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"Meine zweite Berufung"Nach 37 Dienstjahren: Katholischer Pfarrer gibt Amt für die Liebe auf

23.08.2026, 15:48 Uhr
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Ein-katholischer-Pfarrer-traegt-einen-Weihwasserkessel-auf-dem-Weg-zur-Grabstelle-bei-einer-Beerdigung-in-St-Georgen
Andreas Unfried wird künftig selbst kein Weihwasser mehr tragen. (Foto: picture alliance / Winfried Rothermel)

Heimlich lebt ein katholischer Pfarrer in Hessen über Jahre mit einer Frau zusammen. Doch damit ist nun Schluss: In einem ausführlichen Brief beendet er das Versteckspiel und kündigt seine eigene Hochzeit an. Seine Gemeinde reagiert überrascht.

Weil er selbst heiraten möchte: Der Pfarrer einer katholischen Gemeinde im Taunus legt kurz vor seinem Ruhestand sein Amt nieder. Wie Andreas Unfried in einem offenen Brief an die Gemeinde St. Ursula in Oberursel und Steinbach schreibt, lebe er seit Jahren heimlich in einer Beziehung mit seiner "großen Liebe". Nun spüre er, dass nach 37 Dienstjahren die Zeit gekommen sei, seiner "zweiten Berufung" nachzukommen - und zu heiraten.

"Die Konsequenz der Suspendierung vom priesterlichen Amt ist zwingend und mir bewusst", schreibt er weiter. "Es war mir immer klar, dass die katholische Kirche für die Ausübung des Priesteramts den Zölibat verlangt", schreibt Unfried. "Ich habe dies auch nach Kräften versucht zu leben, muss aber anerkennen, dass ich dieses Charisma nicht wirklich in mir trage." Der Zölibat bedeutet, keine Ehe, keine Kinder und keinen Sex zu haben. In der katholischen Kirche wird das durchaus umstritten gesehen. Er wird dort als "Charisma" verstanden - also als eine Gabe Gottes, die einen Pfarrer vollständig auf Christus ausrichten soll.

Seine Zeit in der Kirche hätte der Pfarrer aber nicht durchgehalten, "wenn ich mir nicht der Unterstützung meiner Lebenspartnerin hätte sicher sein können". Jedoch sei es nun an der Zeit, schreibt Unfried, die Gewichtungen in seinem Leben neu zu verteilen. Seine Frau sei kürzlich in den Ruhestand gegangen - und auch für ihn sei "das Ende der beruflichen Tätigkeit nahegekommen", erklärt er. "Sie hat lange auf mich gewartet. Dafür bin ich sehr dankbar. Nun ist es genug."

"Für die Pfarrei schmerzlich"

Unfried verlässt sein Amt mit viel Dankbarkeit. "Mit ganzem Herzen war und bin ich Seelsorger, Pfarrer und Funktionsträger in der Ortskirche Limburg", heißt es. Er sei auch als Bezirksdekan, in verschiedenen Rollen bei der Caritas und als Geistlicher Begleiter tätig gewesen. "Ich habe die 15 Jahre als Pfarrer in Kriftel und Hofheim - und insbesondere die 16 Jahre als Pfarrer in Oberursel und Steinbach als überaus spannend und bereichernd erlebt." Er habe die Kirche als stets "förderlich und wohlwollend" erfahren. "Ohne die katholische Kirche wäre ich nicht, wer ich heute bin."

Doch ab jetzt wartet ein anderes Leben auf ihn. "Nun ruft mich die Liebe zu der Frau, mit der ich schon lange das Leben teile. Gemeinsam werden wir suchen, wie wir unser Christsein und unsere Berufung fortan gemeinsam leben können", erklärt Unfried. Ihm sei bewusst, dass seine Entscheidung auch "Enttäuschungen" auslösen werde. "Ich kann nur hoffen, dass mein Schritt irgendwann akzeptiert werden kann, auch wenn ich weiß, dass ich vielen damit aktuell das Leben schwer mache."

Über seinen Rücktritt habe Unfried auch schon seinen Chef, dem katholischen Bischof von Limburg, Georg Bätzing, informiert. Dennoch ist der Schritt für die Gemeinde eine Überraschung. "Die Situation ist für die Pfarrei und das Bistum schmerzlich, da sie auch so unerwartet kommt. Seine Entscheidung für einen anderen Lebensweg gilt es jedoch zu respektieren", zitiert "Hofheim News" den Domkapitular Georg Franz. Unfried gestaltete unter anderem dort und auch in Kriftel und Eppsteil die Seelsorge.

Quelle: ntv.de, ses

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