B. kommt in U-Haft

Nach seiner Ankunft in Deutschland wird der Verdächtige im Mordfall Susanna, Ali B., mehrere Stunden vernommen - und er gesteht den Mord an der 14-Jährigen, bestreitet aber eine Vergewaltigung. Eine Richterin verfügt, dass der 20-Jährige in Untersuchungshaft muss.

Der Verdächtige im Fall der getöteten Susanna, Ali B., kommt nach Angaben der Polizei in Untersuchungshaft. Das habe die zuständige Ermittlungsrichterin angeordnet. Zuvor hatte sich der 20 Jahre alte Iraker ausführlich vor der deutschen Justiz geäußert. Darin gestand Ali B. den Mord an der 14-Jährigen, bestritt aber eine Vergewaltigung des Mädchens. Gegenüber Amtsrichterin bestätigte er seine zuvor getätigten Aussagen. "Als Grund für das Motiv gab er an, dass er auf Grund von Verletzungen im Gesicht von Susanna, die in Folge eines Sturzes entstanden sein sollen, befürchtet habe, dass diese die Polizei informieren werde", erklärte Oberstaatsanwalt Oliver Kuhn in einer Bekanntgabe der Staatsanwaltschaft Wiesbaden.

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Bundespolizisten hatten Ali B. am Samstag an Bord einer Lufthansa-Maschine aus der nordirakischen Stadt Erbil zurück nach Deutschland gebracht. Die Nacht hatte der Verdächtige im Wiesbadener Polizeigewahrsam verbracht, nachdem ihn ein Polizeihubschrauber am Frankfurter Flughafen abgeholt hatte.

In welche Justizvollzugsanstalt Ali B. verlegt wird, ist bisher nicht bekannt. Möglicherweise wird er in das Männergefängnis Frankfurt I gebracht. Dort könne er im Fall einer Suizidgefahr besser überwacht werden, hieß es in Ermittlerkreisen. Üblicherweise werden junge Untersuchungshäftlinge in der JVA Wiesbaden untergebracht. Ali B. hatte sich zuvor mit seiner Familie zunächst in die Türkei und dann in den Irak abgesetzt. Dort konnten ihn kurdische Sicherheitsbehörden am Freitagmorgen um 5.20 Uhr "in letzter Sekunde vorläufig festnehmen", wie Bundespolizei-Chef Dieter Romann der "Bild"-Zeitung sagte. "Der Tatverdächtige hatte vor, sich in ein Nachbarland des Irak abzusetzen."

"Außergewöhnlicher Einsatz"

Nach Angaben von Ermittlern vor Ort soll Ali B. die Tat in kurdischer Haft gestanden haben. Demnach sagte er aus, er und sein Opfer hätten viel Alkohol getrunken und Tabletten geschluckt, schließlich sei es zum Streit gekommen. Das Mädchen habe gedroht, die Polizei anzurufen, was ihn zu seiner Tat getrieben habe - er habe die 14-Jährige stranguliert. Seine Mutter sagte der Deutschen Welle, dass ihr Sohn sich nicht an die Tat erinnern könne, weil er betrunken gewesen sei. Juristisch könnte das unter Umständen als verminderte Schuldfähigkeit gewertet werden.

Behördenchef Romann, der selbst in der Maschine war, die Ali B. nach Deutschland brachte, sagte der "Bild"-Zeitung, diesen "außergewöhnlichen Einsatz" von Bundespolizei und kurdischen Sicherheitsbehörden sei man "auch der Mutter des toten Kindes schuldig". Der Fall Susanna schlägt in Deutschland seit Tagen hohe Wellen. Bundeskanzlerin Angela Merkel begrüßte die Festnahme Ali B.s und seine Rückführung nach Deutschland. "Das unfassbare Leid, das der Familie und dem Opfer widerfahren ist, bewegt jeden und erfasst auch mich", sagte sie am Samstag am Rande des G7-Gipfels im kanadischen La Malbaie.

Demonstrationen gehen weiter

In Susannas Heimatstadt Mainz geht unterdessen eine Serie von Demonstrationen weiter. Am Sonntag fanden sich aber nur wenige Demonstranten bei einer Kundgebung der rechtsgerichteten Initiative "Beweg was!" ein. Sie hatte unter dem Titel "Merkel muss weg" in den vergangenen Wochen gegen illegale Einwanderung protestiert. Auch mehrere Gegendemonstrationen waren schwach besucht. Für Montag waren weitere Proteste angekündigt.

Die Kriminalpolizei in Wiesbaden bittet im Fall Susanna weiterhin um Zeugenhinweise aus der Bevölkerung. Sie hat ein Callcenter mit mehreren Polizisten eingerichtet, das bis auf Weiteres rund um die Uhr besetzt sein soll. Gesucht werden demnach Zeugen, die am 22. und 23. Mai verdächtige Beobachtungen in Wiesbaden-Erbenheim gemacht haben, wo später Susannas Leiche gefunden wurde.

Quelle: n-tv.de