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Corona-Flug ausgewertet Im Flugzeug steckt man sich sehr selten an

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Auf Flügen mit Maskenpflicht ist das Ansteckungsrisiko vermutlich geringer als in anderen Verkehrsmitteln.

(Foto: REUTERS)

Deutsche Wissenschaftler analysieren einen Flug mit sieben Infizierten an Bord. Lediglich zwei Passagiere steckten sich auf der fast fünfstündigen Reise im März an, obwohl damals eine wichtige Sicherheitsmaßnahme fehlte.

Viele Deutsche, die noch in den Urlaub fliegen wollen oder bald zurückfliegen müssen, fragen sich vielleicht, ob sie damit ein erhöhtes Risiko eingehen, sich mit Covid-19 anzustecken. Doch sie müssen sich wohl keine allzu großen Sorgen machen, wenn sie sich selbst an die geltenden Regeln halten: Eine Studie der Frankfurter Goethe-Universität zeigt, dass die Wahrscheinlichkeit einer Infektion während eines Flugs auch unter ungünstigen Umständen offenbar gering ist.

Das Team um Virologin Sandra Ciesek hat für die Studie einen Flug am 9. März mit 102 Passagieren an Bord von Tel Aviv nach Frankfurt analysiert. Erkenntnissen der Forscher zufolge waren von einer 24-köpfigen Touristen-Gruppe sieben Mitreisende infiziert. Sie hatten sich in den vorangegangenen sieben Tagen bei einem Hotelmanager angesteckt. Vier der Infizierten zeigten Symptome, drei spürten noch keine Anzeichen einer Covid-19-Erkrankung.

Tests und Interviews ergaben, dass sich wahrscheinlich zwei weitere Passagiere ansteckten, die höchstens zwei Sitzreihen von der Gruppe entfernt saßen. Die Wissenschaftler können aber nicht ausschließen, dass sich die beiden vor oder nach dem Flug angesteckt haben. Es ist also auch möglich, dass sich auf dem vier Stunden und 40 Minuten langen Flug kein einziger Passagier das Coronavirus eingefangen hat.

Noch geringeres Risiko bei Maskenpflicht

Dass es bei sieben Infizierten an Bord, von denen vier bereits Symptome zeigten, so wenig Ansteckungen gab, ist umso erstaunlicher, da in dem Flugzeug niemand eine Maske trug und es davor und danach keine Abstandsregeln gab. Vermutlich wurden die meisten Passagiere also durch die senkrechte Luftströmung an Bord und dem Einsatz von Hepa-Filtern geschützt. Und Sandra Ciesek schreibt, dass sich bei einer Maskenpflicht, wie sie heute unter anderem in der EU gilt, möglicherweise noch weniger Passagiere angesteckt hätten.

Die Studie hat Schwächen. Unter anderem fehlen Informationen zur Crew und nur 91 Prozent der Passagiere konnten befragt werde. Die Frankfurter Wissenschaftler können also weitere Infektionen nicht ausschließen. Trotzdem ist ihre Arbeit eine der bisher aussagekräftigsten Studien zum Risiko einer Covid-19-Infektion bei Flugreisen.

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Im NDR-Podcast sagt Sandra Ciesek, das Ansteckungsrisiko im Flugzeug sei durch Hepa-Filter und den Luftstrom wahrscheinlich geringer als in anderen Verkehrsmitteln. Wenn man direkt neben einem Infizierten säße und keine Maske trage, könne man sich aber anstecken.

Wie wichtig die Masken sind, zeigt ein anderer Flug, den die Chef-Virologin und ihr Team im Februar untersuchten. Er ging vom chinesischen Pandemie-Herd Wuhan ebenfalls nach Frankfurt und hatte Deutsche an Bord, die evakuiert wurden. Während des gesamten Fluges herrschte Maskenpflicht. Zwei Passagiere seien nach der Ankunft positiv getestet worden, sagt Ciesek. Während der folgenden zweiwöchigen Quarantäne der Reisenden sei keine einzige weitere Infektion festgestellt worden.

Quelle: ntv.de