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Entscheidend ist nur wie Nichts spricht gegen Herbsturlaub im Ausland

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Mit der Familie in die Natur: Die Herbstferien stehen an.

(Foto: imago images/Westend61)

Es ist gut, dass die Bundesregierung von Reisen in EU-Risikogebiete abrät. Ganz aufs Ausland verzichten muss man in den Herbstferien deshalb aber nicht. Denn entscheidend ist nicht die Frage, ob man in Deutschland bleibt, sondern wie man sich im Urlaub verhält.

Es sind schlechte Nachrichten für die kommenden Herbstferien: Die Bundesregierung erklärt am Mittwoch Regionen in elf EU-Ländern zu Corona-Risiko-Gebieten. Das schränkt die Auswahl an Urlaubszielen nicht nur ein, sondern wirft wie auch schon im Sommer die Frage auf: Sollte man überhaupt ins Ausland in den Urlaub fahren? Ja! Denn nicht der Ort entscheidet über eine Ansteckung, sondern das eigene Verhalten - und zwar nicht nur im Urlaub, sondern überall. Auch, wenn man zum Urlaub in Deutschland bleibt.

Friedrichshain-Kreuzberg liegt nicht im Ausland, zieht aber trotzdem jedes Jahr Zehntausende deutsche Touristen an. Das Infektionsgeschehen in dem Berliner Bezirk hat kürzlich die Corona-Obergrenze überschritten. Wer hier in überfüllte Busse und Bahnen steigt, geht momentan ein höheres Risiko ein, sich mit Sars-CoV-2 zu infizieren, als am Flughafen.

Eine Flugreise ist Studien zufolge nicht riskanter als ein heimischer Friseur- oder Restaurantbesuch. Größer ist die Gefahr sogar, sich im Fitnessstudio oder in der Kneipe anzustecken. Ganz zu schweigen von Club- oder Geburtstagsfeiern. Wer am Flughafen und im Flugzeug aber eine Maske trägt und sich an die Hygienevorschriften hält, ist weder für sich noch für andere eine Gefahr.

Partys sind die größte Gefahr

Aber waren nicht vor allem Reiserückkehrer für den Anstieg der Infektionszahlen verantwortlich? Ja, schon. Aber eben nur die, die trotz Reisewarnung in Risikogebieten waren. Zuletzt nahm der Anteil der Covid-19 Fälle unter Reiserückkehrern rapide ab. Schuld an den steigenden Infektionszahlen waren stattdessen Feiern im Freundes- und Familienkreis. Keine Masken, kein Abstand und ganz viel Körperkontakt. Es ist schon lange kein Geheimnis mehr, dass vor allem junge Menschen sich auf Feiern gegenseitig infizieren - egal, ob in Deutschland oder im Ausland.

Die meisten, die im Herbst in den Urlaub fahren wollen, sind aber Familien mit Schulkindern. Dass Eltern sich im Familienurlaub in Bars die Kante geben und sich ins Partygetümmel schmeißen, ist dann doch eher unwahrscheinlich. Auch Kinder sind im Ausland keiner größeren Gefahr ausgesetzt als in Schulen oder Kitas. Wer also überfüllte Hotels meidet, Hygienevorschriften einhält oder es sich in einer Ferienwohnung gemütlich macht, geht auch im Ausland kein Risiko ein.

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Dass die Bundesregierung Regionen mit erhöhtem Infektionsgeschehen zu Risikogebieten erklärt, ist wichtig und richtig so. Deshalb müssen aber nicht alle Menschen ihren Urlaub in anderen Länder abblasen. Wer also in den Urlaub fahren oder fliegen will, soll das tun. Aber bitte verantwortungsbewusst, mit Maske und reichlich Abstand zu vollen Bars, Stränden oder Hotels. Denn wer immer noch nicht verstanden hat, dass diese "Spaß-Aktivitäten" sich selbst und andere Menschen in Gefahr bringen, der versteht es auch in Deutschland nicht.

Quelle: ntv.de