Panorama

Sandsäcke und künstliche Dünen New York verzweifelt an den Klimakosten

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(Foto: picture alliance / Gregor Fische)

Sturmfluten, veränderte Küstenlinien und ein riesiges U-Bahnnetz unterhalb des Grundwasserspiegels: Die Millionenmetropole New York setzt auf milliardenschwere Baumaßnahmen, um sich vor den Folgen des Klimawandels zu schützen.

Der steigende Meeresspiegel infolge der Klimaerwärmung bedroht nicht nur tropische Inselstaaten - auch New York, Gastgeber des UN-Klimagipfels, bleibt von den Auswirkungen nicht verschont. Spätestens seit den Verheerungen durch Hurrikan "Sandy" im Oktober 2012 zweifeln die Bewohner der US-Metropole nicht mehr am Klimawandel. Die Stadt wappnet sich bereits gegen steigende Wasserpegel und sieht sich dabei als Vorreiter. Doch Behörden und Stadtplaner stehen vor einer Herkulesaufgabe.

Der Wasserpegel im New Yorker Stadtgebiet könnte Experten zufolge bis 2100 um 1,80 Meter ansteigen - auch die Zahl verheerender Stürme und Sturmfluten dürfte zunehmen. Schon seit einiger Zeit setzt die Metropole deshalb darauf, ihre 850 Kilometer lange Küstenlinie zu verstärken.

Auf der Halbinsel Rockaways im Stadtteil Queens sowie auf Staten Island im Süden, den am stärksten von "Sandy" getroffenen Gebieten, wurden bereits über 15 Kilometer künstliche Sanddünen angelegt. Millionen Tonnen Sand mussten auch angekarrt werden, um die Strände von Rockaways und Coney Island in Brooklyn zu verstärken. Mehrere Milliarden Dollar gab die Stadt darüber hinaus zum Schutz der New Yorker Stromnetze und der U-Bahn vor Überflutungen aus.

In mehreren Vierteln in Brooklyn und vor allem nahe der Wall Street im Süden der Manhattan-Insel tauchten in jüngster Zeit mehr und mehr sandgefüllte Container auf - provisorische Barrieren, die in den nächsten fünf Jahren vor Hochwasser schützen sollen, bis langfristigere Lösungen gefunden sind.

Den amtlichen Prognosen zufolge sind im Jahr 2050 rund 37 Prozent der Gebäude an Manhattans Südspitze durch Sturmfluten bedroht. 50 Jahre später könnten bereits 20 Prozent der Straßen in dem Gebiet täglich überflutet werden.

Pufferzonen vor Manhattan

Doch die ambitioniertesten Projekte zum Hochwasserschutz haben noch nicht einmal begonnen. So will die Stadt ab dem kommenden Jahr und über die nächsten drei Jahre hinweg den Park entlang des East River im Süden Manhattans höher legen.

Ein weiteres Projekt von Bürgermeister Bill de Blasio sieht vor, die Stadtfläche im Süden Manhattans um 150 Meter auszudehnen - in den East River. Der zusätzliche Landstrich soll künftig "Stürmen die Spitze nehmen", wie der umweltpolitische Experte der Columbia Universität, Stephen Cohen, erklärt. Das Projekt würde allerdings bis zu zehn Milliarden Dollar (über neun Milliarden Euro) verschlingen, und niemand weiß, woher das Geld kommen soll.

Neben Politikern und Experten befassen sich auch Techniker der US-Armee mit Plänen zum Schutz der gesamten New Yorker Region. Einer ihrer Vorschläge sieht den Bau von Unterwasser-Sturmbarrieren für alle Wasserwege in New York vor; die Flutgefahr wäre damit zu 92 Prozent gebannt, doch würde das 120 Milliarden Dollar kosten und das Ökosystem in den von starken Gezeitenströmen versorgten Seitenarmen der Hudson-Bucht gefährden.

20 Milliarden Dollar als "Anzahlung"

Was auch immer zum Schutz New Yorks unternommen wird - inzwischen dämmert es allen, dass es viel Geld und Zeit kosten wird und die ursprünglich veranschlagten 20 Milliarden Dollar nicht mehr sein werden als eine "Anzahlung", wie die Stadtverwaltung meint.

Viele New Yorker erfüllt das mit Sorge. "Sieben Jahre nach Sandy reden wir immer noch über Sandsäcke als unseren Hauptschutz vor Monsterstürmen", sagt der für ein Küstengebiet in Brooklyn zuständige Stadtrat Justin Brannan.

"Zwischen dem, was New York bisher tun konnte, und was tatsächlich nötig wäre, klafft eine riesige Lücke", warnt Roland Lewis vom Schutzbündnis Waterfront Alliance. "Wir sind eine der großartigsten Städte der Welt, wir sind sehr wohlhabend, und doch gelingt es uns nicht, uns jetzt und sofort gegen die neue Realität zu wappnen."

Keine Hilfe von Trump

Wie viele andere New Yorker klagt auch Lewis über "das enorme Vakuum", mit dem die Stadt in der Diskussion auf Bundesebene konfrontiert ist. Auf Hilfe braucht die von den Demokraten geführte größte Millionenstadt der USA bei Präsident und Klima-Skeptiker Donald Trump nicht zu hoffen - obwohl der frühere Immobilienmanager auch Gebäude in Manhattan besitzt.

Allen Problemen und Herausforderungen zum Trotz rät Umweltpolitik-Experte Cohen aber zur Gelassenheit: "Natürlich möchten die Leute, dass alles schneller geht", sagt er. "Doch besser ist es allemal, es richtig zu machen, als Fehler zu machen".

Quelle: n-tv.de, mmo/AFP

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